Illegales Autorennen

Staatsanwalt klagt Tauentzien-Raser wegen Mordes an

Anfang des Jahres starb ein 69-Jähriger. Sein Fahrzeug wurde am Kudamm gerammt. Zwei Raser müssen nun mit einer Mordanklage rechnen.

Der Fahrer eines Jeeps wurde getötet, als ein schwarzer Audi ungebremst in die Fahrerseite raste

Der Fahrer eines Jeeps wurde getötet, als ein schwarzer Audi ungebremst in die Fahrerseite raste

Foto: Foto: ABIX / ABIX

Nach einem illegalen Autorennen mit einem Toten in der Berliner City West strebt die Staatsanwaltschaft einen Mordprozess gegen zwei mutmaßliche Raser an. Eine entsprechende Anklage sei beim Landgericht der Hauptstadt eingegangen, bestätigte am Freitag eine Justizsprecherin. Einer der Männer hatte laut Ermittlungen auf der Tauentzienstraße mit 160 Stundenkilometern einen unbeteiligten Geländewagen gerammt. Dessen 69-jähriger Fahrer starb noch am Unfallort.

Die 24 und 27 Jahre alten Verdächtigen waren einen Monat nach dem Unfall wegen Verdachts auf Totschlag verhaftet worden. Zudem wurde wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ermittelt. Den Männern sei inzwischen Haftbefehl wegen mutmaßlichen Mordes verkündet worden, sagte die Sprecherin.

Die Anklage geht davon aus, dass die mutmaßlichen Raser tödliche Folgen billigend in Kauf genommen hätten. Sie hätten gemeingefährliche Mittel eingesetzt und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, um ein illegales Rennen zu gewinnen. Sollte es zu einem Prozess wegen Mordes kommen, drohen lebenslange Freiheitsstrafen.

Es war 0.40 Uhr, als die Sportwagenfahrer am 1. Februar mit hohem Tempo durch Charlottenburg fuhren. Laut Anklage sollen sie mehrere rote Ampeln überfahren haben. Der unbeteiligte Autofahrer sei bei Grün über die Kreuzung gefahren, als sein Wagen gerammt wurde. Der Geländewagen des Rentners sei 70 Meter weit geschleudert worden.

Der zweite Sportwagen-Fahrer konnte ausweichen und wurde auf den Gehweg in der Mitte des Boulevards geschleudert. Die beiden Sportwagenfahrer und eine Beifahrerin wurden verletzt.

Bundesweit kommt es bei illegalen Autorennen immer wieder zu schweren Unfällen. 2015 starben allein in Köln drei Menschen – zwei Radfahrer und ein Taxi-Gast. In Berlin ist der 69-Jährige das erste Todesopfer eines illegalen Autorennens in den vergangenen Jahren. Inzwischen liegt eine Gesetzesinitiative vor, um Strafen für Teilnehmer illegaler Rennen zu verschärfen.

Auf der Jagd nach Berlins Rasern

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