Geplanter Neubau

CDU und IHK befürworten Karstadt-Neubau am Hermannplatz

Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) lehnt Neubaupläne ab – dagegen regt sich nun breiter Widerstand bei CDU und IHK.

IHK und CDU fordern einen Neubau des Karstadt-Hauses am Hermannplatz – trotz des Neins aus Kreuzberg.

IHK und CDU fordern einen Neubau des Karstadt-Hauses am Hermannplatz – trotz des Neins aus Kreuzberg.

Foto: imago stock&people

Berlin. Als Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) vergangene Woche mitteilte, dass er einen Neubau des Karstadt-Warenhauses am Hermannplatz ablehne, war die Aufregung groß. Doch nun regt sich breiter Widerstand gegen das Nein aus Friedrichshain-Kreuzberg.

Sowohl die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) wie auch der CDU Landesverband Berlin fordern weiterhin einen Neubau. Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, teilte zu dem Nein aus Friedrichshain-Kreuzberg nun mit: „Diese Entscheidung ist aus Sicht der Wirtschaft nicht nachvollziehbar.“ Schmidt würde die strukturelle Bedeutung des Vorhabens für Kreuzberg und Neukölln ignorieren, so Eder weiter. „Es ist leider ein weiterer Beleg dafür, wie Politiker Wirtschaft verhindern und so der Stadt die wirtschaftliche Grundlage entziehen, von der sie selbst leben.“

IHK sieht durch Neubau Chance für ansässiges Gewerbe

Eder erklärte, dass Mitarbeiter der IHK mit Gewerbetreibenden rund um den Hermannplatz gesprochen hätten – „viele von ihnen beurteilen die Pläne positiv, weil sie im Umbau die Chance sehen, dass Einzelhandel und Gastronomie in der Nachbarschaft profitieren.“ Unverständlich für die IHK sei zudem der Zeitpunkt der negativen Entscheidung über den Neubau. Ein solches Projekt per Ansage zu unterbinden, obwohl der Beteiligungsprozess gerade erst begonnen habe, widerspräche jedem Partizipationsgedanken, so Eder.

Die Investitionssumme für den Neubau wurde zwar nie bestätigt, es war aber die Rede von rund 450 Millionen Euro. Momentan arbeiten bei Karstadt am Hermannplatz rund 150 Berliner. In dem neuen Gebäude hätten es schätzungsweise 500 bis 650 sein können.

Darum streiten sich Kreuzberg und Neukölln

Das Karstadt-Gebäude liegt zwar auf der Bezirksseite von Friedrichshain-Kreuzberg, der Hermannplatz aber gehört zu Neukölln – der Neubau betrifft also beide Bezirke. Ein Grund für die CDU Neukölln, sich in den Streit um den Neubau einzumischen.

„Die Blockadehaltung des Kreuzberger Baustadtrates Florian Schmidt ist eine Gefahr für die überfällige Neugestaltung des Platzes“, teilte die Partei nun mit. Falko Liecke, Vorsitzender der CDU Neukölln und stellvertretender Vorsitzender der CDU Berlin, sagte: „Wir können froh sein, dass ein solch ambitioniertes Projekt in Aussicht steht.“

CDU fordert weiterhin Neubau am Hermannplatz

Die Partei sieht in dem Neubau eine Chance den Kiez rund um den Hermannplatz aufzuwerten. Die zusätzlich geplanten Wohnungen würden gerade in der Innenstadt dringend benötigt und könnten einen Beitrag zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt leisten.

Das Nein von Kreuzbergs Baustadtrat kritisiert Liecke indes scharf: „Dass Herr Schmidt in seinem Bezirk immer wieder politische Geisterfahrten inszeniert, nehmen wir in Neukölln seit Jahren mit Kopfschütteln zu Kenntnis. Wenn sich sein absolutistisches Politikverständnis aber derart massiv auf unser Neukölln auszuwirken droht, ist eine Grenze überschritten.“

Die CDU fordert nun, ebenso wie die IHK, vom Senat und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) das Projekt an sich zu ziehen – um dem, wie Liecke sagt „städtebaulichen Amoklauf des Bezirksstadtrates Schmidt“ zu beenden.

Wirtschaftssenatorin gibt sich bedeckt

Von Seiten der Senatsverwaltung hieß es dazu auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass man sich in Gesprächen mit allen beteiligten Akteuren befände. Ob die Wirtschaftssenatorin nun das Vorhaben an sich ziehen wird, wollte ihre Pressesprecherin Svenja Fritz nicht kommentieren. Vergangene Woche jedoch bekräftigte Pop ihre Unterstützung für einen Neubau.

Während nun die Diskussion um den möglichen Neubau erst richtig Fahrt aufnimmt, hält Signa GmbH an dem geplanten Neubau weiterhin fest. Und lässt durch ein Meinungsforschungsinstitut momentan Anwohner befragen, um deren Einschätzungen und Erwartungen rund um das Karstadt-Gebäude in Bezug auf einen möglichen Neubau zu erfahren.

So soll das neue Gebäude aussehen

Der Karstadt-Eigentümer, die Signa GmbH, plante ursprünglich einen Neubau des 50er-Jahre Gebäudes. Das Haus sollte dabei seine „ursprüngliche Größe und sein Aussehen aus den 20ern des letzten Jahrhunderts“ zurückerhalten, teilte der Konzern mit. Das Gebäude sollte hierfür abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Bruttogeschoßfläche sollte um circa ein Drittel auf rund 126.000 Quadratmeter erhöht werden.

Das Warenhaus sollte zu einem „flexiblen Multi-Use-Objekt“ umgewandelt werden, inklusive Büros, Wohnungen, Hotel sowie einer großen Markthalle. Und natürlich sollten auch die beiden Türme sowie die legendäre Dachterrasse wieder aufgebaut werden – „wie im früheren Karstadt Hermannplatz“, so der Signa-Konzern.

Schmidt: Nein zu Neubau am Hermannplatz

Der „Monumentalbau“, wie Schmidt den geplanten Neubau nennt, würde nicht in die „kleinteilige Parzellenstruktur des Umfeldes“ und auch nicht mehr in die „soziokulturelle Lage“ in Neukölln und Kreuzberg passen. Die Hauptsorge im Bezirk dürfte sein, dass ein Neubau das bestehende Gewerbe am Hermannplatz, am Kottbusser Damm und an der Karl-Marx-Straße bedrohen könnte.

Stellplätzen für Autos und Fahrräder nicht geklärt, ebenso würden Aussagen zum ruhenden Verkehr, zur Belieferung sowie zur Entsorgung fehlen, wirft das Bezirksamt der Signa GmbH vor. Das Team von Schmidt urteilte deshalb: „Das nun vorgestellte Neubauprojekt wirft viele städtebauliche und stadtgestalterische Fragen auf.“ Vor diesem Hintergrund wäre eine Rekonstruktion, „trotz aller Faszination für das historische Gebäude, in der heutigen Situation überzogen und unangemessen.“