Kommentar

Ein Konzept für den Kurfürstenkiez fehlt

Gudrun Mallwitz, Reporterin für Tempelhof-Schönberg, über die Zustände im Kurfürstenkiez.

Die Anwohner leiden in der Kurfürstenstraße.

Die Anwohner leiden in der Kurfürstenstraße.

Foto: Reto Klar

Öffentlicher Sex, in Hauseingängen oder in Zufahrten praktiziert. Gehwege und Parkplätze, die verunreinigt werden, weil sich Prostituierte bei ihrer „Fließbandarbeit“ nicht die Zeit nehmen, eine Toilette aufzusuchen. Im Kurfürstenkiez, in dem sich auch Kitas und Schulen befinden, leiden Anwohner seit Jahren teilweise massiv unter den Begleiterscheinungen der Prostitution. Ein Kreis betroffener Bürger hat sich deshalb jetzt sogar an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und das Abgeordnetenhaus gewandt.

Diese Anwohner fordern Sperrbezirke, bislang aber gibt es in der Hauptstadt keine politischen Mehrheiten dafür. Weder auf Landes-, noch auf Bezirksebene. Die Diskussion darüber sollte aber unbedingt erneut geführt werden.

Was für einen Sperrbezirk, womöglich sogar außerhalb der Innenstadt, spricht? Die Überforderung der Behörden. Weder der Senat noch die zuständigen Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Mitte – die Kurfürstenstraße verläuft durch beide Bezirke – haben bis dato eine praktikable Lösung gefunden. Auch nach jahrelanger Diskussion sind sie sich nicht einig, wie sie die Probleme in den Griff bekommen können. Nicht, dass die Verantwortlichen in den beiden Bezirke tatenlos geblieben sind. Mit der Kontakt- und Beratungsstelle Olga haben sie ein wichtiges Angebot für die Prostituierten geschaffen. Kürzlich wurden auch zwei Öko-Toiletten aufgestellt. Das reicht aber nicht als Konzept.