Baumfällungen

Bahn macht ICE-Strecke in Berlin per Helikopter sturmsicher

Mit einer spektakulären Aktion sichert die Deutsche Bahn die Bahnstrecke zwischen Rudolf-Wissell- und Gleisbrücke Fürstenbrunner Weg.

Für die Arbeit des Helikopters musste zunächst ein Lagerplatz "frei geschnitten" werden.

Für die Arbeit des Helikopters musste zunächst ein Lagerplatz "frei geschnitten" werden.

Foto: Matthias Vogel

Charlottenburg. Der Helikopter, der am Sonntag, westlich der Rudol-Wissell-Brücke kreiste, sollte nicht die Lärmkulisse von Autobahn und Bahn um eine Komponente erweitern. Er war Teil einer spektakulären Baumfällaktion, mit der die Deutsche Bahn ihre ICE- und RE-Trasse sturmsicher gemacht hat.

Auf dem Streckenabschnitt zwischen der Rudolf-Wissell-Brücke und der Gleisbrücke Fürstenbrunner Weg rauschen die ICE im Fünf-Minuten-Takt in Richtung Hannover, Hamburg oder Hauptbahnhof. Die Züge, die aus der Hauptstadt kommen, beschleunigen dort noch, die in Richtung Innenstadt haben noch nicht sehr abgebremst: 160 Sachen haben sie noch drauf. Nicht auszudenken, würde ein Ast einer der 43 Pyramidenpappeln entlang der Gleise auf die Gleise oder gar das Führerhaus fallen. 2016 wurden die Pappeln deshalb inspiziert, dabei wurden Schäden festgestellt, die nicht sofort, aber bald behoben werden mussten. „Wir konnten relativ entspannt mit den Planungen beginnen“, erklärt Bahnförster Stephan Landrock, Leiter Servicebereich Potsdam, DB Fahrwegdienste.

Langer Planungszeitraum erforderlich

Dort verdeutlichte er auch, wie komplex das Unterfangen wird und wie dringend erforderlich der lange Planungszeitraum war. Der Platz zwischen den beiden Gleisen, zum Rand des Bahndamms auf der einen Seite und zu den Kleingärten auf der anderen Seite hin, ist sehr gering. „Eine Fällung nach herkömmlicher, „gleisgebundener“ Methode – ein Kranwagen auf dem Gleis kommt dabei zum Einsatz – kommt deshalb nicht in Frage“, so Landrock. Zudem hätte die Strecke auch länger voll gesperrt werden müssen, die Auswirkungen auf den Fahrplan wären massiver und die Kosten mit einer Viertelmillion Euro auch deutlich höher gewesen, als durch den nun eingeschlagenen Weg.

Heli-Logging nennt sich das Verfahren einer Spezialfirma. Die riesigen Pappeln werden Stück für Stück abgetragen. Am Sonntag kam schon um 6 Uhr morgens ein Hubschrauber angeflogen, legte die Schlinge am Ende eines Seils jeweils um die Bäume und brachte das Seil auf Zug. Baumkletterer, die die Stämme gemäß der Tragkraft des Helikopters während der Vorbereitungsarbeiten mit gelben Markierungen in Abschnitte geteilt hatten, warfen dann die Sägen an. Nach dem Schnitt entschwanden die Teilstämme nach oben. „Wir fangen mit den Bäumen an der Rudolf-Wissell-Brücke an, die für eine halbe Stunde lang gesperrt wird. Und dann arbeiten wir uns zum Fürstenbrunner Weg vor", hatte Landrock beim Pressetermin erklärt. So geschah es. Der Helikopter legte die abgesägten Pappelstücke dann auf der Seite des Gasthauses „Am Tunneleck“ ab, wo sie sofort gehäckselt wurden.

So spektakulär die Fällung, so aufwendig die Abstimmung der Maßnahme mit den betroffenen Behörden. Die Anforderungen und Bedenken von Verkehrs-, Oberster Luftfahrt- und Naturschutzbehörde unter einen Hut zu bringen beziehungsweise zu zerstreuen, sei nicht einfach gewesen, erläuterte Projektleiter Matthias Scheer. Zu pass sei der „Operation Pappel“ gekommen, dass die Brücke Fürstenbrunner Weg in dieser Woche ausgewechselt wird und die Bahnstrecke ohnehin für diesen Zeitraum komplett gesperrt wurde. „Alles geschieht nun in einem Aufwasch, wir brauchen insgesamt drei Tage“, hatte Landrock angekündigt. Wichtig sei das gewesen, denn ein ebenfalls sehr aufwendiges Unterfangen sei die Ausarbeitung eines Ersatzfahrplans.

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