City West

Riesenrad-Areal am Zoo an Münchener Immobilienfirma verkauft

Ursprünglich sollte am Zoo zwischen S-Bahn und Hertzallee ein Riesenrad entstehen. Nun wurde das Areal an eine Münchener Immobilienfirma verkauft. Experten erwarten, dass Wohnungen gebaut werden.

Foto: Great Berlin Wheel GmbH

Gut neun Jahre hatte die Spontanvegetation Zeit, um sich dort auszubreiten, wo sich eigentlich das ganz große Rad drehen sollte. In bester City-West-Lage direkt am Bahnhof Zoo hatte die Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG ein 175 Meter hohes Aussichtsrad geplant – und war mit ihren Plänen furios gescheitert. Nachdem der ehemalige Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) es ablehnte, das vormals landeseigene Areal zurückzukaufen, hat sich nun ein Münchner Investor das letzte große Filetgrundstück in der City West gesichert. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist die Münchner Reiß & Co. Real Estate nun Besitzerin des Areals parallel zur S-Bahn-Trasse am Zoo mit dem Eingang an der Hertzallee.

Was der Investor mit dem Gelände vorhat, ist noch nicht bekannt. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte das am Verkaufsprozess beteiligte Beratungsunternehmen Drees & Sommer lediglich mit, "dass weitere Informationen erst nach erfolgter Zustimmung des Landes Berlin gegeben werden können". Auch der Verkäufer, die Great Berlin Wheel, wollte sich am Donnerstag nicht äußern.

Immobilienexperten rechnen jedoch fest damit, dass der Münchner Investor nicht vorhat, dort tatsächlich ein Riesenrad zu bauen. "Der Bau von Wohnungen und Büros wäre wesentlich lukrativer", so ein mit den Vorgängen vertrauter Berliner Unternehmer. Es sei daher davon auszugehen, dass der neue Besitzer versuchen werde, das Baurecht zu ändern.

Great Berlin Wheel kaufte Areal am Zoo 2006 für 25 Millionen Euro

Beim Baustadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU) hat sich der neue Eigentümer jedoch noch nicht gemeldet. "Wir wissen noch gar nichts davon, dass das Areal verkauft ist", sagte Spallek. Klar sei jedoch, dass es einen festgesetzten Bebauungsplan gebe. Und der sehe nun einmal den Bau eines 175 Meter hohen Aussichtsrades vor. "Wohnungen oder Gewerbe sind nur mit einer Änderung des Bebauungsplanes möglich", so der Baustadtrat. Und die werde es ohne einen intensiven Diskussionsprozess ganz sicher nicht geben", sagte Spallek weiter.

Der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin hatte das Areal an der Hertzallee 2006 für 25 Millionen Euro an die Projektentwicklergruppe "Great Berlin Wheel" verkauft. "Weit über dem Verkaufswert", wie die Senatsverwaltung im März 2012 auf eine Anfrage der Grünen mitteilte. Finanziert worden war der Kauf des Grundstücks, ebenso wie bei einem ähnlichen Projekt in Orlando (Florida), über einen Fonds. 208 Millionen Euro, von denen außer den beiden Grundstücken nicht viel blieb, hatten diverse Banken von rund 10.000 Anlegern eingesammelt. Das Bezirksamt Mitte hatte bereits 2007 eine Baugenehmigung für das Riesenrad erteilt.

Wowereits symbolischer Spatenstich für Riesenrad am Zoo

Nachdem die Baustelle eingerichtet worden war, für die eigens ein Wirtschaftsgebäude des Berliner Zoos abgerissen werden musste, erfolgte im selben Jahr ein symbolischer erster Spatenstich durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Als Eröffnungstermin wurde von den Investoren das Jahr 2011 angegeben. Nach der Pleite der Projektgruppe hatte der Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses 2012 einstimmig empfohlen, das Grundstück zurückzukaufen. Die Technische Universität möchte dort ihren Campus erweitern. Der damalige Finanzsenator Nußbaum hatte dies jedoch mit Hinweis auf die finanziellen Risiken abgewiesen.

Grundstück in Mitte an der Grenze zu Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf als unmittelbarer Nachbar des Grundstücks, das sich im Bezirk Mitte befindet, hatte am Donnerstag vom Verkauf bereits erfahren. Über die Pläne des neuen Eigentümers ist aber auch Baustadtrat Marc Schulte (SPD) noch nicht informiert, wie er auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte.

Dass der Münchner Eigentümer auf dem Grundstück unmittelbar vor dem neuen Wirtschaftshof des Zoologischen Gartens ein Aussichtsrad errichten wird – dafür gibt es schließlich Baurecht –, glaubt Schulte allerdings nicht. "Dafür war die Hängepartie der vergangenen zehn Jahre doch sehr lang. Sie zeigt, dass solch ein Rad wohl nicht so einfach zu realisieren ist, wie sich die Projektentwickler das mal vorgestellt haben", sagt Schulte. Sollte es aber wieder Erwarten doch gebaut werden, würde es nach wie vor "eine klasse Attraktion mit Ausblick auf den Campus Charlottenburg und die gesamte Innenstadt sein".

Städtebaulicher Entwurf liegt vor

Ein städtebaulicher Entwurf liegt seit dem Ideenwettbewerb 2011 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin für den Block nördlich der Hertzallee bereits vor. Darin ist auch die Ansiedlung von wissenschaftsnahen Firmen und wissenschaftlichen Instituten vorgesehen. Allerdings hatte die TU in diesem Zusammenhang für die Verwirklichung der Pläne auch gefordert, dass das Land Berlin "unbedingt sein Rücktritts- und Rückkaufrecht ausüben sollte", was aber nicht geschah.

Sollte der Grundstückseigentümer andere Pläne als ein Riesenrad auf dem Filetstück unweit des Zoologischen Gartens haben, müssten auf jeden Fall die Interessen der Technischen Universität Berlin berücksichtigt werden, fordert Baustadtrat Schulte. Die Universität möchte dort zwischen Hertzallee, Landwehrkanal, Fasanenstraße und S-Bahn ihren Campus erweitern – mit einem Gründerzentrum, Tagungshotel und studentischem Wohnen.

"Diese Planungen bieten auch eine Chance, das Areal der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Bima, mit zu entwickeln", schlägt Baustadtrat Schulte vor. Deren Grundstücke an der Fasanenstraße hätten Potenzial. Veränderungen könnten unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes überlegt werden. "Die Kombination Universität, Gründerzentrum und Wohnen kann eine spannende Mischung werden", prognostiziert Schulte.

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