Sport in Berlin

Zusätzliche Trainer für Berlins Schwimmunterricht

18 Prozent der Berliner Kinder können auch noch nach dem Schwimmunterricht nicht schwimmen. Ein neues Projekt soll das ändern.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bei der Vorstellung des Schulschwimmzentrums im Kombibad Seestraße.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bei der Vorstellung des Schulschwimmzentrums im Kombibad Seestraße.

Foto: Christian Latz / BM

Fast 18 Prozent der Berliner Kinder können auch nach dem Schwimmunterricht in der dritten Klasse nicht Schwimmen. „Die Quoten an Kindern, die nicht schwimmen können, sind zu hoch“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Das wollen wir ändern.“ Um die Zahl der Nichtschwimmer unter den Schulkindern zu reduzieren, hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ein neues Projekt gestartet.
Gemeinsam mit dem Berliner Schwimmverband und den Berliner Bäder-Betrieben sollen städtische Schwimmbäder zu „Schulschwimmzentren“ werden. Dabei unterstützen Trainer des Schwimm-Verbands die Sportlehrer beim Unterricht an den Becken.

Kombibad Seestraße wird zum „Schulschwimmzentrum“

Erster Standort für das Projekt ist das Kombibad Seestraße, wo Scheeres das Konzept am Freitag vorstellte. Die Wahl fiel nicht ohne Grund auf das Bad. Hier im Einzugsgebiet aus den Bezirken Mitte und Reinickendorf ist die Quote der Nichtschwimmer-Quote besonders hoch.

Laut Senatsbildungsverwaltung sind in Mitte 73 Prozent der Kinder zu Beginn der dritten Klasse nicht schwimmfähig. In Reinickendorf liegt die Quote bei 54 Prozent. Um als Schwimmer zu zählen, muss ein Kind in Berlin mindestens das Bronze-Abzeichen vorweisen können.

Knapp 18 Prozent der Berliner Kinder können auch nach dem Unterricht nicht schwimmen

Vielen Kindern gelingt der Sprung im Laufe des Schwimmunterrichts, jedoch längst nicht allen. Auch am Ende der dritten Klasse stuft die Senatsverwaltung ein Viertel der Kinder in den beiden Bezirken als Nichtschwimmer ein. „Das kann nicht so bleiben“, sagte Scheeres. Schwimmen sei lebensnotwendig. Zudem steppe im Sommer im Freibad der Bär. „Kinder, die nicht schwimmen können, sind davon ausgeschlossen.“

Um mehr Kindern das Schwimmen beizubringen, unterstützen - finanziert von der Senatsbildungsverwaltung - ab nun zwei Trainer die Sportlehrer im Kombibad Seestraße. Nach den Sommerferien soll eine dritte Lehrkraft folgen auf Kosten des Berliner Schwimmverbands. „Für uns ist das ein Herzensprojekt“, sagte Axel Bender, Präsident des Berliner Schwimmverbands. Leider gebe es immer wieder Ertrinkungstot, das gelte es zu verhindern.

Schwimmunterricht kann individueller gestaltet werden

Die vorhandenen Wasserflächen in den Bädern könnten durch das neue Konzept effektiver genutzt werden, so Scheeres. Da die Klassen nun in mehrere Gruppen eingeteilt werden können, könne besser auf den unterschiedlichen Leistungsstand der Kinder eingegangen werden.

Das Konzept begrüßt daher auch Lehrer Kai-Uwe Zimmer von der Vineta-Grundschule, der am Freitagmorgen mit seiner Klasse im Schwimmbad war. „Für uns ist das eine sehr große Hilfe.“ Sie starteten mit über 90 Prozent Nichtschwimmern in den Unterricht. Jetzt könnten sie die Gruppen je nach Entwicklung viel besser differenzieren. „Ich kann hier mit einer Gruppe für das Gold-Abzeichen üben, während der Kollege noch um die Bronze-Prüfung kümmert. Das wäre sonst nicht möglich.“ Auch sei durch die kleineren Gruppen der jeweilige Lernfortschritt deutlich größer.

Im laufenden Projekt an der Seestraße sind 13 Schulen mit insgesamt 1100 Schülern beteiligt. Welches Bad als nächstes zum Schulschwimmzentrum werde, entscheide sich nach der jeweiligen Nichtschwimmerquote der Bezirke, sagte Scheeres.

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