Charlottenburg

Künstlergenossenschaft eröffnet erstes Atelierhaus

Sie haben sich zusammengeschlossen und ein Haus in Norden von Charlottenburg gekauft. 30 Künstler haben dort Raum für ihr Schaffen gefunden.

Haben es geschafft und viel vor (v.l.): Janine Gerber, Ursula Antesberger, Barbara Duisberg, Stephan Jäschke, Kiki Gebauer und Christian Hamm

Haben es geschafft und viel vor (v.l.): Janine Gerber, Ursula Antesberger, Barbara Duisberg, Stephan Jäschke, Kiki Gebauer und Christian Hamm

Foto: Carolin Brühl

Berlin. Von außen kann man dem Haus nicht ansehen, welchen Hort der Kreativität es birgt. Das Gebäude aus den 70er-Jahren liegt mitten im Charlottenburger Norden. Wer sich hierher verirrt, wollte bisher wahrscheinlich zu einem Getränkeabholmarkt oder zu Holz Possling. Doch das ändert sich jetzt.

"Ich habe nur noch gestrahlt", als ich das Haus zum ersten Mal besichtigt habe", sagt Kiki Gebauer. Trotz des schlichten Äußeren hat die Künstlerin das Potenzial in dem Haus samt seinem großen Hinterhof, in dem früher ein Sanitärfachhandel untergebracht war, erkannt. "Diese Gegend hier will nichts, da kann man sich selber voll entfalten und bekommt obendrein noch überall Inspirationen", sagt sie. Gebauer und 49 Kolleginnen und Kollegen haben die Atelierhaus-Genossenschaft Berlin (AHGB) gegründet, um damit dem Atelier-Notstand in Berlin zu begegnen. Vor einem Jahr haben sie das Gebäude am Stieffring 7 gekauft, renoviert und in Ateliers unterteilt. An diesem Freitag wird das "AHGB Haus 1“ offiziell eröffnet.

Gegründet wurde die Genossenschaft als Initiative des Kunstvereins Tiergarten vom Architekten Christian Hamm und Ulf Heitmann, einem Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe. 2000 Euro Anschubfinanzierung musste jeder Genosse leisten. ohne zu wissen, ob sich die Idee realisieren lassen würde. "Als Christian Hamm uns zum ersten Mal ansprach, hatten wir eigentlich noch nicht wirklich Hoffnung, dass daraus etwas wird", sagt Barbara Duisberg. "Doch wenn ich auf ein Atelier des Landes gewartet hätte, wäre ich längst im Rentenalter oder unter der Erde", sagt die Künstlerin. Doch der Traum wurde Wirklichkeit, als die Genossenschaft das Haus am Stieffring erwerben konnte.

30 Künstler haben in dem Gebäude ihren Platz gefunden. Die Ateliers sind unterschiedlich groß und vor allem die Räume im Erdgeschoss bieten wegen ihrer Raumhöhe auch Künstlern Platz, die an Installationen arbeiten, für die eine normale Raumhöhe nicht ausreicht. Jeder Künstler der Genossenschaft zahlt einmalig für jeden Quadratmeter seines Ateliers einen Genossenschaftsanteil von 380 Euro. "Die bekommt man wieder zurück, wenn man eines Tages wieder ausziehen möchte", erklärt Barbara Duisberg. Dazu kommen derzeit aber auch noch Umlagen für den Betrieb des Hauses und ein Anteil an den Raten für den Kredit. Der fällt eines Tages weg. Nachrückende Künstler haben also Glück, denn für sie fällt dann nicht nur die Kreditbelastung weg, auch die Genossenschaftsanteile von 380 Euro pro Quadratmeter sollen nicht angehoben werden. "Wir sind halt Pioniere", sagt Ursula Antesberger, die im zweiten Stock ein Atelier auf dem gleichen Gang wie Kiki Gebauer und Barbara Duisberg bezogen hat.

Gewünscht hätte sich die Genossenschaft schon, dass das Land ihrer Idee etwas entgegengekommen wäre. "Wenigstens einen Teil der Grunderwerbssteuer von immerhin auch rund 60.000 Euro hätte man uns erlassen können", sagt sich Gebauer. Schließlich sei doch auch das Berlin daran interessiert, dass die Stadt als Kulturstandort attraktiv bleibe. Und Ateliers gehörten dazu eben auch. Deshalb soll auch nicht bei "AHGB Haus 1“ bleiben. "Unsere Genossenschaft ist durchaus auf Expension ausgelegt", sagt Duisberg. Doch ein geeignetes Objekt dafür müsse erst noch gefunden werden, was angesichts der explodieren Immobilienpreise immer schwieriger werde.

Das Haus ist für die Künstler aber mehr als nur der Ort, an dem zu jeder Tages- und Nachtzeit in Ruhe arbeiten können. "Es gibt auch eine soziale Komponente und viele Synergieeffekte. "Wenn man eine neue Arbeit beginnt, kann man schon einmal bei einem Nachbarn klopfen und sagen: ,Schenk mir ein Ohr und ein Auge und schenk mir Deine Meinung!'", sagt Duisberg. Ob man sich dann danach richte, stehe auf einem anderen Blatt, sagt sie und schmunzelt. "Wichtig ist es, einfach zu wissen, dass man mal klopfen kann", fügt Gebauer hinzu.

Information

Eröffnet wird das "AHGB Haus 1“ am Stieffring 7 an diesem Freitag, 14. September. Von 16 bis 20 Uhr sind die Ateliers geöffnet. Um 18 Uhr gibt es die offizielle Eröffnung mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD). Ab 20 Uhr gibt es dann Livemusik im Hof.

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