Interview

Primark-Deutschland-Chef: „Der Westen kommt zurück“

Im Oktober eröffnet in der City West eine neue Primark-Filiale. Wolfgang Krogmann erklärt, warum der Mode-Händler an den Standort zieht.

Primark-Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann

Primark-Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann

Foto: Reto Klar

Berlin.  Neuer Nachbar in der City West: Der irische Textil-Discounter Primark eröffnet seine Filiale am 18. Oktober. Der Deutschland-Chef des Modehändlers, Wolfgang Krogmann, über den Standort und die Verantwortung, die Primark für die Näher in Bangladesch trägt.

Herr Krogmann, Sie eröffnen in Kudamm-Nähe Ihr drittes Geschäft in Berlin, bald in den Gropius-Passagen sogar noch ein viertes. Wie viele Primarks verträgt die Stadt?

Wolfgang Krogmann: Das kann ich nicht sagen. Jeder Standort muss sich rechnen. Unsere internen Berechnungen haben ergeben, dass die neuen Filialen erfolgreich werden. Natürlich lässt es sich schwer vorhersagen, wohin sich die Kunden bewegen. Berlin ist allerdings so eine große Stadt, die auch deutschlandweit die meisten Touristen anzieht. Deswegen halten wir vier Standorte für gerechtfertigt.

Warum ist der Standort für Sie attraktiv?

Charlottenburg-Wilmersdorf war schon immer ein Handelsstandort. Nach dem Fall der Mauer musste das Gebiet zwar um diesen Status kämpfen. Aber der Westen kommt zurück. Das ist zumindest mein Eindruck, wenn ich am Kudamm entlanglaufe: Die Kundenfrequenz geht stark nach oben.

Viele Ihrer Nachbarn wie C&A, H&M oder Zara, die auch Kleidung verkaufen, dürften allerdings nicht begeistert sein.

Ganz im Gegenteil. Im Zweifelsfall ist es sogar besser, neben Primark zu sein, denn die Kunden kaufen nicht nur bei uns, sondern gucken auch bei unseren Nachbarn. Tatsächlich suchen wir auch von uns aus die räumliche Nähe zu Wettbewerbern, denn wir wollen dem Kunden das Gefühl geben, an dem jeweiligen Standort ein umfassendes Angebot zu haben.

Wie sieht der neue Laden aus?

Das Geschäft am Kudamm hat das neueste Ladenbaukonzept. Wegführungen und Plakate sind digital. Es gibt Sitzecken, mehr Kassen, mehr Kabinen und einen Showroom, in den man gemeinsam mit Freunden die Kleidungsstücke anprobieren kann.

Primark verkauft T-Shirts für drei Euro und Hosen für sieben. Wie ist das möglich?

Das ist ganz einfach. Unser Aufschlag auf den Einkaufspreis ist bei uns so gering wie möglich. Zudem machen wir fast keine Werbung, und die Ware wird in den Produktionsstätten verkaufsfertig hergestellt. Unsere Verwaltung ist auch sehr schlank aufgestellt: In unserer Zentrale in Essen sind weniger als 40 Mitarbeiter tätig, obwohl wir deutschlandweit mehr als 7000 Beschäftigte haben. Natürlich sind wir aber darauf angewiesen, viele Teile zu verkaufen. Das ist das Prinzip eines Discounters.

Die Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern wie Bangladesch stehen allerdings in der Kritik. Vor fünf Jahren stürzte eine Fabrik ein. Mehr als 1110 Menschen starben. Was hat sich geändert?

Das Unglück war tragisch, und wir bedauern das sehr. Wir tun viel dafür, dass sich so etwas niemals mehr wiederholt. Wir überprüfen unsere Lieferanten fortlaufend, haben etwa Statiker und auch Ingenieure eingestellt, die jedes der Produktionsgebäude der Firmen, die für uns herstellen, überprüfen. Bei über 3000 Betriebsprüfungen haben wir zudem Themen wie Arbeitssicherheit, Arbeitsbedingungen und Einfluss auf die Umwelt untersucht. Wir lassen uns aber auch von den Personalabteilungen die Verträge geben und sprechen zudem mit den Mitarbeitern, ob auch wirklich alles so ist, wie uns das Management erzählt. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass auch Fehler gemacht werden, die wir suchen und gemeinsam mit den Lieferanten abstellen. Über die Weitergabe von Wissen und die kontinuierliche Zusammenarbeit verbessern wir so die Arbeitsbedingungen.

Soziale Absicherungen gibt es für viele Näher aber noch immer nicht.

Wir arbeiten daran, die Löhne in den Ländern zu verbessern. Dafür sprechen wir mit den Tarifpartnern und werben dafür. Unser Anspruch ist, dass man vom dem Verdienst gut leben kann.

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