Buchhandlungspreis

Ausgezeichnet: Das sind Berlins beste Buchhandlungen

Zehn Buchläden, verteilt über ganz Berlin, sind für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 nominiert. Wir stellen sie vor.

Martina Prior ist mit ihrer Buchhandlung „Prior & Mumpitz“ für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 nominiert.

Martina Prior ist mit ihrer Buchhandlung „Prior & Mumpitz“ für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 nominiert.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Die Bücher stapeln sich bis unter die Decke. Mehrere Räume sind voll mit Geschichten von mutigen Rittern, die gegen Windmühlen anreiten oder von jungen Zauberern, die Muggel vor Du-weißt-schon-wem schützen müssen. Von bunt illustrierten Reiseführern, die das Paradies verlocken und Biografien, die Lebensgeschichten bedeutender Menschen erzählen. So viele verwinkelte Räume, so viele Bücher – beinahe verliert man den Überblick in der Buchhandlung Marga Schoeller Bücherstube an der Knesebeckstraße in Charlottenburg. Vor 90 Jahren – 1929 – wurde die Buchhandlung gegründet.

Und er- und überlebte die turbulente deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Während der Nazi-Herrschaft stellte Buchhändlerin Marga Schoeller Bilder eines bekannten Pferdefotografen aus – die Bücher, die sie eigentlich verkaufen wollte, waren verboten. Nach dem Krieg war sie die erste Buchhändlerin, die wieder lizensiert wurde. Im geteilten Berlin versorgte sie den Westen der Stadt zuverlässig mit Literatur. Die Buchhandlung sei eine Institution, raunen einem Kunden zu, wenn sie heute nach dem Außergewöhnlichen der „Marga Schoeller Bücherstube“ gefragt werden.

Zehn Buchläden in Berlin sind für Buchhandlungspreis nominiert

2019 nun ist die Buchhandlung an der Knesebeckstraße gemeinsam mit neun anderen Berliner Geschäften für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. Dazu gehören auch die Buchhandlung Montag und Prior & Mumpitz in Prenzlauer Berg, der Prinz Eisenherz Buchladen in Tempelhof-Schöneberg, der Kreuzberger Zabriskie – Buchladen für Kultur und Natur wie auch die Neuköllner Buchkönigin. Auch Walthers Buchladen in Steglitz-Zehlendorf gehört in die erlesene Liste, genauso das Buchlokal in Pankow, die Bücher am Nonnendamm in Spandau sowie die Buchhandlung Godolt in Charlottenburg-Wilmersdorf. Insgesamt sind Deutschlandweit 118 Läden im Rennen um den Buchhandlungspreis.

Gewonnen haben sie übrigens alle schon. Bei der Preisverleihung Anfang Oktober in Rostock geht es noch um die Frage, wer den dritten Platz belegt (dotiert mit 7000 Euro für bis zu 100 Buchhandlungen), wer den zweiten (15.000 Euro für bis zu fünf Buchhandlungen, die aus den nominierten Buchhandlungen besonders herausragen) und wer den Hauptpreis gewinnt (25.000 Euro für die drei besten der nominierten Buchhandlungen).

„Marga Schoeller Bücherstube“ bereits zum zweiten Mal nominiert

Den Deutschen Buchhandlungspreis gewonnen hat bereits 2015 „Marga Schoeller Bücherstube“, aber auch die zweite Nominierung sei noch immer etwas ganz Besonderes, sagt Geschäftsführerin Ruth Klinkenberg.

„Die Freude über die Nominierung war sehr groß“, sagt Klinkenberg und lächelt. „Gerade für eine Buchhandlung mit so viel Tradition ist das eine besondere Auszeichnung und Anerkennung.“ Zu der Preisverleihung nach Rostock will sie selbstverständlich fahren. „Das lässt sich niemand entgehen“, ist sie sicher.

Um sich um den Deutschen Buchhandlungspreis bewerben zu können, müssen Geschäfte eine Reihe von Kriterien erfüllen. Sie müssen beispielsweise ein anspruchsvolles und vielseitiges literarisches Sortiment haben – also nicht nur Bestseller im Regal stehen haben. Außerdem sollten sie ein besonderes kulturelles Veranstaltungsprogramm wie Lesungen anbieten oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Im vergangenen Jahr gewann einen der ersten Preise übrigens die Berliner Buchhandlung „Krumulus“ am Südstern.

Das sind die Kriterien für eine Bewerbung

Jeden ersten Mittwoch im Monat findet beispielsweise abends ab 20 Uhr in der Buchhandlung „Prior & Mumpitz“ in Prenzlauer Berg die offene Runde „Literatur im Gespräch“ statt. Autoren oder Verleger sind dabei regelmäßig zu Gast und diskutieren mit Lesern über ihre Werke. „Die Nominierung fühlt sich ,wow’ an“, sagt Inhaberin Martina Prior. Seit zehn Jahren nun führt sie ihre eigene Buchhandlung. Sie erklärt, dass bei ihr im Laden etwa 60 Prozent Kinder- und Jugendbücher stehen und rund 40 Prozent Literatur für Erwachsene sei. Und: „Fast alle Bücher werden bei uns gelesen, bevor sie in den Laden kommen.“ So stellt das Team sicher, jeden Kunden genau beraten zu können.

Die IHK Berlin zählte 2018 stolze 507 Mitgliedsunternehmen im Bucheinzelhandel, dazu weitere 111 Großhändler, 160 Handelsvermittler, 59 Versandhändler und 104 Antiquariate. Rekord! So viele Buchhandlungen wie in Berlin gibt es sonst in keiner anderen Stadt in Deutschland.

Über die Nominierung freuen sich auch Daniela Weiß und Annekatrin Grimm, die gemeinsam die „Buchhandlung Montag“ führen. Wer nach feministischer Literatur oder Lesungen in Kombination mit Musik oder kleinen Theateraufführungen sucht, wird hier fündig.

An den Moment, als sie von der Nominierung erfahren haben, erinnern sich die zwei noch ganz genau. „Das war natürlich eine tolle Überraschung.“ Die eine war gerade im Sommerurlaub, die andere schmiss daheim den Laden. „Wir haben uns sofort angerufen und haben dann am Abend – jeder für sich, aber gleichzeitig – drauf angestoßen.“

Im Urlaub überrascht

Im Urlaub von der freudigen Nachricht der Nominierung überrascht wurde auch Nina Wehner aus dem Neuköllner Buchladen „Die Buchkönigin“. Freunde riefen die Buchhändlerin an und gratulierten ihr. „Das war schon sehr erfreulich“, erzählt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ihr Geschäft sei zwar breit aufgestellt, sagt sie. „Aber wir lesen ganz viele Bücher selbst zuerst.“ Auf die Preisverleihung im Oktober freut sie sich schon sehr. „Natürlich fahre ich dort hin.“