Charlottenburg

Witzleben oder Witzleben? Neuer Straßenname ohne Umbenennung

In Charlottenburg soll der Namensgeber der Witzlebenstraße und des Witzlebenplatz ausgetauscht werden. BVV-Abgeordneten ist er zu militaristisch. Doch die Schilder müssten dafür nicht gewechselt werden.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin ist eine Stadt im steten Wandel. Manchmal gibt es aber sogar Veränderungen, die man auf den ersten Blick gar nicht als Veränderung wahrnimmt. So geplant im Viertel rund um den Lietzensee. Am Mittwoch wird im Ausschuss für Straßen- und Grünflächen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf darüber diskutiert, ob man den Namensgeber von Witzlebenstraße und Witzlebenplatz auswechseln, den Namen aber beibehalten sollte.

Karl Ernst Job Wilhelm von Witzleben (1783–1837) war ein preußischer Militär, ein Fähnrich als Teenager, auf dem Höhepunkt seiner Karriere Kriegsminister. Straße und Platz tragen allerdings deshalb seit 1905 seinen Namen, weil er einst Eigentümer von Lietzensee und Umgebung war. Aus dem Besitz wurde später der öffentliche Lietzenseepark.

Zwei Mitglieder der Piratenpartei und eine fraktionslose Politikerin drängen nun auf die Umwidmung. „Eine Widmung nach einem Militaristen des 19. Jahrhunderts erscheint nicht mehr zeitgemäß“, heißt es im Antrag. Namensgeberin solle zukünftig Namensvetterin Margarethe von Witzleben (1853–1917) sein. Die Charlottenburgerin gab den Anstoß für die sogenannte Schwerhörigenbewegung in Deutschland und der Welt. In der Sophie-Charlotten-Straße 23 erinnert eine Gedenktafel an sie. „Die Umwidmung“, argumentieren die Antragsteller, „ist ohne großen Aufwand machbar. Lediglich die Hinweisschilder müssen erneuert werden.“

Merle von Wittich von den Piraten sagt, mit der außergewöhnlichen Idee stelle man sich dem Frauendefizit unter den Straßennamen im Bezirk entgegen und leiste einen Beitrag zur Inklusion, also der Eingliederung von Menschen mit Behinderung. Zudem gehöre Margarethe zum selben Adelsgeschlecht wie Karl Ernst. Die Chancen für eine Umwidmung aber stünden nicht gut, sagt von Wittich. „Es sieht nicht danach aus, als ob der Ausschuss am Mittwoch eine Empfehlung für eine Umbenennung geben wird.“ Am 19. März beschäftigt sich die BVV damit.