Berlin-Spandau

Streit über die Zukunft von besonderem Kleingarten

Karin Schönberger hat in Spandau einen naturnahen Permakulturgarten aufgebaut. Der Bezirk will die große Parzelle jedoch anders nutzen.

Karin Schönberger hat in Haselhorst einen Permakulturgarten aufgebaut. Den soll sie nun aber räumen. 

Karin Schönberger hat in Haselhorst einen Permakulturgarten aufgebaut. Den soll sie nun aber räumen. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin.  Auf gut 800 Quadratmetern hat Karin Schönberger ihr Naturreich aufgebaut. „Die weiße Rose“ nennt sie ihren Waldgarten im Spandauer Ortsteil Haselhorst. Doch wie lange es diesen noch gibt, ist ungewiss. Zum Anfang des Jahres wurde ihr Mietvertrag vom Spandauer Bezirksamt gekündigt. Inzwischen gibt es eine Räumungsklage, doch die Berlinerin wehrt sich. Sie hat über 1300 Unterschriften gesammelt, versucht, Kommunalpolitiker von ihrem Projekt zu überzeugen und will auch vor Gericht für ihren Garten kämpfen. Denn der ist laut Schönberger alles andere als ein gewöhnlicher Kleingarten.

Seit dem Jahr 2012 hat Schönberger die Parzelle gemietet, damals sei diese vollkommen verwildert gewesen, sagt sie. Zunächst wollte sie die Fläche als Naturgarten erhalten. Von ihrer Tochter habe sie dann den Impuls bekommen, in der Parzelle auch verstärkt Obst, Gemüse und Kräuter zu pflanzen. Heute wachsen in dem Garten unter anderem Salbei, Sanddorn, Zwetschgen, Kohl, Rhabarber und Birnen. In kleinen Teichen leben Frösche. Besonders ist aber vor allem die Art, wie die Fläche gepflegt wird.

Garten ist Teil von Bildungsprojekten

Permakultur heißt das Konzept, nach dem Schönberger vorgeht. Sie will ökologisch und nachhaltig gärtnern und möglichst wenig in die Naturkreisläufe eingreifen. „Alles bleibt im Umlauf“, erklärt sie. „Aus Laub wird dann zum Beispiel Mulch.“ Der Garten sieht so weniger aus wie ein typischer Kleingarten, mit gepflegten, kurz gemähtem Rasen, sondern unbearbeiteter und natürlicher.

Sie selbst habe sich viel über Permakultur angeeignet und sei inzwischen an verschiedenen Projekten beteiligt, erzählt Schönberger. So öffnet sie etwa seit mehreren Jahren ihren Garten zum „Langen Tag der Stadtnatur“ für Besucher. Auch bei dem Bildungsprojekt „Urbane Klima-Gärten“ der Humboldt-Universität engagierte sich Schönberger, die „Weiße Rose“ wird dort als Klima-Schaugarten gelistet, in dem sich Besucher informieren und sich mit Klimaschutz auseinandersetzen können.

Nabu will Wildpflanzen in Permakulturgarten pflanzen

Auch die Bezirksgruppe vom Naturschutzbund (Nabu) will den Garten mitnutzen. „Der Permakulturgarten von Karin Schönberger stellt in Kooperation mit dem Nabu Spandau für das Projekt „Urbanität und Vielfalt“ einen wichtigen, geschützten Standort für 100 Wildpflanzen verschiedener, seltener, heimischer Arten dar“, schildert Britta Laube, die Leiterin der Gruppe. „Die Pflanzen werden gerade im Späth-Arboretum der Humboldt-Universität angezogen und sollen im Herbst verpflanzt werden.“ Andere Standorte für die Wildpflanzen zu schwinden sei schwierig, weil es vielerorts Probleme mit Wildschweinen gebe.

Klar war während all der Jahre aber auch: Der Mietvertrag für den Garten verlängert sich immer nur jährlich und kann mit dreimonatiger Frist zum Jahresende gekündigt werden. Genau das ist im vergangenen Jahr geschehen, denn der Bezirk hat andere Pläne für die Fläche: Die Parzelle soll aufgeteilt werden, so dass dort mehrere Kleingärten entstehen können.

Diese könnten dann als Ersatzflächen zur Verfügung stehen für Menschen, die andernorts wegen Bauarbeiten ihre Gärten verlieren.

So mussten etwa erst kürzlich Mieter ihre Kleingärten am Saatwinkler Damm räumen, weil auf dem Gelände Wohnungen entstehen sollen. Das Bezirksamt sehe für ihre Parzelle einen anderen Bedarf vor, sagte erst kürzlich Stadtrat Andreas Otti (AfD) auf eine Einwohneranfrage von Schönberger in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Er sei zuversichtlich, dass neue Standorte gefunden werden, an denen die Projekte aus der „Weißen Rose“ weiterbetrieben werden können.

Nachfrage nach Kleingärten ist in Spandau groß

Die Nachfrage nach Kleingärten scheint in jedem Fall groß zu sein: Wie Helmut van Heese, Vorsitzender des Bezirksverbands Spandau der Kleingärtner, in einem Brief an die BVV-Fraktionen schrieb, gebe es allein in Spandau rund 1800 Familien, die eine Parzelle suchen. Mit mehr als 800 Quadratmetern sei die Fläche von Karin Schönberger mehr als doppelt so groß, wie die als Obergrenze angestrebte Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern für Kleingartenparzellen. Van Heese befürwortet deshalb ebenfalls eine Teilung des Gartens.

Die Bezirksverordnetenversammlung hat kürzlich dennoch mit Mehrheit beschlossen, dass sich das Bezirksamt für eine einvernehmliche Lösung einsetzen soll. Eine Räumung des Gartens soll vermieden oder wenigstens aufgeschoben werden, bis dieser tatsächlich nachgenutzt wird. Man wolle den Permakulturgarten, der auch von anderen Menschen genutzt wird, zumindest zeitlich befristet am Standort erhalten, heißt es in dem Dringlichkeitsantrag.

Die Verhandlung, bei der es um die Räumungsklage gehen soll, rückt derweil näher, der Termin ist für Ende April angesetzt. Karin Schönberger will in jedem Fall weiterkämpfen, zur Not auch in der nächsten Instanz. „Ich werde bis zum letzten Atemzug versuchen, dafür zu sorgen, dass die Pflanzen hier erhalten bleiben“, sagt Schönberger.

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