Chemie-Start-ups

TU-Präsident eröffnet Labore für Firmengründer

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Jens Anker
Die Ex-Studenten Viktor Miruchna, Battist Rabay und Martin Bothe (v.l.) sind die ersten Nutzer der neuen TU-Labore

Die Ex-Studenten Viktor Miruchna, Battist Rabay und Martin Bothe (v.l.) sind die ersten Nutzer der neuen TU-Labore

Foto: Amin Akhtar

TU-Präsident Christian Thomsen eröffnet Arbeitsplätze für Chemie-Start-ups. Das Angebot richtet sich an Uni-Absolventen.

Chirurgische Handschuhe, die das Verletzungsrisiko senken, ein Leim für
Mikrochips, der die Lebensdauer von elektronischen Bauteilen verlängert und Schaltknöpfe, die nur fühlbar sind, wenn man sie braucht – das sind die Geschäftsideen, mit denen die ersten drei Ex-Studenten der TU Berlin in den Labor-Inkubator für akademische Start-ups vor allem aus der Chemie einziehen. TU-Präsident Christian Thomsen eröffnete am Mittwoch die ersten fünf Labore für naturwissenschaftliche Firmengründer. „Für Gründer aus der Naturwissenschaft ist es nicht so leicht, geeignete Räume zu finden“, sagte Thomsen. „Mit dem Labor-Inkubator haben wir ein klares Zeichen gesetzt.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat eine Million Euro zur Verfügung gestellt, um die Labor-Container anzuschaffen, die landeseigene Technologiefördergesellschaft Wista und der
TU-Exzellenzcluster UniKat machen ebenfalls mit. Das Angebot richtet sich an Absolventen der Uni, die sich mit ihrer Geschäftsidee in der Vorgründungsphase befinden. „Das ist eine sehr kritische Phase“, sagt der Leiter des Exzellenzclusters, Reinhard Schomäcker. Laborplätze sind teuer und für Unternehmensgründer schwer zu finanzieren, weil in der Regel schon die Kosten für die Entwicklung über denen anderer Gründungsideen liegen. Deswegen seien Firmengründungen aus der Chemie in der vielfältigen Start-up-Szene Berlins bislang unterrepräsentiert. „Da wollen wir ansetzen“, so Schomäcker. Die ersten fünf Labore, die im Hof des Chemie-Instituts der TU aufgestellt sind, sollen nur ein Anfang sein.

Martin Bothe gehört zu den ersten, die in die Labore einziehen. Die von ihm gegründete Firma „Smarterials“ entwickelt Handschuhe für Ärzte, die das Verletzungs- und Infektionsrisiko senken sollen. Jährlich gebe es in den Operationssälen Deutschlands Tausende Verletzungen an den Händen, so Firmengründer Bothe. Zum einen sollen die Handschuhe haltbarer werden, ohne allerdings das Gefühl einzuschränken. Andererseits sollen kleine Einstiche durch eine rote Flüssigkeit leichter zu entdecken sein. „Das Inkulab ist der ideale Startpunkt für uns“, sagt Bothe. Zumal er neben dem Labor auch andere Einrichtungen der TU nutzen kann, um seine Materialien zu testen.

Das gleiche gilt für Battist Rabay und seine Firma „nano join“. Für seinen Mikrochip-Klebstoff steht er in Kontakt mit Industriepartnern, die spezielle Anforderungen stellen. Ohne die Möglichkeit, in dem Start-up-Labor zu arbeiten, könnte er sein Produkt nicht den Wünschen entsprechend weiterentwickeln.

Ambitioniert ist auch die Idee des promovierten Chemikers Viktor Miruchna. Seine Firma „GelTouch“ will ein Hydrogel herstellen, das Schaltknöpfe nur dann fühlbar macht, wenn sie gebraucht werden. So sollen Fehleingaben in der Industrie reduziert werden, aber auch für Spielkonsolen soll die Idee nutzbar sein. Insgesamt sollen künftig sechs TU-Gründer in den neuen Labors arbeiten.