Essen in Wilmersdorf

Wo es in Wilmersdorf gutes Essen für unter 20 Euro gibt

Unsere Reporter sind in den Berliner Restaurants unterwegs. Einzige Bedingung: Das Essen darf nicht mehr als 20 Euro kosten.

Brandneuer Szene-Laden oder alteingesessene Institution, gediegene Traditionsküche oder schnelles Street Food: Die kulinarische Vielfalt ist in Berlin grenzenlos. Unsere Reporter sind in den Restaurants der Stadt unterwegs, testen Geschmack, Ambiente und Service. Einzige Bedingung: Das Menü darf nicht mehr als 20 Euro kosten. Guten Appetit!

Benedict: Hier geht es nur um die wichtigste Mahlzeit des Tages

Irgendwo auf der Welt ist immer morgens, könnten sich die Betreiber des "Benedict" an der Uhlandstraße Ecke Pariser Straße vielleicht gedacht haben. Jedenfalls gibt es in diesem neuen Restaurant im ehemaligen Domus-Hotel, heute zur Max- Brown-Gruppe gehörend, sieben Tage die Woche 24 Stunden lang Frühstück. So wie bereits in dem Stammhaus in Tel Aviv.

Der Schankraum neben der stylischen Hotelrezeption ist chic und urban eingerichtet. Weiß glänzende Kacheln an den Wänden, frei liegende, schwarz mattierte Technik unter der Decke, kleine Bistrotische, gemütliche Stühle, große Fenster. Die Menge der Kellnerinnen und Kellner ist enorm, kein Wunder bei der Menge an Gästen. Auf der Karte finden sich dutzende Frühstücks-Variationen. Allein die New Yorker Spezialität der Eggs Benedict wird in mehreren Varianten angeboten. Die pochierten Eier gibt es mit Sauce Béarnaise und Schinken, aber auch mit Lachs und Spinat, ab 14 Euro inklusive Heißgetränk.

Daneben bekommt man britische Baked Beans mit Würstchen und Toast, französische Croque Monsieur, israelisches Shakshuka, Müsli und natürlich auch vegane Varianten. Beliebt sind die Pancakes, die es mit Bananen oder Heidelbeeren als normale oder Mini-Portion gibt, 9 oder 5,50 Euro. Dafür gab die Kellnerin 20 Minuten Wartezeit zu bedenken. Dann könnte es doch gut nach den Eggs Benedict damit weitergehen. Der Eier-Klassiker kam nach einer Viertelstunde traumhaft zubereitet. Mit der Gabel geteilt, ergoss sich flüssiges Eigelb über Sauce, Toast und Schinken. Als nach 40 Minuten noch immer keine Pancakes auf dem Tisch kamen, war die Frühstückszeit abgelaufen. Schade. Aber ein Grund, wiederzukommen.

Uhlandstraße 49, Wilmersdorf, Tel. 99 40 40 997, täglich durchgehend, www.benedict-breakfast.de, besucht im März 2017

Bahadur: Hier schmeckt die indische Küche so richtig authentisch

Auf dem Tisch stehen bereits zwei Gläschen mit Tamarindensauce und eingelegten Zwiebeln, dünnes und scharfes Papadam bringt Chef Gaurav persönlich. Er ist eigentlich Ingenieur. Vor ein paar Wochen hat er in einer sonst nicht für Gastronomie bekannten Ecke von Wilmersdorf mit dem "Bahadur" ein indisches, puristisch gehaltenes Restaurant aufgemacht, das authentische Küche zeigen will. Und zeigt.

Die Gerichte aus dem Tandoori-Ofen brauchen traditionell Zeit, 20 bis 25 Minuten informiert die Speisekarte. Mit Jal Jeera, einer hausgemachten Limonade, wie sie in Nordindien an heißen Sommertagen getrunken wird, geht es los. Sie wird in einer kleinen Karaffe mit Limette, viel Minze und popcornartigen Kügelchen serviert, erfrischt auch im Berliner Frühling. Es gibt Suppen wie Madras Rasan (südindische Linsensuppe), Vorspeisen wie Shami Kabab (gehacktes Lamm mit Ingwer), Goa-Style-Fish sowie andere Currys und für alle, die einen Rundumschlag wünschen, Thalis mit mehreren Gerichten auf einem Teller.

