Segeln

Die Underdogs von der Unterhavel

Bei der Segelbundesliga haben auch kleine Klubs eine Chance. Das beweist der Klub am Rupenhorn aus Berlin-Charlottenburg

Das Segelbundesligateam des Klubs am Rupenhorn  in voller Fahrt

Das Segelbundesligateam des Klubs am Rupenhorn in voller Fahrt

Foto: Oliver Klempert / BM

Eben noch tanzen wärmende Sonnenstrahlen über die Unterhavel, im nächsten Moment verdüstert sich der Himmel und es schüttet wie aus Kübeln. Sofort peitscht starker Wind über das Wasser. Die J-70 – das Wettkampfboot der Segelbundesliga – nimmt Fahrt auf. Nach wenigen Momenten hebt sich der Bug aus dem Wasser, das Segelboot scheint geradewegs über das Wasser zu fliegen. An Bord wird gejauchzt – so klingt Segelfreude pur.

Es ist zwar eher eine Ausfahrt, bei der mal ein paar kleine Manöver geübt werden, dennoch: An Bord ging es am vergangenen Pfingstsonntag auf der Unterhavel so ernsthaft zu, als würde um Punkte gesegelt und als sei den Seglern die Konkurrenz auf den Fersen. Schnell springen sie von steuerbord nach backbord und umgekehrt, hängen außenbords, holen den Genaker ein und lassen ihn aus, fahren Wenden und Halsen. Fast verstehen sich Katharina, Simon, Paul und Sebastian ohne Worte.

Eine Sensation auf dem Starnberger See

In dieser Konstellation sind die vier noch nicht gemeinsam gesegelt – und dies, obwohl sie einem Team angehören, nämlich dem Segelbundesligateam des Klubs am Rupenhorn aus Charlottenburg. Diesem Segelverein, gerade mal 230 Mitglieder stark und damit eher einer der mittelgroßen Klubs der Hauptstadt, war vor wenigen Wochen eine Sensation gelungen – von der zweiten Segelbundesliga war er nach der Relegation auf dem Starnberger See in die erste Liga aufgestiegen.

Sebastian Salein und Simon Merz waren mit dabei. "Es war eine tolle Veranstaltung, auch wenn sie sehr anstrengend war. Die Relegation auf dem Starnberger See fand bei starkem Wind, durchziehenden Schneefronten und eisigen Temperaturen statt. Zwölf kräftezehrende Wettfahrten schlossen wir schließlich mit einem zweiten Platz ab", sagt Merz. Dem Klub am Rupenhorn gelang damit als einzigem Zweitligisten der Aufstieg.

Ähnliche Lebensläufe auf dem Wasser

Jetzt, eine Woche vor der zweiten Regatta der Bundesliga in Konstanz auf dem Bodensee, ist der Aufstieg schon halb verdaut und es überwiegt die Vorfreude auf das kommende Event – als "Underdogs von der Unterhavel" sind die elf Teammitglieder im Alter von 18 bis 31 Jahren frei von Druck. "Wir haben weder Weltmeister noch Olympiasieger im Team, es gibt also keine riesige Erwartungshaltung", erklärt Paul Ost, einer der beiden Steuerleute.

Tauchen bei den Bundesliga-Veranstaltungen andere Teams mittlerweile in einheitlicher Teamkleidung auf, besitzen hauptamtliche Teammanager und Trainer, so herrscht beim Klub am Rupenhorn bislang noch Selbstorganisation. Dafür kennen sich alle Teammitglieder des Segelbundesligateams des Klubs am Rupenhorn teilweise schon seit ihrer Kindheit, haben ähnliche Lebensläufe auf dem Wasser. "Es ist gleichzeitig Vorteil und Nachteil, dass wir noch nicht so professionell wie andere Vereine sind", sagt Sebastian Salein, der an Bord für die Taktik zuständig ist.

In der Tat: Bei der Segelbundesliga, die in diesem Jahr in ihre vierte Saison geht, ist längst ein sehr hohes professionelles Niveau eingezogen. Oft waren auf den vorderen Plätzen in den vergangenen Jahren immer wieder die gleichen Klubs zu finden – der Verein Seglerhaus am Wannsee etwa oder der Norddeutsche Regatta Verein.

Auf der Suche nach Sponsoren

Der Ehrgeiz, bei der Segelbundesliga möglichst gut abzuschneiden, wird in jedem Jahr größer. "Ohne den Rückhalt im Verein ist es unmöglich, in diesem hart umkämpften Wettbewerb zu bestehen", sagt Katharina Guttenberg, die auf dem Boot als Vorschoterin arbeitet. Mit dem Auto ihrer Mutter wird etwa das Trainingsboot zu den Revieren gebracht.

Auch gibt es ein zweites J-70-Boot, das zwei Klubmitgliedern gehört. "Ohne dieses Boot könnten wir auf dem Wasser manche Situationen gar nicht üben", so Guttenberg. Startgeld, Verpflegung, Anreise und Unterkunftskosten – pro Jahr kostet die Teilnahme an der Segelbundesliga viel Geld. "Aktuell suchen wir deshalb noch Sponsoren, die eine Zusammenarbeit mit einem jungen, dynamischen Team anstreben", so Guttenberg.

Eine Perspektive nach den Jugendbootklassen

Dass es den Mitgliedern des Segelbundesliga-Teams des Klubs am Rupenhorn ernst ist, zeigten sie in den vergangenen zwei Jahren in der zweiten Liga, ein Engagement, das mittlerweile tief in den Verein hineinwirkt. "Mit der Segelbundesliga wurde ein Format ins Leben gerufen, das jungen Seglern eine Perspektive für die Zeit nach den Jugendbootklassen eröffnet und ihnen auch weiterhin die Teilnahme an hochklassigen Wettkämpfen ermöglicht", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Klubs am Rupenhorn und Jugendobmann des Berliner Segler-Verbandes, Frank Lüneberg.

Generell liege ein Schwerpunkt des Vereins auf der Jugendarbeit, nahezu der komplette Bundesliga-Kader habe das Segeln im Klub am Rupenhorn erlernt und brachte sich in der Vergangenheit intensiv ins Vereinsleben ein. "Nicht zuletzt bilden die Spitzensegler des Vereins den Nachwuchs ehrenamtlich aus und schaffen so die Basis für künftige Regattaerfolge", so Lüneberg. Diese ganze Vernetzung bilde eine entscheidende Grundlage für den Erfolg.

"Die Top Ten wären ein Traum", sagt Steuermann Paul Ost. Denn eines habe die erste Regatta der diesjährigen Bundesliga-Saison schon gezeigt: "Auf dem Wasser zählt nur noch das Können", so Ost. Und dass sie es auch in der Ersten Segelbundesliga können, haben sie schon gezeigt: In Starnberg ersegelte sich das Team den zehnten Platz.

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