Charlottenburg

Der Gloria-Palast wird jetzt doch abgerissen

Die Denkmalschutzbehörde des Senats gibt grünes Licht für die Arbeiten. Bauhistoriker sind entsetzt.

Nur noch die Leuchtreklame erinnert an den Gloria-Palast am Kurfürstendamm. Nach jahrelangem Streit wird das Gebäude  abgerissen

Nur noch die Leuchtreklame erinnert an den Gloria-Palast am Kurfürstendamm. Nach jahrelangem Streit wird das Gebäude abgerissen

Foto: imago stock / imago stock&people

„Am 30. Juni 2017 wurde seitens der Bauherrin der Abbruch des Geschäftshauses Kurfürstendamm 12/13 angezeigt, in dem sich früher einmal das über Berlin hinaus bekannte Kino Gloria-Palast befand“, vermeldet das Bezirksamt. Mit den Abrissarbeiten soll am Mittwoch, 26. Juli, begonnen werden, so die lapidare Nachricht.

Viel war von dem glanzvollen Kino, das 1952–1953 nach Plänen der Architekten Siegfried Fehr und Gerhard Jäckel erbaut worden war, nicht mehr übrig geblieben. Filme liefen in dem ehemaligen Film-Palast schon seit 1998 nicht mehr. Lediglich das restaurierte Foyer mit dem Kassenhäuschen und der Wendeltreppe sowie die Leuchtreklame an der Fassade waren noch erhalten. Doch auch die sollen am 26. Juli nun fallen.

Upper-West-Eigner wollen mehr Einzelhandelsfläche

In höherem Maße als bisher wollen die beiden Eigentümergesellschaften des benachbarten Upper West, die Centrum Holding aus Düsseldorf und die Firma RFR aus Frankfurt am Main, eine Nutzung für Einzelhandel erreichen. Und zwar unter Einbeziehung der Häuser Kudamm 12 bis 15. Haus Nummer 15, bekannt für das bis vor etwa einem Jahr im Erdgeschoss einquartierte McDonalds-Restaurant mit der Möblierung des Jugendstil-Lokals „Mampes gute Stube“, gilt als gesichert. Kudamm 14, in dem sich neben Handelsflächen auch Wohnungen befinden, ist wie der Gloria-Palast dem Abriss geweiht.

Vorangegangen ist diesem Abriss ein langjähriges Verfahren und ein Streit zwischen den Denkmalschutzbehörden des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und des Landes Berlin. Mit einer Vielzahl von Gutachten, stellte der Investor die mangelnde Standfestigkeit der Fassade unter Beweis. „Es besteht Konsens darin, dass der Umbau wegen der schwachen Substanz aus den 50er- und 60er-Jahren schwierig sein wird“, erklärte seinerzeit schon der ehemaligen Baustadtrat Marc Schulte (SPD). Auch sein Nachfolger Oliver Schruoffeneger (Grüne) versicherte: „Der Bezirk hat sich anhand von 20 technischen Gutachten, die alle zu dem Ergebnis kommen, diese alte denkmalgeschützte Fassade ist so nicht mehr zu retten, überzeugen lassen.“

Das Landesdenkmalamt wollte die alte Kinofassade erhalten, doch den Schiedsspruch zugunsten der Argumentation des Bezirks fällte schließlich die Oberste Denkmalschutzbehörde im Hause von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Anfang Juni dieses Jahres. Ihre Begründung: „Die Auswertung der Gutachten ergab, dass der Erhalt der denkmalbestimmenden Substanz durch die erforderliche Sanierung nicht möglich ist. Ohnehin ist durch in der Vergangenheit erfolgte Umbaumaßnahmen die Denkmalauthentizität bereits erheblich beeinträchtigt.“

Bauhistoriker Dietrich Worbs, der 1985 bis 2004 beim Landesdenkmalamt arbeitete, nannte die Entscheidung „unfassbar“. Das Kino sei einer der ersten Neubauten nach dem Krieg am Kudamm gewesen. „Hier gingen Leute wie Ernst Reuter ein und aus und es war eines der ersten Berlinale-Kinos“, so Worbs.

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