Berlin

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen am Breitscheidplatz

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz öffnet am Montag. Trotz der Sicherheitsmaßnahmen erwarten die Veranstalter mehr Besucher.

Am Montag öffnet der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz

Am Montag öffnet der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz

Foto: Reto Klar

Berlin. Mehr Polizisten, mehr sichtbarer Schutz, mindestens zwei Infopunkte und eigens geschulte Beamte, die Fragen besorgter Bürger beantworten: Wenn der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz am kommenden Montag um elf Uhr vormittags öffnet, sollen dabei alle ein möglichst gutes Gefühl haben, Besucher wie Betreiber. Das war in etwa die Botschaft der Pressekonferenz, zu der am Freitag die Betreiber, Anlieger, Bezirk und Polizei auf den halb fertigen Markt baten.

Es hätte ein Termin wie alle anderen werden können, schließlich lädt der Markt schon zum 34. Mal „zum Flanieren und Genießen ein“, wie es in der Ankündigung heißt. Doch schon das Gedrängel der Kamerateams und Reporter im Restaurantzelt „Hirschstube“ erzählte davon, dass auf dem Breitscheidplatz natürlich nichts mehr so ist wie vor einem Jahr. Auch, wenn das Wort „Terror“ bei der Pressekonferenz kein einziges Mal fiel, steht der Markt unter dem Eindruck des Attentats vom 19. Dezember 2016, durch den zwölf Menschen starben und knapp 70 verletzt wurden. Viele Verletzte ringen noch immer mit den Folgen. Augenzeugen und Helfer kämpfen mit teils traumatischen Erinnerungen. Noch immer wird das Behördenversagen untersucht, ist die Wut groß, dass es überhaupt zu dem Anschlag kam. Und auf dem Platz selbst, wo die ersten Stände bereits stehen, ist neben Entsetzen auch Sensationsgier zu spüren.

Wie soll man mit all dem umgehen? Bereits vor der Eröffnung des Marktes wird es in diesem Jahr in der Gedächtniskirche einen Gottesdienst für die Markthändler geben – auf ausdrücklichen Wunsch der Schausteller, so Pfarrer Martin Germer. Der Pfarrer der Gedächtniskirche fungiert seit vielen Jahren als Seelsorger der Schausteller. Das ganze Jahr über habe er viele Gespräche geführt. „Das Ereignis vom 19. Dezember hat uns zusammengeschweißt.“ Germer wird auch am Montag dabei sein, wenn der Weihnachtsmarkt im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) bei einem Abendrundgang eröffnet wird. Am Jahrestag des Anschlags, dem 19. Dezember, wird der Markt geschlossen sein – unter anderem wird an dem Tag das Mahnmal „Der Riss“ zum Gedenken der Opfer eingeweiht.

Fast alle Markthändler von 2016 sind wieder dabei

Fast alle Betreiber des vergangenen Jahres seien auch diesmal wieder dabei, sagte Michael Roden, der Vorsitzende des Berliner Schaustellerverbandes, der den Markt organisiert. Schon im vergangenen Jahr seien die Besucherzahlen nach dem Anschlag nicht etwa gefallen, sondern gestiegen. Man hoffe, dass der Trend anhalte. Roden bestätigte, dass die Standmieten in diesem Jahr um 20 Prozent erhöht wurden. Hintergrund sind die Sicherheitsvorkehrungen. Klaus-Jürgen Meier, Vorstand der AG City, hatte gegenüber der Berliner Morgenpost von mindestens 50.000 Euro Mehrkosten für die Sicherheit gesprochen.

Die Besucher sollen davon jedoch möglichst wenig sehen. Das neue Sicherheitskonzept bestehe aus sichtbaren und verdeckten Maßnahmen, sagte Polizeioberrat Dirk Schipper-Kruse vom Polizeiabschnitt 25. Sichtbar sollen Beamte an allen Eingängen des Weihnachtsmarktes sein sowie das Infomobil der Polizei. Weitgehend unsichtbar sind mittlerweile die zahlreichen Betonpoller, die in den vergangenen Tagen mit Weihnachtsbäumen verkleidet wurden. Zu weiteren Maßnahmen würden keine Angaben gemacht, so Schipper-Kruse. Man wolle kein Bollwerk errichten. „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass der Preis der Freiheit eben auch eine größere Verwundbarkeit ist.“

Wie die Stimmung auf dem verwundeten Weihnachtsmarkt sein wird, ist schwer abzusehen. Schon jetzt, während des Aufbaus, drängeln sich Passanten und Touristen zwischen den Ständen, halten am Gedenkort mit den Kerzen inne, der für den Markt einige Meter nach vorn verlegt wurde. „Furchtbar“, sagt eine Touristin aus Duisburg. Sie sei im vergangenen Jahr noch Minuten kurz vor dem Attentat über den Markt gelaufen. „Wenn man jetzt hier steht, fällt einem auf, über welche Nichtigkeiten man sich manchmal ärgert.“

Die Veranstalter richten den Blick auf den Weihnachtsbaum vor der Kirche, er hat 8000 Christbaumkugeln. Am Dienstag startet die Illumination am Kurfürstendamm und Tauentzien­straße, es soll ein „Sternenhimmel“ werden. Schon jetzt duftet es nach gebrannten Mandeln und Wurst. Doch immer wieder hört man auf dem Markt die Frage: „Wo genau ist es passiert?“ Die meisten Besucher, sagt ein Händler, seien Touristen. Sein Stand stand damals in Sichtweite des Lastwagens, der in mörderischer Absicht in den Markt raste. Eine schlimme Erinnerung, sagt der Händler. „Aber für mich überwiegt die Dankbarkeit, dass wir überlebt haben. Jedoch müssen weitermachen und Geld verdienen – für unser wirtschaftliches Überleben.“

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