Schoeler-Schlösschen

Streit um das älteste Haus in Wilmersdorf

Der Bezirk will das Schoeler-Schlösschen selbst betreiben. Bürger sammeln Unterschriften für ein selbstverwaltetes Zentrum. Wer gewinnt?

Foto: Brigitte Schmiemann / BM

Gleich am ersten Tag hat die Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen fast 100 Unterschriften gesammelt. „Wir waren selbst erstaunt über den Zuspruch, gerade auch älterer Menschen.

Wiederholt war zu hören: Gut, wenn es selbstverwaltet wird, die Parteien sollen das nicht übernehmen“, berichtet Michael Roeder über den Zuspruch aus der Nachbarschaft in der Wilhelmsaue. Dort steht Wilmersdorfs ältestes Haus. Und darüber gibt es Streit zwischen dem Bezirksamt und der Nachbarschaft, wie das Haus in Zukunft genutzt werden soll.

Der Bezirk will das Nutzungskonzept mit einer Mischung aus Kultur, Bürgertreffpunkt und der Betreuung demenzkranker Menschen durch den Gerontopsychiatrischen-Geriatrischen Verbund zwar noch einmal überdenken, wie Kulturstadträtin Dagmar König (CDU) sagt, das Haus soll aber auf jeden Fall in bezirklicher Hand bleiben.

Kein Geld für zusätzliche Einrichtung

„Soziales und Kulturelles soll dort weiterhin stattfinden, eine gute Kombination. Und dass sich Bürgerinitiativen in dem Haus treffen, ist immer drin“, so Stadträtin Dagmar König. Die Kosten müssen dabei jedoch im Rahmen bleiben, denn Geld für eine zusätzliche Einrichtung hat der Bezirk eigentlich nicht.

Das Konzept soll sich deshalb möglichst selbst tragen. Der Bezirk könne maximal eine halbe Stelle für Koordinierungsaufgaben zur Verfügung stellen. Die Bürgerinitiative (BI) hingegen will das Haus in Eigenregie als soziokulturelles Zentrum nutzen – als Bürgertreff mit professionellem Café und Restaurant.

„Die Räume sollen für Bürger kostenlos nutzbar und für allgemeine Belange wie Hochzeitsgesellschaften günstig zu mieten sein“, sagen Michael Roeder und Rainer Wittek, die die Initiative zusammen mit Nachbarn wie Annette Bräuer gegründet haben.

Sie haben ihren Klapptisch auf dem Bürgersteig vor dem Schlösschen aufgebaut und freuen sich über den regen Zulauf. Ihren Stand mussten sie beim Ordnungsamt beantragen. Die drei Quadratmeter kosteten 14 Euro. „Aber ohne Stühle, sonst kostet es 90 Euro“, informiert die BI über die strengen Regularien, die auch eingehalten werden müssen, wenn sich Bürger engagieren, damit wieder Leben in ein seit zwölf Jahren leer stehendes Haus einzieht.

„Ungeeignet als Trauraum“

Die Bürgerinitiative möchte das Gebäude als Verein selbstverwaltet betreiben. Dem Bezirk werfen die Mitglieder vor, aus dem Haus eine „Art Sozialstation“ machen zu wollen, und die Idee, dort einen barrierefreien Trauraum anzubieten, halten sie schon wegen des dann „nicht unerheblichen Verkehrs und der Emissionen“ für ungeeignet. Schon jetzt seien Parkplätze in der Wilhelmsaue Mangelware.

„Die Vertreter der Stadt sollen nicht über das Programm entscheiden, wir wollen unabhängig von jeglicher Partei agieren“, betonen Roeder und Wittek. Ihr Fachwissen – Roeder ist beispielsweise Historiker, Wittek Architekt – wollen die Bürger kostenlos zur Verfügung stellen.

„Da kann schon bei der Planung viel gespart werden. Wir hoffen, dass Frau König die Pläne des Hauses, wie sie es versprochen hat, ins Internet stellt“, sagt Wittek. Die BI will ihren Vorschlag über die künftige Nutzung des Hauses und den notwendigen Ausbau im Inneren mit einer Kostenschätzung anhand der Baupläne machen.

Früher eine Kindertagesstätte

Das Schoeler-Schlösschen wurde 1765 als Bauernhaus errichtet und zählt zu den wenigen in Berlin erhaltenen bürgerlichen Landhäusern des 18. Jahrhunderts. Benannt ist es nach dem letzten privaten Besitzer, dem Mediziner Heinrich Schoeler (1844–1918). Seit 1929 befindet sich das Haus im Besitz des Bezirks. Bis zu einem Brand im Jahr 2003 war es mehr als 50 Jahre lang eine Kindertagesstätte.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hat das Gebäude außen zwar saniert, aber im Inneren ist noch jede Menge zu tun. Das Bezirksamt hatte deshalb einen Antrag bei der Lotto-Stiftung gestellt. Die beantragte Summe betrug 2,2 Millionen Euro, der Eigenanteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf sollte zudem rund 450.000 Euro betragen.

Doch der Antrag hatte im sechsköpfigen Lotto-Stiftungsrat keine Mehrheit gefunden. Vermutungen, dass das an den Schreiben der Bürgerinitiative an die Lotto-Entscheider gelegen haben könnte, erteilt die Lotto-Stiftung eine Absage. „Die Briefe waren nicht ausschlaggebend“, sagte Lotto-Vorstandsmitglied Marion Bleß auf Anfrage der Berliner Morgenpost am Freitag.

Zustand bleibt erst einmal

Stadträtin Dagmar König rechnet damit, dass sich der Zustand des Schoeler-Schlösschens „in diesem und im nächsten Jahr nicht verändern wird“. Die Innenpläne sollen auf der Internetseite des Bezirks veröffentlicht werden. „Das heißt aber nicht, dass der Weg zu einem selbst verwalteten Zentrum damit offen wäre. Es gibt einen breiten Konsens, unter Einbeziehung der Anwohner, dass das Haus in bezirklicher Hand bleibt“, sagt sie.

Sie hoffe, dass all die Bürger, die in den Versammlungen auf Stiftungen und Spender hingewiesen hätten, „sich hoffentlich jetzt entsprechend engagieren. Wir werden auch forschen, was möglich ist, aber auch die Stiftungen stehen nicht Schlange.“

So ging die bestehende Verbindung zur Stiftung Denkmalschutz Berlin, die das Kleinod bis 2026 kulturell nutzen wollte, 2014 endgültig in die Brüche. Die Stiftung wollte ein „Roncalli“-Café und die private Bibliothek des 2006 verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau im Haus unterbringen.

Auch sie hätte Lotto-Mittel für den Innenausbau beantragt, weil die Werbung am Baugerüst auch für die Sanierung von Denkmalen politisch in Berlin nicht mehr gewollt war. Doch dann fehlte nicht nur das Geld, sondern der Bezirk entwickelte auch eigene Ideen, wie das Haus genutzt werden sollte. Ein behindertengerechter Trausaal war schon 2013 die Idee für das Schoeler-Schlösschen.

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