Auszeichnung

Deutscher Kita-Preis: Diese Nominierten kommen aus Spandau

Eine Kita und ein lokales Bündnis aus Spandau sind unter den Top 40 von mehr als 1500 Bewerbern. Was sie so besonders macht.

Die Kita Stubs & Fridolin aus der Siemensstadt ist als "Kita des Jahres" nominiert. Leiterin Antje Stutz (l.) und Stellvertreterin Caroline Krause freuen sich. 

Die Kita Stubs & Fridolin aus der Siemensstadt ist als "Kita des Jahres" nominiert. Leiterin Antje Stutz (l.) und Stellvertreterin Caroline Krause freuen sich. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Wer die Kita „Stubs & Fridolin“ in der Spandauer Siemensstadt betritt, wird in 16 Sprachen begrüßt. „Herzlich willkommen“ steht über einer Tür nicht nur auf Deutsch, sondern unter anderem auch auf Polnisch, Italienisch, Rumänisch oder Vietnamesisch. Mehr als 20 Nationen, erzählt Leiterin Antje Stutz, gebe es in der Kita. Und das funktioniert – offensichtlich so überzeugend, dass die Einrichtung nun für den Deutschen Kita-Preis nominiert ist.

Mehr als 1500 Bewerber gab es, unter denen nun 25 Kitas und 15 Initiativen ausgewählt und für die Auszeichnung nominiert wurden. Jeweils fünf werden in den Kategorien „Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ im Mai 2020 ausgezeichnet. Es winkt eine Prämie von bis zu 25.000 Euro.

Spandauer Kita betreut auch geflüchtete Kinder

In der Spandauer Kita vom Träger CJD Berlin-Brandenburg ist die Freude bereits über die Nominierung groß. „Das ist schon eine große Wertschätzung“, sagt Leiterin Stutz, deren Einrichtung seit Mai auch eine von acht Berliner Modellkitas für die Integration und Inklusion von Kindern mit Fluchterfahrung ist.

Seit 2015 sind unter den 80 betreuten Kindern auch welche aus Flüchtlingsfamilien, erzählt Stutz. Eine gute Balance sei wichtig, dann seien die verschiedenen Familienkulturen eine Bereicherung für alle. „Wir sind eine Welt, das versuche ich, den Kindern zu vermitteln“, sagt die Pädagogin. „Wir gucken, was uns verbindet, nicht was uns trennt.“

Verständigungsprobleme gebe es unter den Kindern nicht. „Sie haben ihre eigene Sprache“, sagt Stutz, und Deutsch würden alle schnell lernen. Dabei helfen die anderen Kinder und natürlich die Erzieher. Unter den 14 Pädagogen im Team sind einige, die mehrere Sprachen sprechen, außerdem eine Facherzieherin für Integration und eine für Sprachförderung. Wird doch einmal Hilfe beim Übersetzen, etwa im Gespräch mit Eltern, gebraucht, dann komme Unterstützung aus dem nahen Familienzentrum, mit dem es eine Kooperation gibt.

Panorama-Projekt führt Kinder an klassische Musik heran

Aber nicht nur vom kulturellen, sondern auch vom sozialen Hintergrund gibt es eine breite Mischung in der Kita: Unter den Eltern sei das studierte Ehepaar mit guten Jobs genau wie die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, erzählt Stutz, die die Einrichtung seit 2004 leitet. Gefördert werden sollen alle Kinder gleich – etwa mit dem kostenlosen Panorama-Projekt.

Bei diesem werden die Kinder an klassische Musik herangeführt, erhalten eine musikalische Früherziehung und können im letzten Jahr vor der Schule sogar Geige lernen. Ab dem kommenden Sommer soll Cello als zweites Instrument dazukommen. 2012 wurde mit dem Projekt begonnen, mehrere Musikpädagogen kommen dafür an drei Tagen pro Woche in die Kita. „Man kann mit Kunst und Klassik viel erreichen“, sagt Stutz. Schüchterne Kinder würden aufblühen, andere, die vorher nur wenig gesprochen haben, plötzlich schnell sprechen lernen.

Leiterin möchte Elterncafé aufbauen

Und auch die Ernährung spielt in der Kita eine Rolle: Weil früher viele Kinder immer nur eine Streuselschnecke als Frühstück dabei gehabt hätten, wird inzwischen das Essen morgens in der Kita zubereitet. Im Garten gibt es ein Gemüsebeet, in dem Tomaten oder Kartoffeln angepflanzt werden, und regelmäßig gehen Kinder mit zum Einkaufen auf einen Wochen- oder in den Supermarkt. „Man kann mit wenig Aufwand viel machen“, meint die Leiterin.

