Verkehr in Berlin

Berliner ADFC fordert Schritttempo beim Abbiegen

213 Radfahrer wurden im ersten Quartal 2019 in Berlin bei Abbiege-Unfällen verletzt. Ideen, die Zahl zu reduzieren, gibt es einige.

Blumen, Kuscheltiere, Fotos und Kerzen erinnern an den achtjährigen Radfahrer, der in Spandau von einem LKW überfahren wurde.

Blumen, Kuscheltiere, Fotos und Kerzen erinnern an den achtjährigen Radfahrer, der in Spandau von einem LKW überfahren wurde.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Vier Radfahrer sind im vergangenen Jahr in Berlin gestorben, nachdem sie von einem nach rechts abbiegenden Lkw erfasst wurden. In diesem Jahr wurde bislang eine Radfahrerin getötet. Ein Lkw überrollte sie nahe des Alexanderplatzes, auch dessen Fahrer bog nach rechts ab und übersah die 37-Jährige. In den ersten drei Monaten des Jahres hat die Polizei 213 Abbiegeunfälle erfasst, bei denen Radfahrer verletzt wurden. An 22 dieser Unfälle waren LKW beteiligt. Diskutiert wird deshalb immer wieder, wie man solche Unfälle vermeiden kann.

ADFC fordert Schritttempo, weniger Lkw-Verkehr

Der Berliner ADFC hat diverse Forderungen: eine gesetzliche Pflicht zum Abbiegen in Schrittgeschwindigkeit, weniger Schwerlastverkehr in der Stadt, auch dadurch, dass Lieferungen auf Lastenräder umverteilt werden oder mehr Kontrollen von Kraftfahrern in Berlin durch die Polizei: „Schwerpunktkontrollen der Polizei zeigen immer wieder, dass ein Teil der Lkw Mängel an sicherheitsrelevanten Teilen aufweist“, sagt Sprecher Nikolas Linck. Und auch die Außenspiegel seien oft nicht richtig eingestellt. „Deshalb muss die Polizei laufend Kontrollen von Abbiegeverhalten, ordnungsgemäßer Spiegeleinstellung und Bremsen durchführen und das Falschparken an Kreuzungen ahnden, um die wichtigen Sichtbereiche freizuhalten“, sagt Linck.

Polizei führt Schwerpunktkontrollen durch

Von der Polizei heißt es dazu, dass die Polizeidirektionen in der Stadt regelmäßig Aufklärungsaktionen oder Verkehrskontrollen durchführen würden, bei denen das Abbiegeverhalten von Fahrern im Mittelpunkt steht. Anfang April hat die Polizei in der gesamten Stadt eine Schwerpunktaktion zu dem Thema veranstaltet. Das Ergebnis aus einer Woche Kontrollen: 298 geahndete Abbiegeverstöße, zusätzlich zu zahlreichen weiteren Verstößen.

+++ Kommentar: Es muss mehr getan werden, um Unfälle zu reduzieren

Die wichtigste Forderung des ADFC ist aber wohl die nach einem Abbiegeassistenten. Ab 2022 sollen sie EU-weit in neuen LKW Pflicht werden. „Bis dahin fordern wir weiterhin die Förderung der freiwilligen Umrüstung“, sagt Linck. Kommunen sollten zudem ihre eigenen Fahrzeugflotten mit Abbiegeassistenten ausrüsten. So ist es auch in Berlin geplant: Nach und nach sollen Lastwagen und Transporter der landeseigenen Betriebe mit der Technik ausgestattet werden. Es gehe gut voran, sagte dazu ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Berliner Wasserbetriebe, BVG und BSR hätten die Nachrüstung mit Abbiegeassistenten bei schweren Fahrzeugen entweder vorbereitet oder schon begonnen.

Regine Günther schlägt Änderung der STVO vor

Um die Gefährdung von Radfahrern in Berlin zu verringern, habe Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) dem Bundesverkehrsminister zudem kürzlich per Brief eine Änderung der Straßenverkehrsordnung vorgeschlagen hat. Demnach sollen Behörden zur Anordnung großräumiger Verkehrsverbote in geschlossenen Ortschaften für schwere Lkw ohne Abbiegeassistenten ermächtigt werden.

Die Polizei verweist auch darauf, dass ein aufmerksames Verhalten von beiden Seiten, LKW-Fahrern wie Radfahrern, notwendig sei. Radfahrer sollten das stark eingeschränkte Blickfeld der Kraftfahrer berücksichtigen, heißt es. Diesen Ansatz verfolgt auch das Projekt „Toter Winkel“ der Dekra, bei dem bundesweit Schülern die Gefahren gezeigt werden Hier wechseln die Kinder auch mal die Perspektive, um selbst zu erleben, dass es gar nicht so leicht ist, Fußgänger oder Radfahrer zu erkennen.