Richtfest

Im Juli ziehen die Großen Pandas in den Zoo ein

Am Dienstag wurde Richtfest für den Panda-Garten im Zoo gefeiert. Knapp zehn Millionen Euro kostet die neue Anlage für die beiden Tiere.

Der Zoo Berlin feiert Richtfest im Panda-Gehege

Im Zoo Berlin wurde Richtfest im "Panda Garden" gefeiert. Mit dabei waren der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Zoodirektor Andreas Knieriem sowie der Botschafter der Volksrepublik China Shi Mingde.

Der Zoo Berlin feiert Richtfest im Panda-Gehege

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Noch am Vormittag hingen Balken und Betonteile am Kran, am Nachmittag war es ein Richtkranz. Rote chinesische Laternen schmückten die Holzbalken dahinter. Auf Berlins exotischster Baustelle ist ein wichtiges Etappenziel erreicht: Am Dienstag wurde der symbolische letzte Nagel eingeschlagen, bevor sich die Richtkrone über dem Panda-Garten hob. „Es wird konkret, der Umzug der Pandas steht bevor“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Und Zoodirektor Andreas Knieriem ergänzte: „Die Tiere werden ein wunderbares Heim haben.“ Zum Richtfest war auch eine Delegation aus China gekommen.

Vor vier Monaten hatten die Arbeiten auf der Baustelle für den neuen Panda-Garten begonnen. Alles ist im Zeitplan. „Im Juli können die Pandas kommen“, sagte Frank Bruckmann vom Zoo-Aufsichtsrat. In den nächsten Tagen wird das Dach auf dem Stallgebäude und der Panda-Plaza für die Besucher fertig sein. Auf einer fast 5500 Quadratmeter großen Fläche entsteht für knapp zehn Millionen Euro ein Pandagehege mit Bambus, Felslandschaften und kleinen Wasserläufen.

Zoo und Tierpark sind im Bundesvergleich Spitze

Der Pandagarten wird zwei getrennte Bereiche für die Tiere haben, die mit einem Tunnel verbunden sind. Pandas sind nur wenige Tage im Jahr für die Paarung bereit. Sobald die Tierpfleger Anzeichen davon bemerken, werden sie den Tunnel öffnen, damit die beiden zusammenfinden können. Ansonsten sind die Tiere eher Einzelgänger. Damit sie aber nicht nur faul und lethargisch in der Ecke liegen, bekommen sie einen Kletterparcours, Schaukeln, Rutschen und ein Sandbecken.

Jan Mohnhaupt: „Der Zoo der Anderen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich höchstpersönlich am Rande ihres China-Besuchs im Herbst 2015 um die Verhandlung über die Pandas gekümmert. Seitdem liefen die Planungen im Zoo für den Neubau der Panda-Anlage. Die Beschaffung von Pandas war offenbar schon immer eine Staatsangelegenheit. Die seltenen Bären, von denen nur noch 2000 in freier Wildbahn leben, sind ein Prestigeobjekt, Publikumsmagnet und Aushängeschild für jeden Zoo.

Autor Jan Mohnhaupt beschreibt in seinem neu erschienen Buch „Der Zoo der Anderen“ wie die Pandas auch in Mauerzeiten benutzt wurden, um besser zu sein als andere. Der Traum vom Großen Panda wurde im Tierpark und Zoo gleichermaßen geträumt – gern schalteten sich die Staatsoberhäupter ein, um ihn zu erfüllen. „Es gab einen Wettkampf zwischen beiden Einrichtungen und damit verbunden ein Wettkampf der Systeme“, sagt Mohnhaupt. Habe der eine vorgelegt, musste der andere nachziehen. Berühmt sei der Elefantenpoker geworden, so der 33 Jahre late Autor. Willy Brandt hatte Zoodirektor Heinz-Georg Klös darauf hingewiesen, dass der Tierpark schon wieder einen neuen Elefanten habe. Daraufhin wurde ein weiterer für den Zoo beschafft, am Ende hatte Klös die Nase vorn mit elf Elefanten, während es im Tierpark fünf gab.

"Willy Brandt sitzt hinter Gittern und ernährt sich von Ratten"

Dafür spottete man im Tierpark über einen Weißkopfseeadler im Zoo, der den Namen Willy Brandt bekam. „Willy Brandt sitzt hinter Gittern und ernährt sich von Ratten“, zeterte es wochenlang durch die Ost-Berliner Medien. „Heinrich Dathe und Heinz-Georg Klös wollten nach dem Kriegsende bis zum Mauerfall ihren eigenen Bereich groß machen und sahen den anderen als Konkurrenten“, sagt Mohnhaupt. Dathe wollte die besten Tiere, egal zu welchem Preis, Klös immer ein gutes Geschäft, also ein gutes Tier für wenig Geld.

Bis 1980 spielte der Große Panda nur eine Nebenrolle in Berlin. „Happy“ war der letzte Panda, der 1939 einige Wochen lang im Antilopenhaus im Zoo lebte, bevor er als lebendes Ausstellungsstück weiterreiste. Knapp 20 Jahre später hätte Klös die Chance gehabt, das anderthalb Jahre alte Panda-Weibchen Chi Chi in den Zoo zu holen. Er lehnte ab, angeblich wegen überzogener Preisvorstellungen. Einem Journalisten vertraute er an, dass er Angst hatte, dass ihm das Tier eingehe. Ein Skandal wäre das.

Panda Chi Chi holt 400.000 Besucher in den Tierpark

Heinrich Dathe im Tierpark hingegen nahm das Angebot sofort an. Am 2. August 1958 traf Chi Chi in Friedrichsfelde ein. In drei Wochen kamen 400.000 Besucher in den Tierpark, dann wurde der Bär nach London verkauft.

Loki Schmidt, der Frau von Bundeskanzler Helmut Schmidt, ist es zu verdanken, dass der Zoo 1980 wieder Pandas bekam. Sie bekam einen Brief von Ursula Klös, mit der sie befreundet war. Ihr Mann solle sich beim nächsten China-Besuch keine Vasen und Seidenteppiche schenken lassen, sondern Pandabären, schrieb sie. Es klappte. Am 5. November 1980 landeten Tjen Tjen und Bao Bao in Berlin. Loki Schmidt wurde die Patentante, und der Bundeskanzler gab einen Umtrunk zur Begrüßung der Tiere. Tjen Tjen starb vier Jahre später. Erst 1995 gelang es wieder, ein Pandaweibchen zu bekommen, doch auch mit Yan Yan gab es keinen Nachwuchs. Yan Yan starb 2007, Bao Bao 2012. Nach fünf Jahren beginnt nun im Sommer eine neue Panda-Ära.

Jan Mohnhaupt: „Der Zoo der Anderen“, Hanser, 20 Euro

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