Einsparungen

Im Schloss Charlottenburg wird es deutlich kühler

Das Schloss Charlottenburg wird saniert. So soll weniger Energie verbraucht werden. Und es soll im gesamten Gebäude deutlich kühler werden. Berlins Regierungschef Wowereit empfiehlt den Pelzmantel.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Energieverschwendung ist auch in einem Prachtbau unerwünscht. Deshalb ist im Schloss Charlottenburg eine Sanierung im Gang, die rund 15 Millionen Euro kostet. Arbeiten werden dort ausgeführt, wo am meisten Wärme verloren geht und wo zu viel Strom verbraucht wird: an der Gebäudehülle und an den technischen Anlagen. Mit dem Ziel, die Betriebskosten zu senken. Wärmedämmung, Abdichtung von Fenstern und Brandschutz stehen auf dem Programm. Das Schloss bleibt während der Arbeiten für Besucher geöffnet.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ließ sich am Donnerstag die Einzelheiten vor Ort erklären. „Charlottenburg gehört zur Geschichte Berlins und ist ein Wahrzeichen dieser Stadt“, sagte er. „Es muss erhalten werden. Wenn sich gleichzeitig die Energieeffizienz verbessert, dann steigt die Attraktivität des Standortes.“

Wowereit besichtigt Keller des Charlottenburger Schlosses

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, führte Wowereit durch Räume im Neuen Flügel, die den Augen der Öffentlichkeit verborgen sind. Zum Beispiel durch den Keller. Heizungsrohre bekommen einen Mantel aus Mineralwolle, sodass sich der Wärmeverlust verringert. Dämmplatten sind an der Kellerdecke angebracht.

Weil jeglicher Brandschutz im Keller fehlt, ist die Gefahr groß, dass ein Feuer ausbrechen kann. Deshalb werden Brandschutztüren eingebaut, und sogenannte Shots, die verhindern, dass sich Rauch ausbreitet. „Das kommt mir alles irgendwie bekannt vor“, sagte Wowereit, „vom Flughafen her.“ Und bemerkte sofort die nicht befestigten Kabel und Installationen. „Das würde an anderen Orten in die Mängelliste aufgenommen.“

Der Wiederaufbau des Schlosses Charlottenburg nach dem Krieg sei ohne Baugenehmigung erfolgt, sagte Stiftungs-Generaldirektor Dorgerloh. „Man hat einfach angefangen. Es gab kein einheitliches Konzept für das Haus. Das holen wir jetzt nach.“ Die Technik habe teilweise schon Museumswert, wie etwa der große, alte Sicherungskasten. Er wird nicht entfernt, bleibt aber außer Betrieb.

Schloss-Fassade wird neu gestrichen

Architekt Ayhan Ayrilmaz betreut das Bauvorhaben am Schloss Charlottenburg und die Arbeiten an weiteren Gebäuden der Stiftung, wie etwa an den Schlössern Rheinsberg und Cecilienhof und am Neuen Palais. „Das Besondere an diesem Haus ist, dass es ein Nachkriegsdenkmal ist“, sagt er. „Es gibt relativ viel Hightech von früher. Das sei in anderen Schlössern der Stiftung nicht der Fall.

Viele neue Materialien seien in Charlottenburg verwendet worden, so der Architekt. Man habe es in einigen Bereichen mit einer Betonsanierung zu tun und mit Stahlkonstruktionen, aber nicht mit klassischen Zimmermannsarbeiten. „Das macht Spaß, ist aber eine Herausforderung.“ Es werde soviel wie möglich erhalten. Wärmedämmung sei nicht an der Fassade vorgesehen. Sie bekommt lediglich einen neuen Anstrich, der jedoch wie bisher ein Ockerton sein soll.

Die Fenster werden repariert, abgedichtet, der Kitt wird erneuert. Im Inneren des Neuen Flügels sind Treppen, Wände und Spiegel mit Spanplatten abgedeckt. „Um sie während der Bauarbeiten zu schützen“, sagte Architekt Ayrilmaz. Kronleuchter sind wegen der Bauarbeiten entfernt worden und einige Watteau-Gemälde. Für die Arbeiten seien größtenteils kleine und mittelständische Betriebe aus der Region Berlin-Brandenburg verpflichtet worden, sagte Hartmut Dorgerloh.

Der Weiße Saal soll künftig auch gekühlt werden

Im Weißen Saal wird die alte Luftheizung erneuert. Er hat keine Heizkörper. Die warme Luft strömt über einen Kamin in den Raum und wird durch einen weiteren Kamin abgesaugt. „Die Technik ist unglaublich energieintensiv und wird erneuert“, sagte Ayhan Ayrilmaz. Die Anlage, die ähnlich wie ein U-Boot aussehe, befinde sich unter dem Dach. Es werde künftig auch die Möglichkeit geben, den Weißen Saal, der für Veranstaltungen genutzt wird, zu kühlen. „Wenn viele Menschen im Raum waren, wurde es bisher sehr warm“, so der 45-Jährige. „Kondenswasser bildete sich und tropfte von der Decke.“ Das soll künftig nicht mehr passieren.

Im gesamten Schloss soll es deutlich kühler werden als bisher. Bei 15 Grad wird die Raumtemperatur nur noch liegen. „Es gab Zeiten, da konnte man im Winter mit einem T-Shirt herumlaufen“, sagte Dorgerloh. Das werde es nicht mehr geben. „Künftig also nur noch im Pelzmantel“, schlussfolgerte der Regierende Bürgermeister.

Energetische Sanierung des Schlosses soll bis 2017 dauern

Die energetische Sanierung von Schloss Charlottenburg hat im März 2013 begonnen und soll bis 2017 abgeschlossen sein. Der Neue Flügel ist der erste Bauabschnitt und wird voraussichtlich bis Ende 2014 wieder eingerichtet sein. Ziel sei, dass eine Energieeinsparung von rund 33 Prozent für das Schloss erreicht werde, sagte Architekt Ayrilmaz. Der Kohlendioxid-Ausstoß verringere sich um 25 Prozent. 900.000 Kilowattstunden Strom werden eingespart. Die energetische Sanierung ist jedoch nur ein Teil der erforderlichen Arbeiten. Wenn sie abgeschlossen ist, soll eine Restaurierung im Inneren des Gebäudes erfolgen. „Deckengemälde müssen saniert werden, Wände sind schadhaft“, sagte der Architekt.

350.000 Besucher haben das Schloss Charlottenburg in diesem Jahr gesehen, trotz der Baustelle. „Das ist eine außerordentlich gute Zahl“, sagte Dorgerloh. Klaus Wowereit bedankte sich für die Arbeiten. „Wir werden die Stiftung auch in Zukunft mit allen Kräften unterstützen, sicherte er zu. Doch einen kleinen Seitenhieb konnte sich der Regierende Bürgermeister nicht verkneifen. „Wir haben zeitweise den Eindruck gehabt, dass die Stiftung fast ausschließlich in unserem befreundeten Nachbarland tätig ist“, sagte er. „Deshalb ist es gut, dass hier ein neuer Schwerpunkt gesetzt worden ist.“