Sicherheitsvorkehrungen

Wie die Geschäftsleute am Kudamm auf Barcelona reagieren

Nach den Anschlägen in Spanien wird am Kudamm über mehr Sicherheit nachgedacht. Doch können mehr Poller Terror wirklich verhindern?

Der Kurfürstendamm am Abend

Der Kurfürstendamm am Abend

Foto: Jens Kalaene / dpa

Nach dem Terroranschlag in einer Fußgängerzone in Barcelona mit einem Lieferwagen denken die Geschäftsleute am Berliner Kudamm über stärkere Sicherheitsvorkehrungen nach. Vorstellbar sei etwa, die teils breiten Bürgersteige mit Pollern oder Pfählen abzusichern, sagte der Vorstandschef der Interessengemeinschaft Kurfürstendamm, Peter Michael Riedel, der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt da unterschiedliche Meinungen“, berichtete er. Manche Ladeninhaber hätten die Befürchtung, dies könne Kunden abschrecken. „Aber der Tenor ist: „Sicherheit geht vor“.“

Riedel verwies darauf, dass vor einem Juweliergeschäft, das mehrfach Ziel von Überfällen war, schon vor etlichen Jahren Poller aufgestellt worden seien. Womöglich könne das auch an anderen Stellen der berühmten Einkaufsstraße eine Option sein. Vielleicht gebe es auch andere Lösungen. Der Verein wolle auf Politik und Behörden zugehen, um diese Fragen zu diskutieren.

Entlang des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße, an der sich das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) befindet, herrscht häufig starkes Gedränge auf den Bürgersteigen, besonders an Samstagen. Gleich um die Ecke an der Gedächtniskirche war am 19. Dezember 2016 der Attentäter Anis Amri mit einem gekaperten Laster in einen Weihnachtsmarkt gerast. Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland starben 12 Menschen, rund 70 wurden verletzt.

Seither war immer wieder die Frage nach dem Schutz öffentlicher Straßen und Plätze gestellt worden. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt wurden verstärkt: So setzte die Polizei bei großen Veranstaltungen wie dem Kirchentag, Straßenfesten zum 1. Mai oder Festivals mobile Betonbarrieren ein.

Der Anschlag in Barcelona am Donnerstag lief nach demselben Muster ab wie in der Anschlag 2016 in Berlin: Ein Lieferwagen raste auf der Flaniermeile Las Ramblas in Gruppen von Passanten. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden getötet und mehr als 100 verletzt.

Direkte Konsequenzen aus den Ereignissen in Spanien sieht die Berliner Polizei zunächst nicht. „Selbstverständlich wird nach den Vorgängen in Barcelona bei der Bewertung der Sicherheitslage in Berlin die neue Situation berücksichtigt“, hatte ein Polizeisprecher am Freitag erklärt. „Derzeit liegen aber keine Hinweise auf konkrete Gefahren vor.“ Die Sicherheitsvorkehrungen blieben auf hohem Niveau.

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