Neubauprojekt

In Berlin-Wilmersdorf entstehen Wohnungen mit grünen Dächern

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Thomas Schubert
Halbe Fläche, doppelte Höhe: Durch eine massivere Bebauung des Baugrundstücks im Westen verschont Groth 150 Gartenparzellen im Osten

Halbe Fläche, doppelte Höhe: Durch eine massivere Bebauung des Baugrundstücks im Westen verschont Groth 150 Gartenparzellen im Osten

Foto: Groth-Gruppe

Investor Groth stellt Pläne für das neue Stadtquartier auf der ehemaligen Kolonie Oeynhausen in Wilmersdorf vor.

Im Osten Gärten. Im Westen Groth. „Maximilians Quartier“ hat der gleichnamige Investor, auch verantwortlich für die neue Siedlung am Mauerpark, sein neuestes Großvorhaben auf Teilen der früheren Gartenkolonie Oeynhausen in Wilmersdorf getauft. Das Nebeneinander von Lauben und Häuserzeilen an der Forckenbeckstraße steht nach Monaten der Vorplanung nun tatsächlich vor der Verwirklichung. 150 Lauben der Kolonie bleiben dabei erhalten, 150 weitere haben die Bagger bereits vor einem Jahr aus dem Weg geräumt.

Aber noch immer ist der 4,7 Hektar große Baugrund ein kahler Acker. Warum so lange nichts geschah? „Wir haben uns zusätzliche Mühe gegeben, um ein städtebauliches Verfahren zur Sicherung der Qualität voranzutreiben“, sagte Groth-Geschäftsführer Henrik Thomsen im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Erst dann die Bauanträge einzureichen, wenn das Vorhaben ausgereift ist, sei Teil der Firmenphilosophie.

Bis zu acht Stockwerke ragen künftig vor den übrig gebliebenen Lauben auf

Mitgebracht hatte Thomsen Computersimulationen, die noch nicht die endgültige Erscheinung der 954 Wohnungen in vier Blöcken wiedergeben. Es gehe nur darum, „Eindrücke von der Fassadenstruktur zu gewinnen“. Diese Eindrücke sind Resultate eines Workshopverfahrens mit vier Architekturbüros. „Wir lassen bewusst verschiedene Formensprachen zu, um die Durchmischung reinzubringen, die uns für das Quartier vorschwebt“, kommentierte Thomsen die Melange aus weißen Wänden und grasbewachsenen Dächern.

Dabei sollen in „Maximilians Quartier“ nach Osten hin die größten Häuser entstehen – bis zu acht Stockwerke ragen künftig vor den übrig gebliebenen Lauben auf. Rücksichtsvoll duckt sich der neue Kiez hingegen vor bestehenden Häuserzeilen im Westen. Hier sind nur vier Geschosse zu erwarten.

Auch die Tiefgarageneinfahrten sollen laut Thomsen zu den Kleingärten hin liegen. Dabei erhält jeder der vier Blöcke ein eigenes unterirdisches Deck. Die Gesamtzahl der Stellplätze entspricht dabei dem Faktor 0,6 pro Wohnung – hier werden somit rund 500 Autos parken, die über eine neue Ringstraße um die Siedlung fahren können.

Im Osten summen die Bienen, im Westen die Kräne

„Die Forckenbeckstraße kann den Verkehr verkraften“, versicherte Rainer Latour, der Leiter des Stadtplanungsamts skeptischen Zuhörern. Eine Idee, die Ringstraße um das Viertel als Einbahnstraße zu gestalten, habe man verworfen, da dies unnötige Fahrwege zu den Garagen produzieren würde.

Zur Vorgeschichte des größten Wohnungsbauprojektes in Wilmersdorf seit Jahren gehört ein heftiger Konflikt um die Rettung der gesamten Kolonie Oeynhausen. Nach zehn Gutachten und Entscheidungen vor Gericht sah der Bezirk Anfang 2016 keine Chance mehr, das Baurecht zu verweigern. Damals hätte Groth die gesamte Kolonie abräumen und auf ganzer Breite dreistöckig bebauen dürfen. Schließlich erstritt man aber den Kompromiss, nur die äußere Hälfte für Wohnungen zu reservieren, dafür mit größerer Dichte und doppelter Höhe. So gilt ab Sommer 2017: Im Osten summen die Bienen – im Westen surren die Kräne.