Charlottenburg

Eine Open-Air-Galerie gegen das Vergessen

Porträts an der Schloßstraße in Charlottenburg zeigen Holocaust-Überlebende

Die Open-Air-Galerie auf dem Mittelstreifen der Charlottenburger Schloßstraße

Die Open-Air-Galerie auf dem Mittelstreifen der Charlottenburger Schloßstraße

Foto: Reto Klar

Die Gesichter sind alt und faltig, Männer und Frauen, manche lächeln, andere tragen blau-weiß-gestreifte Mützen und KZ-Kleidung. Bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Alle haben den Holocaust überlebt. "Für mich ist mein Leben eine Mission geworden", sagte die 96-jährige Margot Friedländer, eine Protagonistin auf einem Porträt, die seit Montag auf der Schloßstraße in Charlottenburg ausgestellt werden. Mit 88 Jahren war die Holocaust-Überlebende aus den USA wieder in ihre Geburtsstadt Berlin gezogen. Seither spricht sie unermüdlich auf Veranstaltungen. Sie sagt über den Holocaust: "Menschen haben es gemacht, weil sie ihre Opfer nicht als Menschen sahen."

Der Mannheimer Künstler Luigi Toscano hat Juden, die der NS-Verfolgung entkommen sind, in fünf Ländern gesucht und porträtiert. Entstanden ist die Foto-Installation "Gegen das Vergessen", in der die berührenden Gesichter für sich und ihre Geschichte sprechen. "Eine der Überlebenden hat mir gesagt: ,Wenn man die Vergangenheit vergisst, ist man dazu verdammt, sie zu wiederholen', das treibt mich an", sagte Toscano. Zu sehen waren seine Bilder erstmals im September 2016 in der Ukraine, um unter der Schirmherrschaft des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier bei einem Staatsakt an das Massaker von Babyn Jar zu erinnern. In der Schlucht bei Kiew hatten die deutsche Wehrmacht und SS-Truppen am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Juden ermordet. Aktuell zeigt Toscano seine Bilder auch im UN-Hauptquartier in New York.

Open-Air-Galerie bis zum 14. April zu sehen

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) konnte den Künstler gewinnen, seine überlebensgroßen Porträts bis zum 14. April auch in einer Open-Air-Galerie an der Schloßstraße gegenüber dem Schloss Charlottenburg zu zeigen. "Die Überlebenden sind die Gesichter und Stimmen der Erinnerungskultur. Sie haben die Macht, Menschen zu erreichen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Bildung – und gegen ausgrenzende Tendenzen heute zu sensibilisieren", sagte Schruoffeneger bei der Eröffnung der Ausstellung am Montag.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) wies auf die Bedeutung der Ausstellung hin, vor allem, weil Zeitzeugen wie Margot Friedländer immer seltener würden. Die Bilder mahnten jeden Betrachter, wachsam gegenüber allen Formen von Rassismus und Diskriminierung zu sein.

Parallel zur Ausstellung werden in Kooperation mit der Jugendkunstschule Charlottenburg-Wilmersdorf, dem Haus der Wannseekonferenz, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf Workshops für Schülergruppen und interessierte Besucher angeboten. Die Workshops sind kostenfrei. Anmeldungen sind per E-Mail an bne@charlottenburg-wilmersdorf.de zu richten. Öffentliche Führungen gibt es donnerstags und sonnabends, jeweils 15 Uhr. Treffpunkt: Schloßstraße Ecke Schustehrusstraße.

Filme und Apps zur Ausstellung gibt es auch unter www.gdv-2015.de.

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