Springbrunnen

Ist die Kogge für immer gestrandet? – Schmuckbrunnen, Teil 5

Ein weißes Hanseschiff in grauem wasserlosem Betonbecken im Ortsteil Friedrichsfelde; aus der Serie Schicksale von Springbrunnen

<p class="MsoPlainText">Am früheren gesellschaftlichen Zentrum im GensingerViertel (Adresse Alt-Friedrichsfelde 70/71 und Gensinger Straße) ist ein etwasungewöhnlich ausgestatteter Springbrunnen zu finden. Auch er gehört zu denKunstwerken, die die Neubauviertel aufwerten sollten und nun nicht mehr plätschern.</p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText"><b>Wie er einmal war </b></p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText">Der Bildhauer Nikolaus Bode hat hier eine typischehistorische Hansekogge in vereinfachten Formen modelliert. Sie besitzt zweiMasten, an einem wölbt sich ein vom Wind geblähtes Segel, am Bugspriet istbeiderseits ein Liebespaar im Brustbild dargestellt. Das Segelschiff, ausweißem Glasfaser-Polyesterharz und deshalb kaum durch die Witterungseinflüsseangegriffen, ist über einer symbolischen Welle auf einem zylindrischenBrunnenstock platziert. Unterhalb befinden sich fünf stilisierte Fischköpfe alsWasserspeier, leicht versetzt gleichmäßig rundherum verteilt. <br /></p><p class="MsoPlainText"><br /></p><p class="MsoPlainText">Die Skulptursteht in einem runden 6,50 Meter breiten und etwa 50 Zentimeter hohenBetonbecken und misst samt Becken vier Meter in der Höhe. Das Kunstwerk wurde1982 hier enthüllt. Das Motiv einer Kogge sollte laut Bode einen Bezug zumStandort herstellen – war doch die <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Alt-Friedrichsfelde_%28Stra%C3%9Fe%29?uselang=de">Straße Alt-Friedrichsfelde</a> <span style="mso-spacerun:yes"></span>im südlichen Barnim ein Teil desFernhandelswegs Moskau – Paris (Reichsstraße 1, heute Bundesstraße 1). Siespielte besonders in der Zeit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hanse">Hanse</a> eineRolle. </p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText"><b>Gutachten 1993 und die heutige Situation</b></p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText">Das Gutachten von Bau- und Kunstexperten im Jahr 1993 bescheinigt demBrunnen einen guten Erhaltungszustand, der künstlerische Wert wird indesziemlich kritisiert: „Das gewählte Material und die dementsprechende Gestaltungsind dem Motiv zu wenig angemessen, um künstlerisch zu überzeugen und dembetonierten Platz wirksam zu begegnen.“ In dieser Zeit „schwamm“ die Kogge nochim Wasserbecken oder spiegelte sich sogar darin.</p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText">In den mittlerweile mehr als 20 Jahren nach demgesellschaftlichen Umbruch kam es zu mehreren Nutzungsversuchen desnebenstehenden standardisierten Dienstleistungswürfels und eines Flachbaus –von Lebensmitteldiscountern über eine Jugenddisco und einen <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alt-Friedrichsfelde_80.JPG?uselang=de">Handwerkerservice</a>. <span style="mso-spacerun:yes"></span>Das alles rettete weder die Gebäude nochwertete es in irgendeiner Weise den Platz auf. Auch die zu dem Zentrum frühergehörende Clubgaststätte „<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gensinger_Viertel_Berlin-Frf_072-123.JPG?uselang=de">Kalinka“ ist eine zuwuchernde Bauruine</a><span style="mso-spacerun:yes"></span>.</p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText"><b>Unklare Zukunft </b></p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText">Nun herrscht seit etwa 2005 Stillstand, das Wasser wurdelängst abgeschaltet. Wie vom Lichtenberger Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) zu erfahrenwar, sucht der Bezirk als Eigentümer der Immobilie(n) und des Grund und Bodensverzweifelt nach Investoren. Weil diese beim Kauf den Brunnen übernehmen underhalten sollen, konnte bis Januar 2013 noch keine Lösung gefunden werden. </p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText">Wenn dort niemand aktiv wird, wird sich wohl wiedereinmal beweisen, dass die Natur stärker ist als alle menschlichen Schöpfungen:„Gras drüber.“</p><p class="MsoPlainText"> </p><p class="MsoPlainText"><u>Quelle</u>:</p><p class="MsoPlainText">Sylva Brösicke-Istok, Gabriela Ivan, Romy Köcher, HansSchlegel: „Plastiken Denkmäler, Brunnen in Berlin. Katalog 1993“, BezirkLichtenberg; Luisenstädtischer Bildungsverein Berlin 1993, ISBN 3-89542-012-3;Seite 20 <br /></p>

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