Umwelt

Tauschen statt billig neu kaufen

BUND-Jugend protestiert mit Kleidertauschbörse gegen Ressourcenverschwendung und schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie.

Christa Kleeberg übergibt Aubrey Bryan von der Kleiderannahme der BUND-Jugend zwei ausgediente Kleidungsstücke. 

Christa Kleeberg übergibt Aubrey Bryan von der Kleiderannahme der BUND-Jugend zwei ausgediente Kleidungsstücke. 

Foto: Anja Meyer

Charlottenburg. Ihre einst so geliebte Seidenbluse und den dicken Wintermantel trägt Christa Kleeberg schon seit Jahren nicht mehr. Zu klein geworden, nicht mehr ganz ihr Stil - aber noch richtig gut in Schuss. Als die 76 Jahre alte Charlottenburgerin dann im Radio von der Kleidertauschbörse am Zoo hörte, wusste sie: da bringt sie ihre ausgedienten Klamotten hin. So kann sie damit wenigstens noch ein Zeichen setzen. Gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Ressourcenverschwendung in der Modeindustrie.

„Ich finde es einfach schrecklich, unter welchen Bedingungen Kleidung für solchen Läden hergestellt wird“, sagt Christa Kleeberg und zeigt auf den irischen Textildiscounter Primark im neuen „Zoom am Zoo“ hinter sich. Sie selbst kaufe sich selten neue Kleider und achte dafür darauf, wie und wo sie produziert werden. Die mitgebrachte Bluse habe sie beispielsweise in einem Eine-Welt-Laden erstanden, aus dessen Erlös indische Näherinnen unterstützt werden. „Diese Klamotten sind zwar ein bisschen teurer, dafür halten sie dann aber auch länger“, sagt die Rentnerin.

Aufruf zu verantwortungsvollem Konsum

Auf genau so einen verantwortungsvollen Konsum will die Bund-Jugend mit ihrer Protestaktion unter dem Titel „Kleidertausch statt Shoppingrausch“ aufmerksam machen. Am Donnerstag hat die dritte Berliner Filiale des irischen Textil-Disounters eröffnet. Anlass für den Nachwuchs der Umweltschutzorganisation, gegen schlechte Arbeitsbedingungen, den Gebrauch von Chemikalien und die Verschwendung von Wasser und anderen Ressourcen in der Textilindustrie zu protestieren. Der Protest richte sich dabei nicht nur gegen Primark – der Textil-Discounter stehe mit seinen Schleuderpreisen jedoch sinnbildlich für den starken Konsumrausch der sogenannten „Fast-Fashion-Industrie“. Unter denselben Bedingungen werde jedoch auch für andere Marken und Modeketten produziert.

"Jedes Stück kann länger leben"

„Wer sich ständig neue Klamotten kauft, kann diese doch gar nicht alle tragen“, sagt Helene Bond, eine der Organisatorinnen von der BUND-Jugend. Aber gerade die günstigen Preise würden dazu verleiten, sich statt nur eines T-Shirts gleich fünf oder noch mehr zu kaufen. Der Konsum werde also unnötig angeheizt. Die Kleidungsstücke liegen dann nur im Schrank herum, werden im schlimmsten Fall nach nur kurzem Gebrauch irgendwann weggeschmissen. „Wir wollen mit der Tauschbörse zeigen, dass jedes einzelne Stück länger leben kann.“

500 Menschen haben auf Facebook zugesagt

Das Prinzip der Aktion ist einfach: Jeder kann ausgediente Stücke an einem der Stände abgeben und sich dafür etwas aus den bereitstehenden Hosen, Pullovern, T-Shirts, Jacken und Schuhen aussuchen. Die Beteiligung ist rege: Mehr als 500 Menschen haben auf Facebook zugesagt, an den Kleiderstangen ist immer etwas los und es werden so viele Stücke abgegeben, dass die Organisatoren nicht mehr als drei Klamotten pro Person annehmen.

An einem der Stände probiert Lea Pollacek gerade einen weißen Mantel an. Die Studentin zögert kurz, hängt ihn dann aber doch wieder zurück. „Der ist mir ein bisschen zu klein, daran soll sich lieber jemand anderes erfreuen“, sagt sie. Sie ist großer Fan von Kleidertauschbörsen, wie sie sagt. „Wie so viele Menschen finde ich es natürlich immer wieder toll, neue Kleider zu tragen“, sagt sie. „Aber ich finde es schrecklich, das auf Kosten anderer und auf Kosten der Umwelt zu tun.“ Wer eher auf Qualität statt auf Quantität setzt, lerne auch, sorgsamer mit seinen Sachen umzugehen – und kaputte Sachen auch einfach mal mit der Nähmaschine zu reparieren. „Das ist vielen Leuten in unserer Überflussgesellschaft ja leider abhanden gekommen.“

Neben der Kleidertauschaktion hat die Bund-Jugend auch verschiedene Redner eingeladen. Darunter die Berliner Grünen-Abgeordnete Nicole Ludwig, die fordert, dass die Produktionsbedingungen von Textilien für Verbraucher klarer ersichtlich sein müssen. Außerdem zählte eine Kunstaktion zu dem Protest. Unter dem Motto „Dein Knoten für Fair Fashion“ sollen alle Besucher der Tauschbörse eines der bereitgestellten Stofffetzen aus kaputten Kleidern an eine Wäscheleine knoten. Schon am frühen Nachmittag zeigt sich eine volle Leine – und damit ein Zeichen dafür, dass sich doch viele Menschen über die Textilindustrie Gedanken machen.

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