Universität

Aufbruch auf dem Campus

Die Technische Universität ist in Aufbruchstimmung. Nach Jahren des Sanierungsstaus werden jetzt mehr als 250 Millionen Euro investiert.

In den vergangenen Jahren war kaum Geld da für große Bauvorhaben an der Technischen Universität (TU) Berlin. Doch jetzt geht es los. Mehr als 250 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln stehen der Hochschule in den kommenden zehn Jahren zur Verfügung. Mit einem Neubauprojekt für die Forschung, dem Interdisziplinären Zentrum für Modellierung und Simulation (IMoS), landete die TU gerade auf Platz eins der vom Wissenschaftsrat beurteilten zwölf eingereichten Vorhaben bundesweit. 35 Millionen Euro sollen dafür verbaut werden. Ein Glücksfall? "Nein, mit Glück hat das nichts zu tun. Das war harte Arbeit, den Wissenschaftsrat zu überzeugen", sagte TU-Präsident Christian Thomsen.

Der Bau für das neue Mathematikgebäude auf dem Ostgelände des Campus soll möglichst zeitgleich mit dem IMoS im kommenden Jahr begonnen werden. Geplante Kosten für den Ersatzneubau: 90 Millionen Euro. Der Mathematikaltbau nördlich der Straße des 17. Juni muss grundsaniert werden. Ein Neubau erspart zudem die Interimskosten für die Unterbringung der Nutzer während einer Sanierungsphase.

Auch jetzt wird schon an vielen Stellen auf dem Campus gebaut. So ist die "Rosa Röhre", der denkmalgeschützte Umlauftank der Versuchsanstalt der TU auf der Schleuseninsel, seit 2015 eingerüstet. Die Wüstenrot Stiftung saniert die Forschungseinrichtung mit 3,5 Millionen Euro. 2017 soll alles fertig sein.

Fassaden des Erweiterungsbaus fast fertig

Die Sanierung der Fassade am sogenannten Erweiterungsbau ist hingegen fast fertig. Er stammt aus dem Jahr 1902 und befindet sich zwischen dem Eckgebäude an der Hardenbergstraße und dem Hauptgebäude. Dort sind Fachgebiete verschiedener Fakultäten untergebracht, beispielsweise die Werkstoffwissenschaften, die Landschaftsarchitekten, die Umweltplanung sowie zentrale Nutzungen wie das Fitnessstudio des Hochschulsports oder der Eltern-Kind-Bereich der Universität.

Im Erdgeschoss des sanierten Hochhauses mit Flachbau gleich daneben – an der Ecke Ernst-Reuter-Platz und Hardenbergstraße – laufen die Umbauarbeiten auf Hochtouren. Dort entsteht ein Gründerzentrum, in dem sich auch Start-ups ansiedeln sollen. "So wird noch mehr Wert als ohnehin schon darauf gelegt, dass schon die Erstsemester überlegen, eine eigene Firma zu gründen", so TU-Sprecherin Stefanie Terp. 20 Ausgründungen jährlich betreue die Universität schon heute.

Mit einem Café im Flachbau will sich der Campus mehr öffnen. Die Hertzallee wird auf dem Hochschulgelände neu gestaltet. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf stellt dafür 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Helle Granitsteine, eingebettet in dunklem Basalt, sollen das unebene Kopfsteinpflaster ablösen. In Höhe Fasanenstraße wird die Hertz-allee zudem als Entree zum Campus einen Platz erhalten.

"Durch die Aufwertung öffnet sich der Campus, der zur City West gehört, weiter zur Innenstadt. An dieser Entwicklung haben wir jahrelang alle zusammen gearbeitet", sagte Baustadtrat Marc Schulte (SPD). "Und auch das Areal mit dem BVG-Busbahnhof und der Riesenradfläche gleich daneben schreit nach einer Aufwertung. Die Wünsche der TU und der UdK müssen dort berücksichtigt werden", fordert er.

Präsident Thomsen erwartet, dass sich mit der Aufwertung des Forschungsstandortes durch neue Bauten auch universitätsnahe Firmen verstärkt am Campus Charlottenburg ansiedeln. "Diese Bauaktivitäten symbolisieren einen neuen Aufbruch auf unserem TU-Zentralcampus, der für Wissenschaft und Hochschulbildung beste Bedingungen schafft, unsere Wettbewerbsposition entscheidend verbessert, unseren Sanierungsstau etwas verringert und für die City West an entscheidender Stelle ein lebendiges und attraktives Quartier schafft", bilanziert er.

Fast 34.000 Studenten besuchen die TU Berlin. Sie ist damit eine der größten Technischen Universitäten Deutschlands. 20 Prozent ausländische Studierende sind eingeschrieben, die meisten davon aus China, der Türkei und Polen. Finanziert wird der Betrieb der Universität mit 285 Millionen Euro aus dem Landesetat. "Die 300 Professoren werben zudem 170 Millionen Euro für Forschungsprojekte jährlich ein. Damit sind wir unter den besten zehn Unis in Deutschland ohne medizinische Ausbildung", so die Sprecherin.

Auf dem Campus rund um die Straße des 17. Juni stehen etwa 80 Prozent der von der TU genutzten Gebäude, nur 20 Prozent sind an anderen Stellen in der Stadt angesiedelt. Um 220 Gebäude insgesamt mit 600.000 Quadratmeter Nutzfläche muss sich Architekt Martin Schwacke, der die Bauabteilung der TU leitet, mit seinem Team kümmern.

Die meisten Gebäude der TU stehen unter Denkmalschutz

Fast alles steht unter Denkmalschutz, auch das Hauptgebäude, das 1965 vor den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Altbau gesetzt wurde. Seit 1878 wurde das Hochschulviertel südlich der heutigen Straße des 17. Juni aufgebaut und nach und nach erweitert, seit 1958 auch nördlich der heutigen Straße des 17. Juni. Dort steht auch das Gebäude der Technischen Chemie. Es wurde von der Bauabteilung der TU etagenweise saniert. Nun muss aber noch die Fassade – Kunststoffelemente auf einer Holzunterkonstruktion – ersetzt werden, um Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen. Kosten: Zwölf Millionen Euro. Nur eines von vielen Vorhaben für die kommenden Jahre.

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