Berlins City West

Früheres Jobcenter an der Bundesallee fast verschwunden

Noch werden die alten Bürogebäude abgerissen, aber die Arbeiten für ein neues Stadtquartier sollen schnell beginnen.

Von dem ehemaligen Gebäude steht nur noch ein kleiner Teil (rechter Bildrand), der größere wurde bereits abgerissen. Diesen freien Blick gibt es aber nur so lange, bis die Arbeiten für den Neubau starten

Von dem ehemaligen Gebäude steht nur noch ein kleiner Teil (rechter Bildrand), der größere wurde bereits abgerissen. Diesen freien Blick gibt es aber nur so lange, bis die Arbeiten für den Neubau starten

Foto: Massimo Rodari

Vom früheren Jobcenter an der Ecke Bundesallee und Nachodstraße in Wilmersdorf steht nicht mehr viel. Der Greifer des Baggers „knabbert“ seit Mitte Januar jeden Tag ein Stück mehr des 70er-Jahre-Baus ab. Im vergangenen August seien in dem Abrisshaus bei den Dreharbeiten für den „Tatort“-Kino-Actionfilm „Tschiller: Off Duty“ mit Til Schweiger in der Hauptrolle noch Fassadenelemente herausgesprengt worden, sagt Projektleiter Markus Palm von der SSN Investment Bundesallee Berlin GmbH.

In wenigen Wochen – Ende Mai/Anfang Juni – sollen die Abrissarbeiten beendet sein. „Quartier Bundesallee“ nennt der Bauherr die Neubebauung des 7500 Quadratmeter großen Grundstücks in zentraler City-West-Lage gegenüber der Investitionsbank Berlin. „Wir hoffen, die Baugenehmigung möglichst im Juni zu erhalten, wir wollen im Sommer 2018 mit allem fertig werden“, so der Projektleiter zum Zeitplan.

Die Abrissgebäude wurden einst von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte genutzt, zuletzt vom Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf, das Ende 2013 zum Goslarer Ufer umgezogen ist.

Die Schweizer SSN Group hatte das Areal 2012 gekauft. Für sie hat das erste große Projekt in Berlin eine hohe Bedeutung. „Es soll unsere Visitenkarte in Berlin werden, und wir wollen mit unserem Vorhaben auch Stadtreparatur in Berlin betreiben“, sagt Markus Palm.

Siebengeschosser mit Wohnungen

Rund 100 Millionen Euro will SSN in das Neubauvorhaben investieren. Entstehen sollen drei Einzelgebäude als Eckbebauung an der Bundesallee und Nachodstraße. Sie werden zehn Geschosse und eine runde Ecke haben.

An der Straße sind Büros geplant, außerdem Handel oder Gastronomie im Erdgeschoss. Im ruhigen Innenbereich sind vier einzelne Wohnhäuser geplant, als Siebengeschosser mit insgesamt etwa 80 Wohnungen. Zwei Hofgartenzugänge, einer an der Bundesallee und einer an der Nachodstraße, werden das neue Wohnquartier erschließen. Voraussichtlich, so Palm, würden es Eigentumswohnungen. Die meisten seien 45 bis 120 Quadratmeter groß.

Das Interesse ist schon jetzt groß

Die zentrale innerstädtische Wohnlage mit den Cafés und Restaurants sowie den guten Einkaufsmöglichkeiten ganz in der Nähe ist begehrt. Schon jetzt fragten etliche Interessenten, darunter viele Anwohner aus der Nachbarschaft, telefonisch bei der SSN in Düsseldorf nach den Konditionen, berichtet Palm. Und das, obwohl der Vertrieb noch gar nicht begonnen habe. „Er beginnt wahrscheinlich im kommenden Herbst“, informiert der Projektleiter.

Erst bei den Abrissarbeiten hatte sich laut Palm herausgestellt, dass die alte Tiefgarage der früheren Bundesversicherungsanstalt für Angestellte in ihrem Bestand nicht den neuen oberirdischen Anforderungen entspricht. Deshalb müssen Teile der Tiefgarage, Stützen und Decken erneuert werden. Die Bodenplatte und die Außenwände bleiben. „Wir bauen in die alte Badewanne eine neue Tiefgarage“, sagt Palm. 122 Parkplätze werden dort entstehen. Außerdem 375 neue Fahrradstellplätze inklusive Aufzug, die es dort vorher nicht gab.

Und entgegen der ursprünglichen Pläne, Teile der alten Bestandsgebäude aus den 70er-Jahren als Skelett stehenzulassen und in die Neubauten zu integrieren, sehen die neuen Pläne jetzt einen Komplettabriss der früheren Verwaltungsgebäude vor.

Der Neubau des Wohn- und Geschäftshauskomplexes direkt gegenüber des zwölfstöckigen Hochhauses der Investitionsbank Berlin aus dem Jahr 1974 entsteht an einer verkehrsreichen Ecke. Die Bebauung an der Straße dient als Lärmschutz für den inneren Wohnbereich, der als Nachbarschaft die attraktive urbane und ruhige Wohnbebauung rund um den Prager Platz hat.