Dieser Mix liegt mit 15,50 bis 17 Euro am oberen Ende der Preisskala. Zusammen mit Vorspeisen, die bei drei Euro beginnen, liegt das "Bahadur" über den Preisen von manchen alteingesessenen indischen Restaurants. Das Preis- Leistungs-Verhältnis ist aber gut, man bekommt Qualität für immer noch faire Preise. Das beweist etwa das Streetfood- Gericht Halwaai Pakora, ein frittierter Gemüsesnack mit einer erfreulich leichten Knusperpanade. Kalmi Kabab gehört zu den Gerichten, die über offenem Feuer im Lehmofen zubereitet werden. Die beiden Hähnchenkeulen haben ein leichtes Raucharoma, die Joghurt-Sauce schmeckt hausgemacht. Ein authentisches Gaumenerlebnis.

Sigmaringer Str. 36, Wilmersdorf, Tel. 22 47 46 10, Di. - So. 12 - 23 Uhr. www.restaurant-bahadur.de, besucht im April 2017

Kafana: Serbische Küche und live gespielte Balkanmusik

Versteckt zwischen Volkspark und Detmolder Straße liegt das "Kafana", das mit Küchenkultur aus Serbien wirbt. Zwar wirkt die Einrichtung der Räume etwas aus der Zeit gefallen, aber alles passt: Die 20er-Jahre-Sofas und viele Holztische unterschiedlicher Größe und Form verströmen Gemütlichkeit. Neben der Bar stehen ein Klavier und weitere Instrumente. Am Wochenende ertönt im Schankraum live gespielte, tanzbare Balkanmusik, für die drei Euro pro Person zu entrichten sind. Hoch hergehen soll es, und das "Kafana" besitzt bereits nach kurzer Betriebszeit Kultstatus.

Das liegt nicht zuletzt auch an den Speisen auf der kleinen Karte. Klein ist das Stichwort, denn ein Großteil wird als Balkan-Tapas angeboten. Dazu passen gut die ausgezeichneten serbischen Weine, wie ein frischer Temet aus Südwestserbien. Die Hausweine werden für 5,50 Euro in Rot und Weiß ausgeschenkt. Vom Hahn fließt Königspilsener ins Glas, dem Craft-Bier-Trend wird mit einem handwerklich hergestellten aus Serbien gehuldigt.

Die kalte Balkan-Tapas-Sektion umfasst Leckereien wie serbischen Schmand zu exzellentem Sauerteigbrot, Paprikaaufstrich, Grieben, Oktopus oder Rinderschinken zu Preisen zwischen drei und sechs Euro . Bei den warmen Tapas gibt es köstliche, leicht scharfe weiße Bohnen oder kleine, mit Hack gefüllte Mangoldrouladen, fünf bis acht Euro.

Daneben steht ein halbes Dutzend Hauptspeisen auf der Karte, vom gegrillten Oktopus mit Kartoffeln und Gemüse bis zum Rinderfilet, auch Vegetarische wie frische Steinpilze mit Rucola und Käse, zu Preisen zwischen 15,50 und 21 Euro. Für die Gegend um den Bundesplatz ist das "Kafana" auf jeden Fall eine kulinarische Bereicherung.

Bruchsaler Straße 6, Wilmersdorf, Tel. 23 58 49 98, Mi. - Fr. 18 - 23 Uhr, Sbd. 12 - 1 Uhr, So. 10 - 22 Uhr, www.kafana-berlin.de, besucht im Mai 2017

Culaccino: Edler Wasserfleck am Fasanenplatz

Mario Livoreka ist das, was man in Berlin einen Promi-Italiener nennt. Seine Karriere ist beachtlich. Als Gastarbeiterkind kam er von Wolfsburg nach Berlin, wo er im Lokal seines Onkels an der Leibnitzstraße aushalf, zuerst als Tellerwäscher, dann als Kellner. Anfang 2000 machte er sich mit dem "Ristorante Mario" am Südwestkorso in Friedenau selbstständig, und bald auch einen Namen.

