Charlottenburg-Wilmersdorf

Sparmaßnahme - Musikschule verhängt Aufnahmestopp

Rund 85.000 Euro muss die Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf in den nächsten zwei Jahren einsparen. Das sieht der Haushaltsentwurf vor, der von den Bezirksverordneten verabschiedet wurde.

Foto: Reto Klar

Gerade haben sich die Musikschullehrer noch erfolglos gegen neue Honorarverträge gewehrt, da erreicht die Lehrkräfte in Charlottenburg-Wilmersdorf eine neue Hiobsbotschaft. Insgesamt rund 85.000 Euro muss die Musikschule des Bezirks in den kommenden zwei Jahren einsparen. Das sieht der Haushaltsplanentwurf vor, der jetzt von den Bezirksverordneten verabschiedet wurde. Für 2014 soll die zweitgrößte Musikschule Berlins demnach 70.000 Euro und für 2015 dann 15.000 Euro einsparen. Bei der ohnehin äußerst angespannten finanziellen Lage der Musikschulen eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Derzeit unterrichten 246 Lehrer in Charlottenburg-Wilmersdorf insgesamt 5000 Schüler im Instrumental-, Vokal- und Ensemblebereich.

Zwei Jahre lang keine neuen Verträge

Der Leiter der Musikschule, Arthur Hipp, fürchtet nun, dass er das Unterrichtsangebot reduzieren muss: „Etwa 100 Verträge mit Schülern werden wegfallen, um die geforderten Einsparungen zu realisieren.“ Damit bestehende Verträge nicht gekündigt werden, könnten dann also in den kommenden zwei Jahren keine neuen Verträge abgeschlossen werden.

Nach Hipps Erfahrung beenden zum Schuljahresende jedes Jahr etwa 100 Schüler den Unterricht, dafür kommen normalerweise 100 neue Schüler an die Schule. Dies sei dann nicht mehr möglich. Doch schon heute stehen etwa 500 Kinder und Jugendliche auf den Wartelisten, um ein Instrument zu erlernen. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD), zuständig für Finanzen, war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.

Entgelte für Eltern werden steigen

Zu den Einsparungen, die der Musikschule durch den Haushaltsplan auferlegt werden, muss sie zusätzlich noch 46.000 Euro auffangen, die durch die Honorarerhöhung der Lehrkräfte zum August 2013 für die kommenden zwei Jahre anfallen werden. Die letzte Anpassung der Honorarhöhe erfolgte zuletzt vor vier Jahren, damals wurden die Mehrkosten vom Senat übernommen – allerdings verbunden mit einer Anhebung der Elternbeiträge.

Diesmal müssen die Musikschulen die Mehrkosten selbst decken, und auch das wird nur möglich sein, wenn die Beiträge der Eltern steigen. „Wir werden die Entgelte für die Eltern im kommenden Jahr um vier bis fünf Prozent anheben müssen“, sagt Arthur Hipp.

Doch für die Musikschullehrer ist von dieser Erhöhung kaum etwas zu spüren. Im Gegenteil: Lehrervertreter Anno Blissenbach rechnet mit finanziellen Einbußen für die Lehrkräfte, weil sie ja weniger Stunden unterrichten, wenn sich das Unterrichtsangebot reduziert.

Verschlechterung der Arbeitsbedingungen

Schon jetzt verdient ein Musikschullehrer nach einer Erhebung der Gewerkschaft Ver.di im Schnitt 1100 Euro brutto im Monat – auch deshalb, weil kaum eine Lehrkraft vollbeschäftigt ist. Und durch die neuen Honorarverträge, die die Berliner Musikschullehrer zum neuen Schuljahr unterschreiben mussten, gibt es ohnehin schon eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.

„Die Stimmung unter den Lehrern ist schlecht“, sagt Arthur Hipp, vor allem weil sich keine Perspektive auf Besserung abzeichnet. Schon vor Jahren wurde zwar von der Senatsbildungsverwaltung eine Expertenkommission eingesetzt, die neue Musikschul-Konzepte entwickeln sollte, „umgesetzt wurde aber nichts davon“, sagt Anno Blissenbach. Das Ping-Pong-Spiel zwischen Senat und Bezirk gehe weiter, keiner fühle sich für die Situation der Musikschulen zuständig.