Eine Idee für ein weiteres Projekt hat sie auch schon: ein Elterncafé in der Kita, in dem sich alle mit ihren unterschiedlichen kulturellen, sozialen oder religiösen Hintergründen treffen und mehr untereinander austauschen können. „Dafür könnten wir das Preisgeld gut gebrauchen“, sagt Stutz.

AG Frühe Förderung von der Heerstraße Nord ebenfalls nominiert

Am anderen Ende von Spandau, im Kiez Heerstraße Nord, gibt es einen weiteren Nominierten beim Deutschen Kita-Preis: Die Arbeitsgemeinschaft „Frühe Förderung“, die im Bildungsnetz Heerstraße Nord entstanden ist, gehört zu den Top 15 „Lokalen Bündnissen des Jahres“. In der AG sitzen unteren anderem ein ehemaliger Grundschulleiter, Vertreter der Familienzentren und des Kinder-und-Jugendgesundheitsdienstes in der Großsiedlung, außerdem Mitarbeiter des Quartiersmanagements.

„Aus dieser AG sind zwei große Projekte entwickelt worden, die Kita-Sozialarbeit und ,Starke Familien in Staaken’“, erzählt Quartiersmanager Christian Porst. Letzteres Projekt ist erst in diesem Monat gestartet. Dabei will man sich den Jüngsten widmen, den Kindern im Alter von maximal drei Jahren.

Der Fokus liegt auf denen, die keinen Kita-Platz haben – wie in vielen Teilen von Berlin sind auch an der Heerstraße Nord die Kita-Plätze knapp. „Ziel ist, dass man sie an bestehende Angebote vermittelt, an Familienzentren, die Familienwohnung oder andere Unterstützungsangebote, die es gibt, vor allem für Familien mit Kleinkindern“, erklärt Porst.

Kinder noch vor der Kita fördern

Die beiden Sozialpädagoginnen in dem Projekt sollen aufsuchend arbeiten, besonders im Sommer also die Familien etwa auf den Spielplätzen ansprechen, und dann weiterleiten. Hintergrund ist, dass man in der Arbeitsgemeinschaft überlegt habe, wo man den Hebel ansetzen kann, um die Kinder im Kiez noch besser zu fördern, erzählt Porst. „Es wurde gesagt, dass Kinder, wenn sie in die Kita kommen, oft schon Entwicklungsnachteile haben. Man muss also früher anfangen“, sagt er. Genau das soll in dem Projekt, in das auch noch eine Familienhebamme integriert werden soll, nun passieren.

Die Kita-Sozialarbeit ist in dem Kiez bereits ein Erfolgsprojekt geworden. Inzwischen wurde sie sogar im Falkenhagener Feld, wo sich ein weiteres Spandauer Quartiersmanagement-Gebiet befindet, übernommen. Dabei besuchen Sozialarbeiterinnen die Kitas, und sind dort für Eltern bei Problemen oder Fragen ansprechbar. Es geht darum, frühzeitig präventiv zu wirken und auch die Erzieher zu entlasten, denen oft die Zeit fehlt, sich mit den Problemen der Eltern zu beschäftigen.

Finanziert werden beide Projekte über den Fonds „Soziale Stadt“, sie laufen erstmal noch bis 2021. Ziel ist aber, dass die Kita-Sozialarbeit fortgeführt wird und dass sich die Finanzierung verstetigt. „Möglichst über ein Landesprogramm“, sagt Porst.

Weitere Berliner Einrichtungen für Kita-Preis 2020 nominiert

In den Parteien und Gremien habe die Arbeit bereits Aufmerksamkeit geweckt. Und dass nun die AG „Frühe Förderung“, und damit auch die von ihr ins Leben gerufene Kita-Sozialarbeit, als Bündnis des Jahres nominiert ist, wird sicher nicht schaden, um das Ziel zu erreichen. „Es ist uns schon wichtig, zu den Nominierten zu gehören. Das ist eine Auszeichnung und lenkt auch wieder einen positiven Blick auf die Heerstraße Nord“, meint Quartiersmanager Porst.

Unter den 40 Nominierten sind auch weitere Vertreter aus Berlin: Die Kita AbenteuerWelt und die KunstKita Artki, beide aus Lichtenberg, sowie das Familienzentrum Mehringdamm zur vorurteilsbewussten Erziehung in Kreuzberg sind ebenfalls weiter im Rennen um die Preise.

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