Neubau

Wie das Eine-Welt-Zentrum auf dem Kindl-Areal aussehen soll

Auf Gelände des Kindl-Areals in Neukölln wird das Eine-Welt-Zentrum Berlin gebaut. 40 NGOs wollen von hier aus die Welt verbessern.

Das Berliner Eine-Welt-Zentrum entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Neukölln.  

Das Berliner Eine-Welt-Zentrum entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Neukölln.  

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Wo einst Bier gebraut wurde, finden sich schon bald die Vordenker einer friedlichen Welt zusammen. Denn auf dem Gelände des Kindl-Areals in Neukölln wird derzeit das Berliner Eine-Welt-Zentrum gebaut. Mitarbeiter von bis zu 40 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (NGO) werden dann von hier aus versuchen, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

Doch zuerst muss noch das neue Hauptquartier gebaut werden. Dafür wurde auf dem westlichen Teil des Kindl-Areals ein altes, marodes Gebäude abgerissen. Kaum war das weg, wurde mit dem Neubau begonnen. Das war im September 2019, damals wurde der Grundstein gelegt. Und schon Ende 2019 war der Rohbau fertig – nicht nur für Berliner Verhältnisse rekordverdächtig. „Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, sagt auch die Architektin des Hauses, Anna Lampen. Ende Oktober diesen Jahres soll das Gebäude fertig sein, die ersten NGOs sollen dann ab Frühjahr 2021 einziehen können.

Eine-Welt-Zentrum auf Kindl-Areal in Neukölln wird vierstöckig

Vierstöckig wird das Eine-Welt-Zentrum sein, mit einer großen Dachterrasse. Das Erdgeschoss soll als Gemeinschaftsfläche genutzt werden. Rund 1500 Quadratmeter groß ist es. Natürlich gibt es hier große Tagungsräume, die die Organisationen nach Bedarf nutzen dürfen. Aber es wird daneben auch Gemeinschaftsräume, eine Teeküche und sogar eine Ludothek geben. „Das ist wie eine Videothek, nur eben mit Spielzeug“, erklärt Lampen. Eltern aus dem Kiez können hier ihren Kindern kostenlos Spielsachen ausleihen. „So schaffen wir hoffentlich eine Verbindung zu den Nachbarn und Anwohnern“, ergänzt Armin Massing. Er arbeitet für die Trägerorganisation Berlin Global Village. Viel Glas wird im Erdgeschoss verbaut, es ersetze die Betonwände, sodass ein offener Eindruck entsteht, beinahe so, als ob das Haus über dem Boden schweben würde.

Als Außenverkleidung bekommt der Neubau Metall. Die großen Fensterfronten erhalten dazu Markisen in den Marken-Farben von Berlin Global Village; sie reichen von türkis über grün bis grau-blau. „So bekommt das Gebäude immer wieder ein neues Gesicht, je nachdem, wo gerade eine Markise oben oder unten ist“, sagt die Architektin. Innen sollen die Räume „flexibel“ sein, wie Lampen erklärt. Und Massing ergänzt: „Wir wollen hier aber auch keinen gigantischen Coworking-Space bauen.“ Vielmehr sollen die Wände bei Bedarf leicht umgebaut werden können, sodass man sich im Neubau leicht den unterschiedlichen Größen der NGOs anpassen könnte.

Bis zu 400 NGO-Mitarbeiter kommen nach Neukölln

300 bis 400 Mitarbeiter von bis zu 40 Organisationen werden hier ab 2021 arbeiten auf einer Bürofläche von 3500 Quadratmetern. Wer sich jetzt aber noch kurzfristig einmieten möchte, hat kaum noch Chancen. Denn: „Wir sind eigentlich voll und habe eine lange Warteliste“, sagt Massing, der den Neubau koordiniert. 35 Organisationen stehen derzeit noch auf einer Warteliste, erzählt er. Und das liegt nicht nur an den extrem niedrigen Gewerbemieten.

Zwischen neun und zehn Euro kostet der Quadratmeter im Eine-Welt-Zentrum kalt. „Aber auch einfach mit anderen NGOs so nah zusammenarbeiten zu können, ist unschlagbar und wertvoll“, ist Massing überzeugt. 15 Millionen Euro kostet der Neubau insgesamt. Rund 1,8 Millionen Euro gab der Bund dazu, weitere drei Millionen Euro kamen vom Land Berlin. Den Rest bezahlen die NGOs selbst, haben dafür einen Kredit bei der Umweltbank aufgenommen.

Neben dem Neubau steht noch das alte Schwester-Haus. Mit Backsteinen gebaut, so wie das gesamte Kindl-Bauwerk, das übrigens unter Ensembleschutz steht. Auch hier werden NGOs vom Eine-Welt-Zentrum untergebracht werden – aber erst nach einer aufwendigen Renovierung. Wann die beginnt, ist heute allerdings noch nicht klar. „Da starten wir auch gerade erst mit den Planungen“, sagt Architektin Lampen.

Beruhigt aber gleichzeitig: „Der Umbau im Altbau wird nicht tiefgreifend.“ Größtenteils werden Wände eingerissen, Räume vergrößert und im Erdgeschoss soll ein Café entstehen. Etwa die Hälfte der Organisationen werden im Neubau untergebracht, die andere Hälfte dann später im renovierten Altbau.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben im Neubau

Gearbeitet wir im Neubau ab 2021 dann unter Lampen, die die Mitarbeiter von Berlin Global Village gebraucht von Privatpersonen oder Firmen kaufen. Denn auch Nachhaltigkeit gehört hier zum Konzept. Das Haus wird sowieso nach den modernsten Standards gebaut: barrierefrei, ökologisch, energieeffizient. Darüber hinaus wünschen sich die Organisationen auch in den Teeküchen beispielsweise gebrauchte Möbel. „Auch wenn die viel aufwendiger zu finden und zu kaufen sind, als neue“, erzählt eine Mitarbeiterin.

Lange Zeit war übrigens gar nicht Neukölln als Standort im Gespräch, sondern ein Gelände in Alt-Stralau, erzählt Massing noch. Doch dann kaufte die Edith-Maryon-Stiftung den Geländeteil auf dem Kindl-Areal und bot es Berlin Global Village zum Kauf an. „Wir haben es dann im Erbbaurecht von der Stiftung gekauft“, erklärt Massing. 100 Jahre gehören Gelände und Haus nun seiner Organisation. „Ich finde diese Zeit sehr angemessen. Denn wer weiß: Vielleicht brauchen wir ja in 100 Jahren gar kein Eine-Welt-Zentrum mehr, weil die Welt dann gerecht ist“, sagt Massing optimistisch und kann sich ein kleines Lächeln doch nicht verkneifen. Außerdem sei Neukölln als Bezirk mit internationalem Flair beinahe schon perfekt für ein Multikulti-Haus wie das Eine-Welt-Zentrum.