Verstorbener TV-Produzent

Abschied von Wolfgang Rademann in der Gedächtniskirche

In Anwesenheit zahlreicher Prominenter wie Harald Schmidt und Wolfgang Stumph nimmt Berlin Abschied von Wolfgang Rademann.

Ein Porträtbild des verstorbenen Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann in der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche

Ein Porträtbild des verstorbenen Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann in der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Fast alle sind in Schwarz gekommen. Dabei hatte es in der Einladung noch geheißen: "Es war Wolfgangs Wunsch, dass wir mit einem Lachen an ihn denken. Trauerkleidung ist daher nicht zwingend." Eine der wenigen, die das beherzigt hat, ist Dunja Rajter. Die Schlagersängerin, die 1986 eine Rolle in "Das Traumschiff" hatte, trägt einen leuchtend roten Mantel. Rot, das sei ja die Farbe der Liebe, sagt die 69-Jährige, "und genau darum ging es im Traumschiff."

Rajter gehört zu den zahlreichen ehemaligen Weggefährten, die am Donnerstagmittag in die Gedächtniskirche gekommen sind, um Wolfgang Rademann die letzte Ehre zu erweisen. Der Erfinder von "Das Traumschiff" und "Die Schwarzwaldklinik" war am 31. Januar im Alter von 81 Jahren verstorben. Viele gingen mit dem großen Unterhaltungsregisseur einst auf Kreuzfahrt, viele erlangten durch ihre Auftritte auf dem "Traumschiff" Bekanntheit. Es ist, als würden sie für ihn ein letztes Mal gemeinsam an Bord gehen. Natürlich ist auch Siegfried Rauch da, der als Kapitän Jakob Paulsen 14 Jahre lang die Passagiere und ZDF-Zuschauer in die schönsten Ecken des Erdballs steuerte. Und ein bedrückter Harald Krassnitzer, bekannt als Kommissar im Wiener "Tatort", dem Rademann sehr fehlen wird. "Ich hoffe, dass er uns neue Motive von der anderen Seite liefern wird."

Eine Verabschiedung mit einem Lachen

Dass es trotz der mehrheitlich schwarz gekleideten Gäste dennoch eine Verabschiedung mit einem Lachen wird, ist Harald Schmidt zu verdanken. Der Entertainer, seit 2008 in verschiedenen Rollen in "Das Traumschiff" zu sehen, hat einige Anekdoten parat. Wie Rademann sich an Bord immer etliche Zeitungen liefern ließ und in der Brusttasche stets einen Kugelschreiber dabei hatte, um sich alle Einfälle notieren zu können. Wie er seine sentimentale Seite hin und wieder durch seine "Berliner Schnoddrigkeit" zu überspielen versuchte. Was auch dazu führte, dass er jungen Kolleginnen am Set schon mal zurief: "Na, Kleene, bei dir war's jestern och halb vier."

Und wie er mit Feingefühl die richtigen Entscheidungen traf. Als das "Traumschiff" 2011 in Dreharbeiten zu einer Episode in Japan weilte, geschah das Reaktorunglück in Fukushima. Prompt wurde das Reiseziel geändert, es ging nach Bali. "Du kannst nicht in ein Land fahren, das so verstrahlt und voller Leid ist und dann Trallala machen", sagte Rademann.

Auch deshalb beschreibt ihn Schmidt als "Ausnahmeerscheinung". Rademann sei in der Lage gewesen, seine Lebenshaltung in einem Satz zu formulieren. Etwa so: "Ich muss nie mehr hungern und frieren". Dazu muss man wissen, dass der 1934 in Neuenhagen bei Berlin geborene Rademann nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens wandelte. Er bekam die Kriegs- und Nachkriegszeit am eigenen Leib zu spüren. Als er zwölf war, starb der Vater an Unterernährung. Das Erlebnis hat ihn geprägt.

Vor allem eines wird Rademann immer wieder bescheinigt: Treue. Gegenüber Familie und Kollegen, aber vor allem dem Publikum. Denn das wusste, was es bei seinen Produktionen bekam. Rademann selbst beschrieb das einst so: "Schiff fährt ab, Land, Schiff kommt an, Kapitänsdinner, Happy End, Schluss." ZDF-Intendant Thomas Bellut, der ebenfalls eine Rede hält, erinnert sich gern daran, dass man mit dem selbst ernannten "Unterhaltungsfuzzi" nie komplizierte Verträge aushandeln musste. Alles lief über Handschlag. Dem ZDF blieb er bis zum Ende treu. Wohl auch, weil er wusste, dass ihm dort niemand reinreden würde.

Vom Berliner Lokalreporter zum Pressechef der Superstars

Natürlich war der Urberliner Rademann mehr als nur "Das Traumschiff". Seine Karriere begann er als Lokalreporter in Ost-Berlin, nach der Flucht in den Westteil der Stadt setzte er seine journalistische Tätigkeit für den "Stern" und die "B.Z." fort. Bis er die Seiten wechselte und Pressechef von Caterina Valente, Pierre Brice und Peter Alexander wurde. Mit letzterem gelang ihm mit der "Peter Alexander Show" der Durchbruch. Es folgten Musikshows wie "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre", sogenannte Fernseh-Specials wie "Lilli Palmer: Eine Frau bleibt eine Frau" und die Comedy-Serie "Ein verrücktes Paar" mit Harald Juhnke und Grit Böttcher.

Am Ende findet Harald Schmidt die vielleicht bestmöglichen letzten Worte. Es sind die, die jeder "Traumschiff"-Kapitän am Ende einer Folge sagt: "Heben wir unser Glas und stoßen wir darauf an, dass das Ende der Reise immer auch der Anfang einer neuen ist. Gute Reise, Wolfgang." Am Donnerstagnachmittag wurde Wolfgang Rademann auf dem Kirchhof der evangelischen Gemeinde Nikolassee beerdigt.

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