Verbot am Olympiastadion

“Berliner Weihnachtscircus“ kommt nach Spandau

Auf dem Parkplatz vor dem Olympiastadion darf der „Berliner Weihnachtscircus“ nicht mehr stattfinden. Stattdessen kommt er in die Siemensstadt.

Der Berliner Weihnachtszirkus darf vor dem Olympiastadion nicht mehr stattfinden. Er kommt stattdessen nach Spandau.

Der Berliner Weihnachtszirkus darf vor dem Olympiastadion nicht mehr stattfinden. Er kommt stattdessen nach Spandau.

Foto: dpa Picture-Alliance / Reinhard Klawitter / picture alliance / dpa

Berlin. Auf dem Parkplatz vor dem Olympiastadion darf der „Berliner Weihnachtscircus“ sein Zelt nicht mehr aufschlagen, nun hat er einen neuen Standort gefunden. Der Zirkus kündigt auf seiner Internetseite an, dass die Vorführungen in diesem Jahr ab dem 19. Dezember auf einer brachliegenden Fläche an der Motardstraße 103 in der Spandauer Siemensstadt stattfinden.

In der Kritik stand der Zirkus immer wieder, weil dort eine Vielzahl an Wildtieren auftritt, darunter Nilpferde, Giraffen, Löwen, Tiger und Elefanten. Mit Verweis auf den Tierschutz hatte das Land Berlin bereits 2018 versucht, den Weihnachtszirkus vorm Olympiastadion zu verbieten.

“Berliner Weihnachtscircus“ - Platz am Olympiastadion nur noch Parkplatz

Der Gericht entschied damals aber noch gegen das Land, verwies darauf, dass die Behörden in der Vergangenheit keine Verstöße gegen die tierschutzrechtlichen Anforderungen festgestellt hätten. Außerdem berief sich das Gericht auf die langjährige Praxis, die Fläche zur Verfügung zu stellen.

In diesem Jahr fiel die Gerichtsentscheidung dagegen anders aus. Hintergrund ist, dass das Land Berlin als Eigentümer des Parkplatzes am Olympiastadion Anfang 2019 vertraglich festgelegt hat, dass die Fläche nur noch als Parkplatz genutzt werden darf. Die Senatsverwaltung hatte es daher abgelehnt, die Fläche für den Zirkus zur Verfügung zu stellen, dieser ging erfolglos dagegen vor. Erst Anfang November bestätigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einem Eilbeschluss eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin.

Peta wendet sich an Betreiber des neuen Standorts

Der „Circus Voyage“, der den Weihnachtszirkus 24 Mal vor dem Olympiastadion veranstaltet hat, bezeichnet die Entscheidung auf seiner Internetseite als diskriminierend und „Schande“, betont zudem seine „vorbildliche Tierhaltung“ und nennt sich auch ein „Tierheim für exotische Groß-Tiere“.

Auch in diesem Jahr werde der Zirkus, weil die Nachfrage nach den Tieren so groß sei, „alle unsere Lieblinge“ mitbringen, erklärt eine Vertreterin des „Circus Voyage“ der Berliner Morgenpost. Und: „Auf Nachfrage von Kritikern bei zuständigen Veterinäramt in Berlin und auch in andern Städten wo wir gastieren gab es keinerlei Verstöße gegen unsere Tierhaltung und dies bereits seit 25 Jahren.“ Tierschützer sehen das erwartungsgemäß anders.

Kritik kommt etwa von der Tierschutzorganisation Peta. „Wildtiere wie Elefanten, Giraffen oder Flusspferde gehören keinesfalls in einen Wanderzirkus“, erklärt Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie bei Peta, in einer Pressemitteilung. Man habe sich in einem Schreiben an den Eigentümer das Gelände in der Siemensstadt gewandt, und appelliert, künftig keine Flächen mehr an Zirkusbetriebe zu vermieten, die Wildtiere mitführen.

Spandauer Stadtrat äußert sich zum Weihnachtszirkus ebenfalls kritisch

Zahlreiche Privatunternehmen, darunter das Möbelhaus Ikea sowie der ADAC, hätten Flächenvermietungen oder Kooperationen mit Zirkusbetrieben, die mit Wildtieren reisen, bereits aus Tierschutzgründen ausgeschlossen, erklärt Peta weiter.

Auch Spandaus Stadtrat Stephan Machulik (SPD), unter anderem für die Veterinäraufsicht zuständig, äußert sich kritisch über die Entscheidung des Grundstückeigentümers, die Fläche für den Zirkus zur Verfügung zu stellen. Er schreibt auf Twitter von „Profit vor Tierschutz“. Der Zirkus soll streng kontrolliert werden.

Die „Wählerinitiative soziales Spandau“ kritisiert ebenfalls, dass der Weihnachtszirkus nun in Spandau stattfinden soll. „Das Einpferchen und Dressieren sowie Vorführen von wilden Tieren ist Tierquälerei“, so der 1. Vorsitzende Jürgen Kessling. Man setze sich dafür ein, dass solche Veranstaltungen künftig in Spandau nicht mehr stattfinden.

Der „Berliner Weihnachtscircus“ im Internet

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