One Billion Rising

Tanzdemo gegen Gewalt an Mädchen und Frauen

Zum achten Mal organisiert das Centre Talma die Tanzdemo vor dem Brandenburger Tor am Valentinstag. 3000 Menschen werden erwartet.

Seit acht Jahren kommen mehrere tausend Menschen zum Brandenburger Tor, um tanzend gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren.

Seit acht Jahren kommen mehrere tausend Menschen zum Brandenburger Tor, um tanzend gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren.

Foto: Emmanuele Contini / ddp images

Reinickendorf. Im Büro von Bettina Lutze-Luis Fernández stapeln sich die Kartons. Alle gefüllt mit T-Shirts und Plakaten für die anstehende Tanzdemonstration „One Billion Rising“ (übersetzt: Eine Milliarde erhebt sich). Seit nunmehr acht Jahren organisiert die Leiterin des Mädchen- und Jungen-Sportzentrums Centre Talma die Demonstration gegen Gewalt an Mädchen und Frauen vor dem Brandenburger Tor, die am Valentinstag in Städten auf der ganzen Welt stattfindet.

„Bei der Demo geht es darum, das Schweigen zu brechen und die Menschen zum Nachdenken zu bewegen“, erklärt die Organisatorin Lutze-Luis Fernández. Das gesamte Jahr über üben die Teilnehmer des Centre Talma in Wittenau die Choreografie, die sie sich gemeinsam mit der Leiterin und Mitarbeitern überlegt haben. „Jede Stadt überlegt sich am weltweiten Aktionstag etwas anderes. Bei uns steht klar der Sport, oder wie in dem Fall, der Tanz im Fokus.

Die Choreografie sei schnell erlernbar, auch für Menschen mit einer Behinderung. „Wir möchten, dass alle am Valentinstag mit uns gemeinsam tanzen können“, sagt die Leiterin des Centre Talma. Auf der Internetseite des Mädchen- und Jungensportzentrums ist der fünfminütige Tanz zu sehen.

„One Billion Rising“: Umfangreiches Programm zum Thema Gewalt und Prävention

Ab 16 Uhr gibt es am Sonnabend, 14. Februar, Informationen, Aktionen und ein Bühnenprogramm vor dem Brandenburger Tor unter anderem vom Kooperationspartner der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung FEZ Berlin, von der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen e.V. (BIG), der Kampagne „Gleichstellung weiter denken“ der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und Terre des Femmes e.V. Um 17.30 Uhr beginnt die Tanzdemo „One Billion Rising“, die unter der Schirmherrschaft der Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kalayci, steht.

Obwohl die Aktion gegen Gewalt an Mädchen und Frauen ist, so freut sich Lutze-Luis Fernández

besonders darüber, dass jedes Jahr mehr Männer und Jungen an der Demo teilnehmen. „Unser Ziel ist es, Männer und Jungen mitzunehmen und zu sensibilisieren. Denn nur so können wir etwas gegen die Gewalt unternehmen“, sagt die 55-jährige, die soziale Arbeit, Sport, Gymnastik und Tanz studiert hat. Der Tanz sei für sie die beste Art alle Menschen abzuholen – auch die, die selbst oder in ihrem Familien- oder Bekanntenkreis keinerlei Erfahrung mit Gewalt gemacht haben. Durchschnittlich seien es zwischen 2000 und 3000 Menschen, die am 14. Februar vor dem Brandenburger Tor mitmachen würden.

Im Centre Talma beschäftigen sich die Teilnehmer seit der Gründung im Jahr 1994 nach dem Abzug der Alliierten mit dem Thema Gewalt und Prävention. „Wir greifen schwierige Themen auf und setzen sie in einen Tanz um. Regelmäßig treten wir auch auf Veranstaltungen auf“, sagt Lutze-Luis Fernández. Das Angebot des Centre Talma nutzen rund 500 Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und 27 Jahren.

Ende der Tanzdemo „One Billion Rising“ ist nicht in Sicht

Vor acht Jahren wurde die Leiterin des Centre Talma auf die Aktion „One Billion Rising“ aufmerksam, die von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler initiiert wurde. Die Kampagne ist eine der größten weltweit für die Beendigung von Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Für Bettina Lutze-Luis Fernández war klar: „Das könnte funktionieren.“ Es sei zwar eine Menge Arbeit, die Tanzdemo zu organisieren, gerade, weil man auf Spenden angewiesen sei, „es lohnt sich aber und ist ein tolles Gefühl, wenn Tausende Menschen kommen, um mitzumachen“.

Ein Ende der Tanzdemo ist noch nicht in Sicht, sagt Lutze-Luis Fernández. „So lange es Gewalt an Mädchen und Frauen gibt, werden wir weiter darauf aufmerksam machen.“