Zurück zur Natur

Teufelsberg soll wieder unter Naturschutz gestellt werden

Der Senat will das Ausflugsziel Grunewald mit einer neuen Verordnung besser schützen. Das gilt auch für den Teufelsberg.

Der Drachenberg, auch kleiner Teufelsberg genannt, im Nordwesten des Grunewald bietet eine überwältigende Aussicht auf Berlin

Der Drachenberg, auch kleiner Teufelsberg genannt, im Nordwesten des Grunewald bietet eine überwältigende Aussicht auf Berlin

Foto: Reto Klar

Den Aufstieg auf den Drachenberg am Nordwestzipfel des Grunewalds hat an diesem frühen Vormittag noch niemand gewagt. Nur zwei Mountainbiker rauschen mit angestrengtem Blick vorbei. Doch wenn am heutigen Sonnabend über Berlin die Sonne scheint, werden sich hier wieder Familien und Liebespaare tummeln. Das Plateau bietet ein unvergleichliches Berlin-Panorama. Der Blick geht über die ganze Stadt. Nebenan scheinen die früheren Radaranlagen des Teufelsbergs zum Greifen nahe. Und die noch weitgehend kahlen Baumkronen des Grunewalds schimmern in rosaroten Farben.

Rund 100 Millionen Besucher nutzen jährlich den Grunewald – Naturanbeter, Spaziergänger, Radler, Jogger, Reiter, Hundehalter und selbst Abenteurer, die das Dickicht fürs Überlebenstraining nutzen. Eine neue Landschaftsschutzverordnung soll jetzt Erholung und Umweltschutz in Berlins größtem zusammenhängenden Waldgebiet noch besser zusammenbringen. "Der Grunewald hat besondere Bedeutung für den Naturhaushalt", heißt es in der Begründung zur neuen Verordnung. Und weiter: "Der Grunewald ist ein wertvoller Lebensraum für viele, auch gefährdete oder bedrohte Pflanzen- und Tierarten und soll auch in Zukunft für die naturnahe, an Landschaft und Naturausstattung angepasste Naherholung für die Berliner gesichert werden."

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Der Teufelsberg mit der früheren Abhörstation der Amerikaner soll dann auch wieder unter Naturschutz gestellt werden. Das Plateau mit der Abhörstation wird zu einem der sieben Naturschutzgebiete gehören, die innerhalb einer neuen Verordnung für den Grunewald ausgewiesen werden: die bisherigen Naturschutzgebiete (NSG) Postfenn und Teufelsfenn, die zusammen bisher rund 27 Hektar Fläche ausgemacht haben, werden dann knapp 83 Hektar umfassen. Mit Inkrafttreten der Verordnung werden dann zwar nur noch sieben anstatt bisher acht Naturschutzgebiete in Berlins größtem Forst liegen. Die Gesamtfläche der NSG im Grunewald wird damit aber um 109 auf dann 227 Hektar mehr als verdoppelt. Auch die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes werden um rund 34 auf 3235 Hektar erweitert.

Noch bis zum 9. März läuft die Beteiligung der Öffentlichkeit an der neuen Schutzgebietsverordnung. Vorrangiges Ziel: die Vorgaben der Europäischen Union für Flora-Fauna-Habitate (FFH) und Vogelschutzgebiete zu erfüllen. Unter dem Titel "Natura 2000" sollen europaweit vernetzte Schutzgebiete entstehen. Schon Anfang des neuen Jahrtausends hatte der Berliner Senat große Teile des Grunewalds für das EU-Programm angemeldet. Die derzeit gültige Landschaftsschutzgebietsverordnung für den Grunewald stamme aus dem Jahr 1963 und fuße noch auf dem Reichsnaturschutzgesetz von 1935, erklärt Derk Ehlert, Sprecher der Senatsumweltverwaltung das Anliegen. "Mit der geplanten Änderung sollen die Verordnungen für das LSG und die darin liegenden NSG an das moderne, fortentwickelte Naturschutzrecht und insbesondere die europarechtlichen Anforderungen angepasst werden", so Ehlert.

Was man im Grunewald alles unternehmen kann

Hundebesitzer befürchten Restriktionen für Vierbeiner

Vor allem Hundebesitzer befürchten jedoch erhebliche Beschränkungen durch die neue Schutzverordnung. Denn im Grunewald, südwestlich der Avus, liegt auch Europas vermutlich größtes Hundeauslaufgebiet. Dort, wo die Vierbeiner offiziell ohne Leine toben würfen, liegen die Naturschutzgebiete Grunewaldsee und Langes Luch. Das Trockenrasengebiet der Dachheide soll mit der neuen Verordnung hinzukommen. Mit rund 42 Hektar wäre dann die unter Naturschutz gestellte Fläche im mehr als 800 Hektar großen Hundeauslauf Grunewald etwa 17 Hektar größer als bisher. Nicht nur die Hundehalterinitiative "Berliner Schnauzen", sondern auch der Verein "Mensch und Hund Moabit" rechnen damit, dass in den NSG die Tiere an der kurzen Leine geführt werden müssen. "Es steht zwar in der Begründung zur Landschaftsschutzverordnung Grunewald, dass es wieder ein Hundeauslaufgebiet geben soll, aber wie groß es sein wird, ist nicht gesagt", beklagt Beate Fischer, Sprecherin der "Berliner Schnauzen".

Senat: Neue Regeln für Hundehalter im Grunewald denkbar

Hundehalter im Grunewald fürchten Einschränkungen

Im Hause von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos für Grüne) wurde zunächst bestritten, dass die Verordnung Einfluss auf den Freilauf von Hunden im Grunewald hat. Inzwischen räumt Sprecher Ehlert ein: "Um die Ziele der Verordnung, den Schutz von Natur und Landschaft, zu erreichen, mag es in der Zukunft erforderlich werden, einzelne Bereiche für das Mitführen von Hunden zu sperren." Hunde- und Tierschutz-Vereine haben deshalb ihre Mitglieder mobilisiert, damit gegen den Entwurf zur Neuen Verordnung massenhaft Bedenken erheben sollen.

Manfred Kraus vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt hingegen zu bedenken, dass gerade die Seen im Grunewald von besonders vielen Erholungssuchenden genutzt werden. "Hunde, die am Seeufer herumtollen, dort Löcher graben oder ihr Häufchen hinterlassen, sind nicht nur ein Problem für die Landschaft, sondern auch für andere Spaziergänger", sagt Kraus. Der BUND begrüße es deshalb, dass mit der neuen Verordnung auch die Gewässerufer in die Naturschutzgebiete einbezogen werden sollen. "Es gilt, die Wünsche und Bedürfnisse aller Nutzer so gut es geht zu berücksichtigen und mit den Belangen von Natur und Landschaft in ein angemessenes Verhältnis zueinander zu bringen", kontert Verwaltungssprecher Ehlert. Naturschutzexperte Kraus ist weitgehend zufrieden mit dem Entwurf der Berliner Umweltverwaltung. Der Grunewald habe noch viele unberührte Ecken und sei dabei, "sich zu einem tollen Mischwald zu entwickeln." Der Biologe aus Charlottenburg geht selbst gern im Grunewald spazieren. "Als die Mauer noch stand, war das meine stille Insel", erinnert sich Kraus.

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