Kiezleben

In dieser Kneipe in Moabit ist die Gemütlichkeit zu Hause

Seit 50 Jahren betreiben Regina und Klaus Friedrich die Kneipe „Zum Stammtisch“ in Moabit. Eine Institution im Kiez.

Regina und Klaus Friedrich, Betreiber der Kneipe "Zum Stammtisch"

Regina und Klaus Friedrich, Betreiber der Kneipe "Zum Stammtisch"

Foto: Katherina Viktoria Weiß / BM

Mitte. Den Ehrentanz ließen sich Regina und Klaus Friedrich nicht nehmen. Gemeinsam drehten sich die beiden zur Feier des Tages mitten über die Kreuzung Wiclefstraße Ecke Bredowstraße in Moabit, begleitet von einem ganzen Orchester und rund 200 Stammgästen, alle nur gekommen für sie und ihr goldenes Jubiläum. Seit 1969 betreibt das Ehepaar die Kneipe „Zum Stammtisch“ in Moabit. Am 30. Juli 2019, genau 50 Jahre nach Eröffnung feierten die beiden ihr großes Jubiläum, das schnell zum Straßenfest geriet.

Bei der Eröffnung in den Sechzigern ging es kurzfristiger zu. Der „Stammtisch“ war schon fertig eingerichtet, und die beiden standen in den Startlöchern, aber die Konzession zum Alkoholausschank ließ noch auf sich warten. Pünktlich zu Klaus Friedrichs Geburtstag am 30. Juli 1969 kam dann die Erlaubnis – und mit vollem Elan und ganz spontan eröffneten das junge Paar seinen Traum.

Dass dieser so lange währt, hätten damals die wenigsten gedacht „Als wir aufgemacht haben, waren hier überall Berliner Kneipen. Viele haben gesagt: Bei der Konkurrenz überlebt ihr kein halbes Jahr“, sagt Regina, und Klaus ergänzt: „Und jetzt sind wir die Einzigen, die noch übrig sind.“

Gegenpol zu durchgestylten Bars

Gründe dafür gibt es viele. In einer Berliner Innenstadt, die voll ist mit durchgestylten Bars, bildet die Kneipe einen wunderbaren Gegenpol. Die holzvertäfelten Wände mit Familienfotos und das alte Mobiliar strahlen die Gemütlichkeit einer längst vergangenen Zeit aus. Und natürlich sind da Regina und Klaus Friedrich selbst. Gäste bekommen bei den beiden mehr als ein frisch gezapftes Bier. Immer gibt es eine herzliche Begrüßung, einen lustigen Spruch, eine nette Unterhaltung.

Noch länger als die gemeinsame Gastwirtschaft hält ihre Ehe. Der ausgebildete Koch lernte seine Frau in einem Hotel im Schwarzwald kennen. Nachdem Klaus um Reginas Hand angehalten und die damals 23-Jährige Ja gesagt hatte, entführte der gebürtige Berliner seine Verlobte in die damals geteilte Hauptstadt.

In Moabit sind sie eine Institution, die Kneipe besuchen junge und alte Stammgäste – und das wohl noch länger, so Klaus Friedrich. „Ein oder zwei Jahre wollen wir noch machen.“