Denkmal

Kandelaber am Charlottenburger Tor werden renoviert

Das Ensemble am Charlottenburger Tor soll rekonstruiert werden. Die Kandelaber mit Verzierungen, wie etwa phantasievollen Figuren, sollen jedoch erst im Frühjahr 2007 fertiggestellt werden. Die Konstruktion wird von der Stiftung Denkmalsschutz Berlin geleitet. Eine historische Postkarte bildet die Grundlage für das Bauvorhaben.

Foto: picture-alliance

Das Unheil abwehrende Fabelwesen, Teil der Verzierung im oberen Teil der Kandelaber, ist als Gipsform bereits fertig. Nach diesem Vorbild wird der Bronzeguss für das Relief hergestellt.- Doch bis die zwei mit Schmuckelementen reich verzierten Lichtträgersäulen, die die Stiftung Denkmalschutz Berlin gerade für das Ensemble am Charlottenburger Tor rekonstruieren lässt, fertig sind, vergeht noch viel Zeit: Im Frühjahr 2010 sollen die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kandelaber an der Straße des 17. Juni das Eingangstor nach Charlottenburg wieder komplettieren. Die Bauarbeiten starteten im Mai 2007.

Im Gegensatz zum Berliner Stadtschloss war bei den Kandelabern des Charlottenburger Tores schnell klar, dass sie rekonstruiert werden sollten. Architekt Christian Koch, den die Stiftung mit der baukünstlerischen Oberleitung des Projekts beauftragt hat, erklärt sich dies mit dem besonderen Stellenwert und der Ensemble-Wirkung der steinernen Anlage. Die Rekonstruktion gestaltet sich jedoch nicht einfach. Eine historische Postkarte, die das Charlottenburger Tor zeigt, ist die wesentliche Grundlage.

Fast 3,7 Millionen Euro für die Anlage

2 290 000 Euro hat die Stiftung nach Auskunft von Geschäftsführer Volker Härtig für die Arbeiten einschließlich der Überholung und teilweisen Erneuerung der Brückenanfänge veranschlagt. Durch Spenden, aber vor allem durch die Werbung einer Telekommunikationsfirma an den Kandelaber-Baugerüsten erwartet die Stiftung Einnahmen von 2 160 000 Euro. Auch die jüngste Sanierung des Charlottenburger Tores (rund 1,4 Millionen Euro), das im April 1908 dem Verkehr übergeben worden war, wurde bereits auf diese Weise ermöglicht. Vertraglich ist vereinbart, dass Mehreinnahmen aus der Werbung anderen Denkmalen im Bezirk zugute kommen. So wurden bereits 172 000 Euro für die Lietzensee-Kaskaden investiert, das Schoeler-Schlösschen erhielt für seine bauliche Rettung 150 000 Euro.

Für Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) ist diese Möglichkeit der Sanierung von Denkmalen angesichts der Ebbe in den öffentlichen Kassen eine klare Sache: "Ohne Werbung würde es keine Kandelaber und nicht diese von vielen Menschen gewünschte wunderbare Komplettierung geben - oder wir wären bei den Schulsanierungen nicht vorangekommen."

Verkleidung aus Tuffstein

Die Roharbeiten zu den Kandelabern, die einen gemauerten Kern haben, sind fertig. Die Bauarbeiter haben gerade mit den Verkleidungsarbeiten des Mauerwerks mit "Ettringer Kerntuff", einem Vulkangestein, begonnen. In der Farbe wird er dem Stein vom Tor ähneln. "Wir bauen einen Altbau, rekonstruieren ihn aber nach dem neuesten Stand der Technik", beschreibt Harry Nickel, Projektleiter der Baufirma Hochtief Construction, die Arbeiten.

Wer sich die (allerdings durch die Werbeplanen verhüllte) Baustelle von oben anschauen möchte, kann dies jeden Sonnabend zwischen 12 und 15 Uhr tun. Dann öffnen die Mitglieder des Freundeskreises des Charlottenburger Tores nicht nur ihr Keller-Museum im nördlichen Torflügel, sondern es besteht auch die Möglichkeit, auf die rund 21 Meter hohe Plattform der Toranlage zu steigen und den Blick bei gutem Wetter in die Ferne schweifen zu lassen.

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