Weltraum

Astronaut Alexander Gerst gibt Schulstunde aus dem All

Berliner Dritt- und Sechstklässler interviewen bei einer Liveschaltung zur Raumstation ISS den deutschen Astronauten Alexander Gerst.

Sich einmal wie ein Astronaut fühlen: Vor der Liveschaltung zur ISS setzen die Schüler Alexander-Gerst-Masken auf

Sich einmal wie ein Astronaut fühlen: Vor der Liveschaltung zur ISS setzen die Schüler Alexander-Gerst-Masken auf

Foto: Reto Klar

Charlottenburg. Die Schüler im Audimax-Saal der Technischen Universität (TU) Berlin sind aufgekratzt und laut, aber sobald auf der Bühne die Weltraumshow beginnt, wird es ruhig. Rund 1000 Berliner Kinder der Klassenstufen drei bis sechs haben sich hier versammelt, um das Bühnenprogramm des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu sehen.

Der Auftritt am Dienstag in Charlottenburg ist der Höhepunkt der deutschlandweiten Veranstaltungsreihe, denn um 15.10 Uhr wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst live von der Internationalen Raumstation ISS zugeschaltet, um den Schülern ihre Fragen zu beantworten. Gerst lebt seit Juni auf der Raumstation. Er wird dort mit der Horizons-Mission insgesamt sechs Monate bleiben, um an 41 wissenschaftlichen Experimenten mitzuwirken.

Bis zur Liveschaltung gibt es ein 90-minütiges Programm. Die Moderatoren testen das Raumfahrt-Wissen der Schüler und zeigen Experimente. Sie demonstrieren an Gummibällen die Wirkung der Schwerkraft und an einem Schokokuss, wie sich Dinge im Vakuum ausdehnen – er platzt unter der Glocke auseinander. „Das sollte einem Astronauten nicht passieren, und deshalb tragen sie Schutzanzüge“, sagt der Moderator.

Kinder stellen Fragen zur Schwerelosigkeit

Als die Liveschaltung beginnt, wird es still im Saal. Das Bild aus der Raumstation muss einen langen Weg zurücklegen, trotzdem ist es sehr deutlich. Astronaut Alexander Gerst schwebt in der Mitte des Raums und lächelt in die Kamera. „This ist the International Space Station“, schallt es klar aus den Lautsprechern. „We read you loud and clear.“ Es dauert etwa fünf Sekunden, bis der Ton aus dem TU-Saal auf der ISS ankommt. In diesen erzwungenen Pausen schwebt der Astronaut in der Schwerelosigkeit auf und ab, grinst vergnügt vor sich hin, während alle gespannt auf seine Antwort warten. Es wirkt ein bisschen komisch, im Publikum lachen die Kinder.

Etwa 15 Schüler durften Fragen für Gerst vorbereiten. Die meisten haben beim Projekt 4D des DLR mitgemacht und daran gearbeitet, eine Zeitkapsel mit kleinen Gegenständen, Bildern und Zetteln zu füllen. Die Kapsel reist eine Weile auf der ISS mit, dann tritt sie den Rückweg zur Erde an und wird für 50 Jahre im Haus der Geschichte in Bonn aufbewahrt. Gerst zeigt die Aluminium-Kugel vor der Kamera, signiert sie und versiegelt sie feierlich. Dann geht die Fragerunde los. „Kann man sich durch Schwimmbewegungen in der Schwerelosigkeit fortbewegen?“, fragt Felix, einer der jüngeren Teilnehmer. Alexander Gerst probiert es aus, schwimmt ein wenig auf der Stelle und merkt – man kann es nicht.

Im Saal sitzen vielleicht die zukünftigen Astronauten

„Tatsächlich habe ich schon alle möglichen Schwimmstile ausprobiert, Kraulen, Schmetterling, nichts hat geholfen“, berichtet der 42-Jährige. Ein kleiner Junge fragt, was Gerst am liebsten isst: „Gemüse“ verrät der Astronaut, aber gerade das schmecke auf der Raumstation nicht, weil es gefriergetrocknet mitgenommen wird. Eine Schülerin fragt nach den Gefahren durch Weltraumschrott: Größere Teile würden von der Erde aus überwacht, beruhigt sie Alexander Gerst. Kleinere könnten die Station aber durchaus mal treffen – Schäden müssten die Astronauten dann eben reparieren.

Andere Teilnehmer fragen nach der Erzeugung künstlicher Gravitation oder Reisen zu anderen Planeten. Ein Mädchen will wissen, was Gerst unternehmen würde, wenn er im All alles machen könnte, was er wollte. „Ich würde mir ein Raumschiff bauen, mit dem ich überall in unserem Sonnensystem herumflitzen könnte. Ich würde so gerne mal den Mond sehen, den Mars, die Venus und durch die Ringe des Saturns tauchen und den Jupiter umrunden und dann vielleicht noch weiter rausfliegen“, antwortet Gerst. Er finde es fantastisch, dass unter den Schülern im Saal vielleicht die Astronauten der Zukunft sitzen, die einmal andere Planeten bereisen werden.

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