Nach Ausbrüchen

Unbekannte machen sich mit Laken über JVA Plötzensee lustig

Ein Bettlaken hängt über der Mauer der JVA Plötzensee. Die Justizverwaltung geht von einem Scherz aus. Ermittelt wird trotzdem.

Das Laken hängt über der Gefängnismauer der JVA Plötzensee

Das Laken hängt über der Gefängnismauer der JVA Plötzensee

Foto: Leserfoto/Julia Sool

Unbekannte haben am vergangenen Sonnabend zusammengeknotete Bettlaken über eine Gefängnismauer der Justizvollzugsanstalt Plötzensee geworfen. Fotos, die der Berliner Morgenpost vorliegen, dokumentieren das. Der Versuch wird als versuchte Gefangenenbefreiung gewertet, teilte ein Sprecher der Berliner Justizverwaltung mit. Dafür drohen Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Die Bettlaken waren mit einem Pflasterstein beschwert worden. Gefangene würden nicht fehlen. In der Justizverwaltung wertet man die Tat nach Informationen der Berliner Morgenpost eher als Versuch, das Berliner Gefängnis lächerlich zu machen und nicht als ernsthafte Ausbruchsbemühung. An der Mauer gibt es Detektoren. Zudem ist der Bereich, an dem das Laken über die Mauer geworfen wurde, nicht für Häftlinge zugänglich. Die Tat wurde offenbar auf Video festgehalten. Berliner Gefängnisse waren in den vergangenen Wochen mehrmals durch geflohene Gefangene in die Schlagzeilen geraten.

Unterdessen ist der aus dem Gefängnis Tegel geflüchtete Häftling Hamed M. weiter auf der Flucht. Der 24-Jährige konnte bislang nicht festgenommen werden. Auch am Montag wurde weiter nach dem Libyer gefahndet. Die Justizverwaltung prüft nun, welche Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen sind. Ein Punkt seien dabei die Kontrollen an den Pforten. Denn nach der bisherigen Rekonstruktion des Fluchtweges, bei der auch ein Hund eingesetzt wurde, versteckte sich der Straftäter unter einem Lastwagen mit Anhänger. Dieser wurde zwar mit einem Spiegel überprüft. Das habe aber offensichtlich nicht ausgereicht – so wie auch andere Kon­trollen zuvor. Unklar ist, ob M. sich überhaupt noch im Land befindet.

Der Libyer saß seit dem 11. Oktober 2017 wegen Einbruchdiebstahls und räuberischer Erpressung ein. Der 24-Jährige hatte in Berlin eine Frau überfallen und ihr Geld und ein Telefon gestohlen. M. wird zwar nicht in der Intensivtäter-Datei geführt, hat nach Morgenpost-Informationen allerdings ein langes Vorstrafenregister.

Es war das zehnte Mal in nur sechs Wochen, dass Häftlinge aus einem Berliner Gefängnis entkommen konnten. Schon bei den neun Vorfällen nach Weihnachten hatte die CDU-Opposition von einem "einmaligen Skandal in der Rechtsgeschichte" gesprochen. Damals waren vier Männer aus dem geschlossenen Teil der Anstalt Plötzensee ausgebrochen sowie fünf aus dem offenen Vollzug entwichen. In Plötzensee wurden danach die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Der Lakenüberwurf am Sonnabend war von den Bediensteten sofort bemerkt worden.

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