Wilmersdorf

Ehemaliges Jobcenter weicht modernem Wohnhaus

Bereits seit Ende 2013 steht das Jobcenter an der Bundesallee Ecke Nachodstraße leer. Jetzt soll es dort wieder vorangehen - mit Lofts. Das Ensemble orientiert sich an einem Kreuzberger Modell.

Foto: SSN Development GmbH & Co KG

Das Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf ist bereits Ende vergangenen Jahres zum Goslarer Ufer umgezogen. Der Mietvertrag war ausgelaufen, der Altvermieter hatte sich bei der Ausschreibung der Behörde nicht mehr beworben. Und jetzt ist auch klar, was aus dem bereits lange leer stehenden Verwaltungsgebäude an der Bundesallee Ecke Nachodstraße werden soll: Für rund 90 Millionen Euro will das Schweizer Immobilienunternehmen SSN an dieser markanten innerstädtischen Stelle, gleich gegenüber der Investitionsbank Berlin, am U-Bahnhof Spichernstraße ein neues Quartier entstehen lassen – mit Geschäften, Büros und Wohnungen.

Damit werden auch die hässlichen, alten, roten Fliesen auf der grauen Betonfassade des 70er-Jahre-Baus verschwinden. Das Gebäude wird zurückgebaut und entkernt. Vom Bestandsgebäude bleibt nur das Skelett erhalten. Dort sollen große loftartige Wohnungen entstehen. 80 bis 100 sind geplant. „Mit breiten, elf Meter langen Balkonen nach Osten werden die Wohnungen auf einen parkartigen Innenbereich ausgerichtet“, sagt Architekt Bertram Vandreike vom 1990 gegründete Berliner Büro „KSV Krüger Schuberth Vandreike“. Für die Wohnbebauung im Innern des Grundstücks werde es zwei Hofdurchgänge geben. Dazu wird in den Riegel eine Lücke geschlagen.

Vorbild für die Innenhöfe sei Riehmers Hofgarten in Kreuzberg, wo sich in unkonventioneller Blockrandbebauung zwischen Yorckstraße, Hagelberger und Großbeerenstraße fast 20 Wohnhäuser um einen großzügigen Garten gruppieren. Auch in Wilmersdorf sollen die Höfe tagsüber für jedermann durchquert werden dürfen. Sie seien zudem nach Süden orientiert, was für Licht und Sonne sorge, so der Architekt weiter.

Pläne für ein Hochhaus vom Tisch

Das Konzept des Architekturbüros KSV hatte das städtebauliche Verfahren, bei dem drei Entwürfe zur Auswahl standen, klar gewonnen. „Uns war wichtig, dass die Kante geschlossen wird, und wir sind froh, dass die Pläne mit einer Eckbetonung durch ein Hochhaus vom Tisch sind. Die Variante, die jetzt umgesetzt wird, fügt sich städtebaulich viel besser ein“, sagte Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD). Die Bezirksverordnetenversammlung hat den Bebauungsplan bereits abgesegnet. Schulte geht davon aus, dass die Baugenehmigung zügig erteilt werden kann.

Vor das zurückversetzte alte Verwaltungsgebäude planen Architekt und Eigentümer – die SSN Gruppe – eine Blockrandbebauung auf der momentan noch unbebauten Brache des Grundstücks, das sich an der Bundesallee und der Nachodstraße erstreckt. Dabei soll es sich nicht um einen einzigen großen Baukörper handeln, sondern um „unterschiedliche Adressen und Architekturen“, sagt Vandreike. So wie sie in Charlottenburg-Wilmersdorf „typisch und geschätzt“ seien. „Das Projekt liegt uns, weil es ein urbanes, städtisches ist. Es ist wiedergewonnene Urbanität“, so Vandreike.

Während sich das Innere des Areals zum Wohnen eignet, bietet sich der Blockrand nach Einschätzung der Planer für eine Büronutzung sowie im Erdgeschoss für Läden an. Erhalten werden soll auch die Tiefgarage unter dem ehemaligen Behördengebäude, das voll unterkellert war. Sie wird allerdings auch ertüchtigt und modernisiert. 2015 könnte nach jetzigem Planungsstand an der Bundesallee Baustart sein.