Wirtschaftspolitik

Sanierung der Berliner Messe kostet rund 500 Millionen Euro

Die Hallen am Funkturm sind in die Jahre gekommen. Der Masterplan der Messe GmbH zur Sanierung setzt auf Geld vom Land bis 2030.

Noch ist nicht geklärt, ob die veralteten Hallen saniert oder abgerissen werden, um neue zu bauen

Noch ist nicht geklärt, ob die veralteten Hallen saniert oder abgerissen werden, um neue zu bauen

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Berlin.  Die Sanierung des Messegeländes in Westend wird für die Stadt teuer. Hallen und technische Anlagen zu ertüchtigen, kostet nach Schätzungen der Messegesellschaft in den nächsten 15 Jahren fast eine halbe Milliarde Euro. Das ist das Doppelte der Summe, die bisher in Rede stand.

Weil die zu 99 Prozent landeseigene Messe Berlin GmbH dieses Geld nicht aus eigener Kraft aufbringen kann, müsste es aus dem Landesetat kommen, heißt es. Berlin hätte damit nach dem Internationalen Congress Centrum (ICC), dem Krankenhaus Neukölln und kleineren Investitionsvorhaben von Schulen bis zu Flüchtlingsheimen ein weiteres Großprojekt zu finanzieren.

>>>Kommentar: Millionen für die Messe sind gut angelegtes Geld<<<

Die Grobkalkulation der Experten von Messe-Chef Christian Göke beläuft sich auf 448 Millionen Euro netto. Kurzfristig, also binnen eines Jahres, würden acht Millionen Euro benötigt. In den nächsten fünf Jahren dann weitere 90 Millionen Euro und bis 2030 dann 350 Millionen Euro, haben die Manager der Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) und dem Messe-Aufsichtsrat vorgerechnet. Yzer bringt diese Zahlen jetzt ins Abgeordnetenhaus ein und eröffnet damit die Diskussion, wie die Politik mit der Messe umzugehen gedenkt. Die Zukunft des Messegeländes könnte Thema in Koalitionsverhandlungen für einen neuen Senat nach den Wahlen am 18. September und für den nächsten Berliner Doppelhaushalt 2018/2019 sein.

Der Zustand der Hallen und Anlagen ist nicht dramatisch schlecht, jedoch „altersgerecht“, wie es die Wirtschaftsverwaltung formuliert. Die letzten Neubauten stammen aus den 90er-Jahren, der Südeingang wurde erst 2003 fertig. Aber viele Hallen sind deutlich älter und haben jetzt bereits 30 oder 35 Jahre ohne grundlegende Sanierung hinter sich. Wegen ihres hohen Alters müsse in den kommenden Jahren mit einem „erhöhten Sanierungsbedarf“ gerechnet werden. Die Lebensdauer der technischen Anlagen sei „weitgehend überschritten“, so die Wirtschaftsverwaltung.

In der zweiten Stufe des Masterplans muss dann geklärt werden, ob sich eine Sanierung lohnt oder ob es nicht billiger ist, alte Hallen abzureißen und neue zu bauen. Messe-Chef Göke hat auch schon über zusätzliche Messe- und Kongressflächen in Berlin nachgedacht, weil zu den großen Leitmessen wie Internationaler Funkausstellung, Tourismusbörse oder Fruit Logistica das Gelände komplett ausgebucht ist.

Als Argument für ihre Millionenforderung verweisen die Messe-Manager auf die Bedeutung ihres Geschäfts für die Stadt. Einer Studie der Investitionsbank Berlin zufolge generierte die Messe 2014 rund 2,1 Milliarden Euro für Berlins Bruttoinlandsprodukt und 65 Millionen Euro öffentliche Einnahmen.

Ein kleineres Projekt will die Berliner Messe aus eigenen Mitteln stemmen: Um im Ring um den Funkturm zusätzliche Flächen vor allem für Kongresse zu schaffen, werden 21,5 Millionen Euro benötigt.