Bezirke

„Die wachsende Stadt wirkt sich auf die Bauten aus“

Herausforderung und Erfolg: Ein Gespräch mit Stefan Förster, dem Vorsitzenden des Bezirksdenkmalrates in Treptow-Köpenick.

 Der Abgeordnete Stefan Förster (FDP) ist Vorsitzender des Bezirksdenkmalrates.

Der Abgeordnete Stefan Förster (FDP) ist Vorsitzender des Bezirksdenkmalrates.

Foto: dpa Picture-Alliance / Gregor Fischer

Der FDP-Abgeordnete Stefan Förster, studierter Historiker, leitet den Heimatverein Köpenick und ist Vorsitzender des bezirklichen Denkmalrates. Die kleine Schwester des Landesdenkmalrates berät in Fragen des Denkmalschutzes und der -Pflege. 12 ehrenamtliche Mitglieder gehören dazu, darunter auch Helmut Engel, ehemaliger Landeskonservator, der bis ins Jahr 2000 oberster Denkmalschützer war.

Herr Förster, Sie kommen gerade von einer Sitzung, was war das Thema?

Stefan Förster: Es geht um zentrale Fragen beim Umbau und der Erweiterung von Schulen, die unter Denkmalschutz stehen. Da muss man aufpassen, etwa wenn die hässlichen Container neben die historischen Gebäude gestellt werden. Manchmal gibt es Widerstand des Schulleiters, der nicht begreift, dass ein Denkmal in der Außenwirkung etwas Positives sein kann. Da gibt es die Angst, dass man nur wenig verändern kann, die Eltern sich dann mokieren, dass das Gebäude nur schwer in eine moderne Schule weiterentwickelt werden kann. Doch das ist unbegründet.

Was würden Sie als Erfolg im letzten Jahr verbuchen?

Da würde ich mal über 2018 hinausgehen. Es gab in Berlin die Diskussion um die Umrüstung der historischen Gaslaternen auf LED. Wir haben als Bezirksdenkmalrat erreichen können, dass nördlich und südlich des S-Bahnhofes Köpenick die Gaslaternen erhalten bleiben, weil sie prägend für die Siedlungen sind und ein Stück Zeitgeschichte darstellen. Wir haben das Gerhard-Hauptmann-Gymnasium unter Denkmalschutz stellen lassen. Wir beraten auch eine Reihe von privaten Eigentümern, die ihr Haus denkmalgerecht sanieren, erweitern oder umbauen wollten. Wir geben Hinweise oder Einschätzungen. Wir sind ja eine Art Bindeglied zwischen den Eigentümern und dem Bezirksamt. Schwierig wird es, wenn der Eigentümer das Bezirksamt ist. Dann hat man eine Fachverwaltung, beispielsweise das Schulamt, das sieht nur die Schülerzahl, die untergebracht werden muss. Auf der anderen Seite steht die Denkmalbehörde, die möglichst viel vom Denkmal erhalten will. Dazwischen ist die Hochbauabteilung, die die Baumaßnahmen umsetzen muss und oftmals kein Gespür für den Denkmalschutz hat. Da müssen wir vermitteln. Angeschoben haben wir auch, dass der Volkspark Wuhlheide, ein Teil der Wuhlheide ist ein Gartendenkmal, mittelfristig instandgesetzt wird. Die Pläne sind in Vorbereitung. Die Sanierung des Treptower Parks ist das Vorbild.

Mit den beiden riesigen Anlagen hat der Bezirk einiges zu stemmen.

Ja, und es fehlt das Personal, das gehört auch zur Wahrheit dazu.

Welche Projekte stehen noch auf Ihrer Agenda?

Das Strandbad Müggelsee begleiten wir intensiv, dass es dort vorangeht. Noch fehlt das Geld. Wir werden auch einen Schwerpunkt auf die Industriekultur legen – aber nicht nur in Schöneweide. Im Bezirk gibt es wunderbare Industriedenkmale, die unter Wert laufen und einer Nutzung harren. Und wir werden uns um die historischen Bootshäuser an der Regattastraße in Grünau kümmern – die Wiege des Wassersportes und ein Stück Geschichte des Bezirkes. 1868 fand dort die erste Binnenregatta Deutschlands am Langen See statt. Diese Häuser stehen teilweise leer und verfallen.

Ein millionenschweres Vorhaben ist die Sanierung der Regattatribune in Grünau.

Die geschichtsträchtige Regattatribune wurde vor zwei Jahren unter Denkmalschutz gestell. Es besteht die Gefahr, so ein traditionsreiches Gelände am Wasser zu verlieren, weil der Verwertungsdruck enorm gestiegen ist. Gerade mit der direkten Wasserlage. Der Denkmalschutz ist ein Schutzstatus, gegen Immobilienspekulation. Weiterhin ist es möglich Fördergelder zu bekommen, die ohne Denkmalschutz nicht möglich sind. Die Olympiade 1936, auch wenn sie unter politisch negativen Vorzeichen stattfand, war sportlich ein herausragendes Ereignis für Grünau.

Wurde in den letzten fünf Jahren zu viel unter Denkmalschutz gestellt? Da gibt es durchaus Kritik. In der Baubranche hört man, eine moderne Tribüne beispielsweise würde es besser bringen, statt jede Fuge einzeln auszubessern.

Die Regattatribüne war in keiner Weise strittig. So viel ist in den letzten Jahren gar nicht unter Schutz gestellt wurden. Es ergibt sich aus der historischen Situation: Man hat 1990 einfach nicht systematisch die Straßen abgegrast, um Denkmäler aufzunehmen. Die Denkmalbehörde hat nun eine Nachinventarisierung angeregt, In der Villenkolonie im Wendenschloss beispielsweise wurde ein halbes Dutzend Gebäude nachträglich unter Schutz gestellt, um zu verhindern, dass sie abgerissen werden oder so überformt und verändert, dass sie nicht mehr zu erkennen sind. Dass man über den Wert eines Denkmals streitet – das sind absolute Einzelfälle.

Momentan gibt es im Bezirk einige große private Investitionen, darunter befinden sich die alten Gaststätten Riviera und Gesellschaftshaus, nach Jahrzehnten Leerstand nur noch Ruinen. Nun soll es eine Seniorenresidenz am Wasser werden.

Dass der Verwertungsdruck auf die Denkmale zunimmt und so viele Genehmigungen eingehen, hat natürlich mit der wachsenden Stadt zu tun. Vor wenigen Jahren hieß es noch, Berlin hätte ausreichenden Wohnraum. Jetzt finden Denkmäler auf einmal Käufer, die vorher keiner beachtet hat. Nach dem Motto, nun kann man kaufen, investieren und abschreiben. Die Nachfrage ist groß, das war vor zehn Jahren anders, da fürchtete man sich vor Leerstand. Der Druck aus der Innenstadt hat die Außenbezirke erreicht, viele Familien aus Kreuzberg und Neukölln ziehen nach Treptow-Köpenick ins Grüne. Für sie werden jetzt Wohnungen attraktiv, die vorher nicht bereit standen.

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