Gastronomie

Streetfood-Markt eröffnet im Bikini-Haus

Schnelle, gesunde Mahlzeiten für Berufstätige der City West: Der Foodmarket „Kantini“ eröffnet im Bikini-Haus.

Können nach einem Jahr Bauzeit die Aussicht genießen: Bikini-Chefin Antje Leinemann und Designer Werner Aisslinger

Können nach einem Jahr Bauzeit die Aussicht genießen: Bikini-Chefin Antje Leinemann und Designer Werner Aisslinger

Foto: Reto Klar

Berlin. „Vor einem Jahr hatten wir hier nur ein graues Loch“, sagt Antje Leinemann, die Geschäftsführerin des Bikini Berlin. Jetzt dringt Licht durch ein 18 Meter langes und drei Meter hohes Panoramafenster mit Blick auf die Vogelvolieren des Zoos. In dem ehemals ungenutzten Rohbau des 50er-Jahre-Hauses ist nach einem Jahr Bauzeit das „Kantini“ entstanden. „Foodmarket“ nennt die Bikini-Chefin das neue Konzept.

Zwar gibt es im Bikini-Haus bereits diverse gastronomische Einrichtungen wie das Restaurant „Spreegold“, das Kaffee Einstein oder den Hamburger-Brater Jim Block, doch Leinemann ist sich sicher, dass die City West Angebote wie das „Kantini“ braucht. „Angesichts des sich verändernden Marktumfeldes im stationären Handel wollen wir das Gastronomie-Angebot weiter ausbauen“, sagt sie. Anders formuliert: Auch das schicke Bikini Berlin muss Ideen gegen Ladenleerstand entwickeln und mehr Kunden in die Bereiche der Mall ziehen, die bislang eher weniger frequentiert werden.

„Streetfood goes City West“. Was nämlich in der Kreuzberger Markthalle Neun jeden Donnerstag mit Streetfood-Angeboten aus aller Welt funktioniert, soll sich auf Grundlage des Konzepts des „Kantini“ auch im Herzen Charlottenburgs etablieren. 13 fest vermietete Stände bieten auf insgesamt 1800 Quadratmetern Gerichte aus zehn Ländern an. Mexikanische Küche trifft auf israelische Spezialitäten, hawaiianische Poke Bowls auf koreanische Streetfoot-Klassiker wie Pop Chicken oder vietnamesische Hamburger. Es gibt frische italienische Pastagerichte, aber auch klassische Currywurst, die sich Freunde der Berliner Spezialität sogar im kleinen Weck-Glas mit nach Hause nehmen können. Wer Süßes mag, kann zwischen Patisserie aus Südafrika oder Eiscreme aus einer Berliner Manufaktur wählen. Selbst ausgefallene Wünsche wie vegane Speisen, Low-carb oder steinzeitliche Paleo-Kost können an einem Stand aus „Bausteinen“ zu einem Gericht nach eigenem Gusto zusammengestellt werden.

Das „Kantini“ bietet rund 400 Gästen Platz bietet

„Das Angebot entspricht dem internationalen Zeitgeist in Sachen unkomplizierter Ernährung und unkompliziertem Genuss“, sagt Leinemann. Es richte sich vor allem an die wachsende Zahl von Berufstätigen in der City West, die sich einen schnellen, aber gesunden Lunch wünschten. So ist zumindest zu Beginn auch nur an Öffnungszeiten gedacht, die sich an denen des Kaufhauses orientierten. „Das Kantini wird wie die Mall montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet haben“, sagt Leinemann. Falls sich abzeichnen sollte, dass es auch einen Bedarf in den Abendstunden gebe, „dann überlegen wir neu“, gibt sich die Bikini-Chefin flexibel. Genutzt werden kann das „Kantini“, das rund 400 Gästen Platz bietet, auch für Veranstaltungen oder Betriebsfeiern. Nach 20 Uhr muss das Panoramafenster, das sich in der warmen Jahreszeit gänzlich öffnen lässt, allerdings geschlossen werden. „Das ist mit dem Zoo so verabredet“, sagt Leinemann. Die Vögel in den benachbarten Volieren bräuchten dann ja auch ihre Ruhe.

Weitergeführt wird im „Kantini“ auch das Pop-up-Konzept des Bikini-Hauses. In der Halle im ersten Stock werden zwei Stände nur temporär vermietet. Junge Anbieter sollen die Möglichkeit haben, ihr Konzept ohne die Belastung eines langfristigen Mietvertrags auszuprobieren. „Das hat sich auch in den Boxen im Erdgeschoss bewährt“, sagt Leinemann.

So bauen in einem der beiden Pop-up-Stände Conrad Bölicke und Florian Gröne für drei Monate ihre Waren auf. „Echtöl“ heißt ihre Marke. Neben Fischkonserven und Spirituosen bieten die beiden vor allem hochwertige Olivenöle und winzige Fläschchen mit Ölen aus Saaten wie Fenchel, Kümmel oder Koriander an. „Für fünf Milliliter Korianderöl beispielsweise brauchen wir rund 300 Gramm Samenkörner“, sagt Gröne.

Auch die Gestaltung des Foodmarkets knüpft an die Tradition an, die das Bikini-Haus in Erinnerung an die 50er-Jahre seiner Entstehung pflegt. „Mid-Century-Charme“ nennt das allerdings Designer Werner Aisslinger, der bereits im benachbarten „25hours Hotel Bikini Berlin“ mit den Gegensätzen Natur und Kultur, dem Spannungsfeld zwischen dem grünen Berliner Zoo und den turbulenten Treiben auf Breitscheidplatz und Kurfürstendamm gespielt hat.

Sein Büro zeichnet auch für die Ausstattung des „Kantini“ verantwortlich. „Wir wollten hier keine starre Ästhetik schaffen, sondern Räume zum Wohlfühlen“, sagt Aisslinger. Vor allem der Konkurrenz durch den Onlinehandels will er mit seinem Design Paroli bieten: „Analog begehbare Räume müssen sich heutzutage sehr anstrengen, um mit der Internet-Welt Schritt zu halten“, sagt er. Neben den 13 Food-Ständen und der Loggia mit dem Panoramafenster, will Aisslinger die Besucher deshalb mit großzügigen Sofalandschaften, Schaukeln für eine oder mehrere Gäste und verschiedene Sitzecken und -treppen vom Bildschirm in die reale Welt des „Kantini“ locken. Sonnig und optimistisch wirken ganz im Gegensatz zur aktuellen Aussicht aus dem Panoramafenster die Farben in den Räumen, für die sich Aisslinger vom Sommerlicht in Palm Springs und dem Lebensgeist Kaliforniens, der Farbwelt David Hockneys und der Pflanzenwelt des Südens hat inspirieren lassen.

Vom 12. bis zum 20. Januar bieten die Foodstände bis zu 50 Prozent Preisnachlass auf ausgewählte Gerichte.

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