Anschließend ging es in die Fasanenstraße. Prominente wie Thomas Gottschalk oder Sami Khedira schätzten die berühmten Scampi, Kalbskotelett oder Leber in Butter-Salbei-Soße. Nach einem kurzen Intermezzo mit dem "The Eats", das im Fiasko endete, hat er nun mit dem "Culaccino" einen neuen Standort am Fasanenplatz gefunden. Der Name bedeutet Wasserfleck vom Weinglas. Er sagt, hier habe er sein Domizil für das Altwerden geschaffen. Mit einem zeitlos eleganten Ambiente, cremefarbenen Wänden, wunderschönen, riesigen Blumenbuketts und dem obligatorischen gestärkten Weiß. Attraktion im Sommer ist die große, Ahorn-beschattete Terrasse.

Kulinarisch ist sich Livoreka treu geblieben, Seezunge oder die berühmten Scampis, um 30 Euro, finden sich auf der Karte, auch Penne mit hausgemachter Salsiccia und Kichererbsen für 13 Euro. Auch die Tagliolini sind hausgemacht, es gibt sie mit Lachs oder Filetstreifen, um zwölf Euro. Zum Start gibt es ausgezeichnete, pikant eingelegte Kalamata-Oliven und Ciabatta. Unter der Woche mittags ist ein Menü mit Suppe und Hauptgang im Angebot, für moderate zehn Euro, inklusive Kaffee. Beim Besuch war die Pfifferlingcreme aus, stattdessen gab es einen frischen kleinen Salat. Die Spaghetti mit Speck waren perfekt al dente mit leicht scharfem Tomatensugo. So kann es was werden mit dem Alterssitz.

Fasanenstraße 40, Wilmersdorf, Tel. 88 92 89 33, Di.-So. 12 23 Uhr, www.culaccino.berlin, besucht im Juli 2016

Grüne Lampe: Deftige Klassiker der rus­si­schen Küche

Sibirien hat eine ziemlich warme Seite: Pelmeni, gefüllte Teigtaschen, wie man sie in Italien als Ravioli oder Tortellini kennt oder im Schwabenland als Maultaschen. Die Adresse schlechthin für die in Brühe oder Wasser gekochte Spezialität ist seit nunmehr elf Jahren die gleiche: die Grüne Lampe. Seit die einstige Kunstgeschichtsstudentin Julia Gutsch das Restaurant eröffnet hat, gibt es damit einen Platzhirschen in Sachen russischer Küche in Berlin.

Der Name erinnert an einen Künstler- und Intellektuellenclub im St. Petersburg der 20er-Jahre. An der Einrichtung hat sich nichts geändert, viel Grün, Gold, Beige und Braun. Das wirkt inzwischen ein wenig antiquiert. Schade auch, dass die roten Rosen auf den Tischen die Köpfe hängen lassen. Die Chefin ist im Laden, begrüßt viele Gäste auf Russisch und trägt ebenso wie ihre nette Servicekraft, Teller und Schüsseln mit an die Tische. Apropos Schüsseln: Darin werden die Pelmeni serviert. Und das in ordentlicher Portionierung. Die zwölf oder 20 Stück, gefüllt mit Geflügelfleisch, kosten acht beziehungsweise 12,50 Euro, die große Portion an Pilzsauce 13 Euro. Es ist ein äußerst bekömmliches und wärmendes Essen.

Die Küche ist traditionsreich. Auf der Karte entdeckt man auch Klassiker wie Soljanka, Borschtsch und Blinis sowie interessante Vorspeisen wie georgisches Lobio, Bohnen mit Walnuss-Koriander-Sauce und Knoblauch. Ein griechischer Salat muss nicht sein, passender ist der Rote Beete-Salat mit getrockneten Pflaumen. Oder der georgische Radieschensalat mit Hähnchen, der wie ein Salat mit Mayonnaise anmutet, aber durch sein joghurtartiges Dressing und eine schöne Dillnote ein Gericht für jede Jahreszeit ist.

Uhlandstr. 51, Wilmersdorf, Mo. - Fr. 12 bis ca. 22 Uhr, Sbd., So. feiertags 10 bis ca. 22 Uhr, Tel. 88 71 93 93, www.gruenelampe.de, besucht im Dezember 2016

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