Wilmersdorf

Thai-Wiese im Preußenpark soll strenger reguliert werden

Offiziell genehmigt wurde der Streetfood-Handel nie. Jetzt hat der Bezirk vorgestellt, wie eine Legalisierung funktionieren könnte.

Der Preußenpark in Wilmersdorf an einem Sonntag: Auf Herdplatten knapp über  dem Boden wird gekocht. Bei gutem Wetter kommen dafür Hunderte Gäste

Der Preußenpark in Wilmersdorf an einem Sonntag: Auf Herdplatten knapp über dem Boden wird gekocht. Bei gutem Wetter kommen dafür Hunderte Gäste

Foto: Massimo Rodari

Charlottenburg-Wilmersdorf. Er ist ein Touristenmagnet und zugleich Dauer-Streitthema: der Thai-Markt im Preußenpark. Galt der Park früher als Geheimtipp vor allem für deutsch-thailändische Paare und Familien, ist dort über die Jahre ein Streetfood-Markt entstanden, der Tausende Menschen anzieht. Auf Reiseportalen schwärmen Besucher von der Atmosphäre und dem Flair, als ob man tatsächlich in Thailand sei. Anwohner dagegen sind genervt, vor allem vom Lärm und dem Müll, den der Markt mit sich bringt. Und noch ein Problem gibt es: Genehmigt wurde der Handel im Preußenpark nie. Auf der Website des Thai-Parks, auf der sich dieser zugleich als größten Asia-Street-Food-Park Deutschlands beschreibt, heißt es: „Der Verkauf von Lebensmitteln und Getränken ist im Preußenpark offiziell nicht erlaubt.“

Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wird schon seit Längerem über den Thai-Markt diskutiert. Nun haben die Abteilung für Ordnungsangelegenheiten und für Stadtentwicklung gemeinsam Rahmenbedingungen entwickelt, wie ein legalisierter Streetfood-Markt funktionieren könnte. Wichtige Punkte dabei: den Markt von der Wiese an den Parkrand verlagern und Anbieter verpflichten, hygienische Vorschriften einzuhalten. Derzeit funktioniert die Zubereitung der Gerichte mit Herdplatten knapp über dem Boden, Zutaten werden in Kühlboxen oder sogar nur Eimern aufbewahrt. Künftig müssten Verkäufer dann unter anderem dafür sorgen, dass Speisen ausreichend gekühlt werden.

Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU), der die Bedingungen am Dienstagabend im BVV-Ausschuss für Bürgerdienste, Wirtschaft und Ordnung vorstellte, erklärte, es gehe darum, dass „die Grünanlage wieder zur Grünanlage werden kann“ und gleichzeitig darum, den Thai-Markt „rechtlich auf sichere Füße zu stellen“. Neben den hygienischen Vorschriften spielen dabei auch gewerblich-rechtliche Regeln eine Rolle. Das bedeutet vor allem, dass die Händler dann Steuern zahlen müssten. Mehrere Hundert Euro sollen sie an guten Tagen verdienen, an Wochenenden können es auch mehrere Tausend Euro sein. Außerdem bräuchte der Thai-Markt einen offiziellen Betreiber.

"Schließung des Thai-Markts ist nicht die Absicht"

Auch die Anwohner sollen in das neue Konzept eingebunden werden. Für die Zeit nach den Sommerferien sind mehrere Bürgerversammlungen geplant. Dort solle mit möglichst vielen Menschen über die Regeln für den Streetfood-Markt gesprochen werden – mit Anwohnern, Parkbesuchern, Gas­tronomen und den Anbietern. „Es soll ein Diskussionprozess sein, an dessen Ende ein Konzept steht“, sagte Herz. Ein Ergebnis soll es möglichst im Herbst geben. „Dann wollen wir es umsetzen für das nächste Jahr“, so der Bezirksstadtrat, der mehrfach betonte: „Eine Schließung des Thai-Markts ist nicht die Absicht.“

Bis das Konzept für einen legalisierten Handel gefunden und umgesetzt ist, soll das Ordnungsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf weiterhin regelmäßige Kontrollen im Preußenpark durchführen. Doch die Streetfood-Anbieter sind bereits erfahren: Kochutensilien haben sie schnell versteckt. Derzeit sei es schwierig, etwas gegen den Markt zu unternehmen, räumt auch Herz ein.

So werden wohl diesen Sommer weiterhin Touristen oder Berliner mit Fernweh in den Preußenpark pilgern. Dass eine Schließung des Thai-Markts auf große Gegenwehr stoßen würde, zeigen nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Unterstützer einer derzeit laufenden Onlinepetition. „Thaiwiese retten“ heißt diese. Man wolle das „Multikulti“ und „echtes Streetfood“ bewahren, schreibt der Initiator. Mehr als 16.000 Menschen unterstützen bisher diese Idee.

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