Verwaltung

Neue Stellen für Berliner Gesundheitsämter

Berlins Gesundheitsämter sollen insgesamt 60 neue Stellen bekommen. Zurzeit sind jedoch mehr als 200 Stellen unbesetzt.

Berlins Gesundheitsämter bekommen mehr Stellen. In Spandau sollen unter anderem neue Gesundheitsaufseher eingestellt werden.

Berlins Gesundheitsämter bekommen mehr Stellen. In Spandau sollen unter anderem neue Gesundheitsaufseher eingestellt werden.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlins Gesundheitsämter sollen mehr Personal bekommen: Insgesamt 60 neue Stellen, also fünf pro Bezirk, sind vorgesehen; die Mittel dafür sind im zweiten Nachtragshaushalt des Landes Berlin eingeplant. Diese sollen zur Umsetzung des Mustergesundheitsamts dienen, heißt es aus der Pressestelle der Senatsgesundheitsverwaltung. Das Mustergesundheitsamt bezeichnet ein Idealmodell für die Struktur und erforderliche Personalausstattung der Ämter.

„Die Gesundheitsverwaltung hat sich in den Beratungen zum zweiten Nachtragshaushalt für diese zusätzlichen Stellen eingesetzt“, teilt die Pressestelle weiter mit. „Die Bezirke müssen die Besetzung der Stellen jetzt angehen.“ Allerdings: Bereits aktuell gibt es nach Angaben der Senatsverwaltung in den Gesundheitsämtern mehr als 200 unbesetzte Vollzeitstellen. Der Bedarf an Fachkräften ist also groß.

In Berlin gesuchte Gesundheitsaufseher sind rar

In Steglitz-Zehlendorf sind derzeit 10,5 Stellen unbesetzt, wie die dortige Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) auf Anfrage mitteilt. „Grundsätzlich begrüße ich es selbstverständlich, wenn die Gesundheitsämter der Bezirke mit neuen Stellen gestärkt werden“, sagt sie. „Wie wichtig und essenziell der öffentliche Gesundheitsdienst ist, erfahren viele Menschen jetzt erst.“

Fünf zusätzliche Stellen würden dem Bezirk bereits sehr helfen, sagt Böhm, die aber auch auf die Knappheit an ausgebildeten Fachkräften in dem Bereich verweist. „Die Fachkräfte-Situation ist natürlich immer problematisch“, sagt die Stadträtin. So seien etwa die Gesundheitsaufseher „insgesamt rar, es wird zu wenig ausgebildet und alle Bezirke suchen diese Fachkräfte“.

Tatsächlich würde auch Spandau gern zusätzliche Gesundheitsaufseher einstellen – zwei der fünf neuen Stellen möchte der Bezirk mit entsprechenden Fachkräften besetzen. Daneben werden dort ein weiterer Arzt, ein Verwaltungsbeamter und ein IT-Bereichskoordinator gesucht. Einen solchen Koordinator brauche man im Amt „dringend“, sagt Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU). Die elektronische Datenverarbeitung (EDV) sei eines der Zukunftsthemen für die Gesundheitsämter.

Spandauer Stadtrat sieht Bedarf für weitere Mitarbeiter

Dass die fünf zusätzlichen Stellen pro Bezirk finanziert werden, nennt Bewig einen „guten Anfang“. „Wir werden auch versuchen, sie schnell zu besetzen“, sagt der Stadtrat. Dennoch sieht er darüber hinaus noch Bedarf für weitere Mitarbeiter. Vom Mustergesundheitsamt sei man noch ein Stück entfernt, zudem sei das Modell in einer Phase entwickelt worden, als man eine Situation wie die Corona-Pandemie nicht im Blick hatte.

„Man kann nicht 100 Mitarbeiter vorhalten, aber es täte dem Gesundheitsamt sehr gut, wenn man einen Pandemieaufschlag berücksichtigen würde, insbesondere in der Gesundheitsaufsicht“, sagt Bewig. Zurzeit sei die Gesundheitsaufsicht mit kaum etwas anderem als der Corona-Krise beschäftigt. Einschulungsuntersuchungen hätte es seit Monaten praktisch nicht gegeben. „Wir müssen dafür sorgen, dass die anderen Bereiche nicht völlig brachliegen“, sagt er.

Insgesamt sieht Bewig sein Gesundheitsamt aber bereits heute besser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren. Damals seien deutlich mehr Stellen unbesetzt gewesen, derzeit würden rund zehn Mitarbeiter fehlen. Wobei seit Jahresanfang insgesamt zwölf Stellen besetzt wurden, darunter etwa einige im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst.