Straftatbestände

Tod nach Verfolgungsjagd: Das erwartet die Verursacher

Eine 22 Jahre alte unbeteiligte Frau stirbt bei einer Verfolgungsjagd. Der Fall weckt Erinnerungen an die sogenannten Kudamm-Raser.

Nachgezeichnetete Schleifspuren sind auf der Straße in der Kantstraße, Ecke Windscheidstraße, zu sehen

Nachgezeichnetete Schleifspuren sind auf der Straße in der Kantstraße, Ecke Windscheidstraße, zu sehen

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin. Bei der Flucht mutmaßlicher Diebe vor der Polizei ist am späten Mittwochabend in Berlin-Charlottenburg eine Frau ums Leben gekommen. Die 22-Jährige, die ihr Fahrrad auf dem Bürgersteig geschoben hatte, wurde von einem Fluchtauto erfasst und dabei tödlich verletzt.

Zu Diskussionen über den strafrechtlichen Umgang mit Verursachern tödlicher Unfälle war es zuletzt im Fall der sogenannten Kudamm-Raser gekommen. Der zur Tatzeit 24-jährige Marvin N. und der drei Jahre ältere Hamdi H. hatten am 1. Februar 2016 bei einem illegalen Straßenrennen durch die City West den Tod eines 69 Jahre alten unbeteiligten Autofahrers verursacht.

Dafür wurden sie am 27. Februar 2017 von einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin wegen Mordes zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt. Dieses Urteil hatte der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) am 1. März 2018 aufgehoben und das Verfahren an eine andere Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts zurückverwiesen.

Wird ein Mensch getötet, sieht das Recht verschiedene Tatbestände für das Verfahren gegen den oder die Täter vor. Das Spektrum reicht von Körperverletzung mit Todesfolge bis zu Mord. Ein Überblick:

Körperverletzung mit Todesfolge: Kommt ein Verletzter nach einem Angriff ums Leben, kann es sich um eine Körperverletzung mit Todesfolge handeln. Das ist etwa der Fall, wenn ein Opfer nach einem Schlag ins Gesicht oder einem Tritt in den Bauch stirbt. Das Strafgesetzbuch (StGB) sieht dafür mindestens drei Jahre Gefängnis vor.

Fahrlässige Tötung: Verursacht jemand fahrlässig den Tod eines anderen wie bei einem Verkehrsunfall, drohen für diese fahrlässige Tötung eine Geldstrafe oder maximal fünf Jahre Gefängnis.

Totschlag: Wer einen Menschen umbringt, ohne dass ein Mordmerkmal zutrifft, wird laut StGB „als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft“. In besonders schweren Fällen ist auch eine lebenslange Gefängnisstrafe möglich.

Mord: Wer als Mörder verurteilt wird, erhält lebenslange Haft. Frühestens nach 15 Jahren ist eine Entlassung auf Bewährung möglich. Für Mord gelten zwei Voraussetzungen. Zum einen muss mindestens ein bedingter Vorsatz vorliegen: Der Täter muss den Tod seines Opfers voraussehend und billigend in Kauf nehmen, wie die Juristen dies ausdrücken. Die Absicht einer Tötung wird nicht vorausgesetzt.

Zweite Voraussetzung für die Einstufung als Mord sind die Merkmale, die im Strafgesetzbuch aufgeführt sind. Dazu gehören Mordlust, Habgier, Heimtücke, Grausamkeit oder das Begehen der Tat zur Verdeckung anderer Straftaten oder mit gemeingefährlichen Mitteln.

Der Prozess um die Kudamm-Raser als Chronik

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen die Kudamm-Raser aufgehoben. Die Angeklagten können auf wesentlich mildere Strafen hoffen.
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