Stadtentwicklung

So hat sich die City West gewandelt

Immer mehr Investoren wollen in Berlin Hochhäuser bauen. Bezirk und Land haben aber unterschiedliche Vorstellungen.

Imposante Kulisse: Das „Upper West“ und das „Zoofenster“ hinter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche markieren das Tor zur neuen City West

Imposante Kulisse: Das „Upper West“ und das „Zoofenster“ hinter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche markieren das Tor zur neuen City West

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Berlin. Spitzenköche wie der Israeli Gal Ben Moshe und der Russe Evgeny Vikentev eröffnen Lokale, Bars und Clubs finden zurück in die City West. Bruno Brunnet ist mit seiner CFA-Galerie aus dem Chipperfield-Bau am Kupfergraben nach Charlottenburg gezogen, die Fotostrategen der C/O-Galerie hatten es ihm und anderen Kollegen vorgemacht. Kunst wird auch in die denkmalgeschützten Kant-Garagen einziehen, die Eigentümer Dirk Gädeke nach langem Tauziehen zwischen Baubehörde und Denkmalschutz nun endlich umbauen kann.

Nach Jahren des Stillstands hat die westliche Innenstadt die Erstarrung der Jahre nach dem Mauerfall endgültig abgeschüttelt. Mit der Eröffnung des Waldorf Astoria im sogenannten Zoofenster 2013 begann der Startschuss für die neue City West. Seit dem vergangenen Jahr hat das Hochhaus im ebenfalls 119 Meter hohen Upper West einen ebenbürtigen Nachbarn gekommen. Die beiden Türme haben die ehemals von Europa Center und Gedächtniskirche geprägte Silhouette drastisch verändert.

Auch zu Füßen der beiden Hochhäuser hat sich die Stadt verändert. Bestandsbauten wie das denkmalgeschützte Bikinihaus wurden revitalisiert und 2014 modernisiert als Einkaufszentrum neu eröffnet. Andere Denkmäler wie der Gloria-Palast am Kudamm sind verschwunden. Abgerissen wurde auch das ehemalige Aschinger-Haus mit seinen schmuddeligen Arkaden. Stattdessen wird hier in den kommenden Wochen das Zoom am Zoo mit seiner geschwungenen schneeweißen Fassade fertiggestellt. Hauptmieter ist das irische Unternehmen Primark. Gegner haben bereits Protestaktionen anlässlich der Eröffnung des umstrittenen Textil-Discounters am 18. Oktober angekündigt.

Unklar ist indes, wie es rund um Hardenbergplatz und Bahnhof Zoo weitergeht

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf dringt auf einen Masterplan, den der damalige Bausenator Andreas Geisel (SPD) kurz vor der Wahl versprochen hat. Der Plan sollte regeln, an welchen Standorten in der City West weitere Hochhäuser gebaut werden. Seine Nachfolgerin, Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat die Hoheit über die Brache nördlich des Bahnhofs Zoo an sich gezogen.

Den Kern des Gevierts zwischen S-Bahntrasse, Hertzallee und Müller-Breslau-Straße bildet das freie Grundstück, auf dem ein Investor ein Riesenrad geplant hatte. Inzwischen gehört das Grundstück dem Münchener Immobilienunternehmen Reiß & Co., das dort eine Mischung aus Büros, einem Gästehaus für die Technische Universität, einem Hotel und studentischem Wohnen bauen möchte. Bisher sollten sechs Gebäudeblöcke entstehen, von denen lediglich einer ein 30-stöckiges Hochhaus direkt an der Hertzallee sein sollte.

Noch mehr Hochhäuser für die westliche Innenstadt

Auch, wenn ihre Behörde das nicht bestätigen will, Lompscher kann sich dem Vernehmen nach auch mehr Hochhäuser auf dem Areal vorstellen: vier Türme auf dem Riesenrad-Areal und zwei auf dem benachbarten BIMA-Gelände. „Derzeit findet im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eine Überprüfung und Vertiefung des städtebaulichen Entwurfs durch die damaligen Wettbewerbssieger yellow z und bgmr Landschaftsarchitekten statt. Ein abschließendes Ergebnis steht noch nicht fest“, sagt Sprecherin Katrin Dietl. Im Bezirksamt will man Gerüchte über eine solche massive Verdichtung zwar nicht kommentieren. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger will aber einen Bezirksamtbeschluss erwirken, in dem ein alternatives Konzept für das Areal entwickelt wird.

Hochhaus-Träume hat auch Christoph Langhof, der bereits das Upper West entworfen hat, für ein Hochhaus am Hardenbergplatz. Altmeister Helmut Jahn (Neues Kranzler Eck und Sony Center) möchte im Auftrag von Europa-Center-Eigner Pepper einen 250 Meter hohen Turm an der Nürnberger Straße bauen. Doch wie an der Hertzallee will der Bezirk derlei Wünsche nicht so schnell erfüllen. Hochhäuser dürften nicht als Einzelprojekte gesehen werden. Es stellten sich viele Fragen nach der Verzahnung mit Infrastrukturprojekten, monieren Bezirksverordnete.

Gottfried Kupsch vom Vorstand der Händlervereinigung AG City begrüßt den Wandel, mahnt aber auch die Erhaltung der Identität und des Charakters des Gebiets an. Weitere Veränderungen hält er dennoch für erforderlich. Der Online-Handel habe die City West „mit voller Wucht getroffen“, so Kupsch. „Wir müssen den Menschen mehr Qualität bieten und auf ihre Gefühle reagieren“, sagt Kupsch.

Mit dem Instrument des Business Improvement District, an dem sich alle Anlieger des Tauentzien und des Kurfürstendamm bis zur Uhlandstraße finanziell beteiligen müssen, soll noch im Herbst mit einer Umgestaltung des Boulevards begonnen werden. Vorgesehen sind Cafés mitten auf dem Tauentzien, gepflegteres Grün auf dem Kudamm und auch freies Wlan.

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+++ Berlin-Podcast +++ In der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“: Nichtraucher-Zone für Shisha-Bars: Sinnvoll oder nicht? + Die BVG bittet um Entschuldigung statt um „Verständnis“. Außerdem: Sollen Obdachlose nachts in Bahnhöfen übernachten dürfen?

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