Springbrunnen

Springbrunnen: Es waren einmal viele schmucke Brünnlein ...

<h3 style="font-family: Arial, Verdana; font-size: 10pt; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; line-height: normal;"><br /></h3><p class=""></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">In der DDR-Zeit wurden „zur Lösung der Wohnungsfrage“, wie es damals hieß, komplette Wohnsiedlungen in den Berliner Ostbezirken neu gebaut. Aus Rationalisierungsgründen setzte man dafür vorgefertigte Betonplatten mit und ohne Außenkacheln in mehreren Typenbauten und verschiedenen Geschosshöhen ein.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Um das dennoch graue und eintönige Fassadenbild der neuen Wohnstraßen aufzulockern, konnten bildende Künstler Vorschläge zur Verschönerung der sogenannten „gesellschaftlichen Zentren“ einreichen. Die meisten Entwürfe sahen Schmuckbrunnenanlagen vor.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Nachdem eine Jury die Entwürfe begutachtet hatte, bestimmte man Details, und gegebenenfalls wurden vom Künstler noch Änderungen gefordert. So entstanden im Bezirk Lichtenberg ab den 1970er- bis in die 1980er-Jahre etwa 30 künstlerisch gestaltete Riesel- und Springbrunnen. Eine Auswahl solcher „Brünnlein“ und ihr jetziges Erscheinungsbild sollen in mehreren Beiträgen hier vorgestellt werden.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><b>„Brunnen mit Metallplastik“</b></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Nahe dem heutigen Roederplatz im Ortsteil Fennpfuhl steht ein bepflanztes Hochbeet. Was man nicht sieht, ist, dass es das Becken eines früheren Springbrunnens ist. Der in Biesenthal lebende Bildhauer Friedrich Schötschel hatte ihn „Brunnen mit Metallplastik“ genannt. Er wurde 1976 kurz nach der Fertigstellung der ersten Wohnhäuser vor der Clubgaststätte „Lichtenberger Krug“ im damaligen Neubaugebiet Lichtenberg-Nord angeschaltet.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Die zuerst Zugezogenen erinnern sich an sein Aussehen: Sieben schlanke Edelstahlrohre wanden sich schlangengleich um zwei leicht gespreizte gerade Rohre bis zu zweieinhalb Meter hoch. Sie endeten in verschiedener Höhe in langgestreckten nach unten und außen gerichteten Formen, die wie Duschköpfe aussahen und auch so funktionierten.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Einige verglichen die Kopfgestaltung mit herabhängenden Eiszapfen, andere sahen Algenbüschel oder Lappen. In einem Katalog werden die Köpfe als „tropfsteinähnliche Gebilde“ bezeichnet.&nbsp;</span></font><span class="Apple-style-span" style="font-family: Arial; font-size: 17px; ">FriedrichSchötschel hatte bei der Gestaltung an etwas Organisches gedacht. Seinespäteren Beobachtungen, wie Kinder in dem Becken herumtollten, das Wasser dazuheruntersprühte, erfreuten ihn ungemein.</span></p> <!--StartFragment--><!--EndFragment--><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Ein rechteckiges Kunststeinbecken in den Abmessungen sechs mal acht Meter diente als Wasserbecken, neben dem die Pumpenanlage verborgen war. Außen war das Becken mit Waschbetonplatten verkleidet.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Der Metallbrunnen plätscherte zwischen spätem Frühling und dem Beginn der offiziellen Heizsaison fast zwanzig Jahre lang. Probleme im Betrieb kamen den Einwohnern nicht zu Ohren.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><b>Der stete Verfall konnte nicht verhindert werden</b></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Die politische Wende nach 1990 und die beginnende Privatisierung der Wohngebäude samt den zugehörigen Flächen führten häufig dazu, dass Brunnen stillgelegt wurden, weil sie Zusatzkosten verursachten. Wenn der Bezirk keine Zuschüsse bereitstellen konnte und keine Sponsoren einsprangen, waren die Brunnen schnell verschmutzt oder beschädigt.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Obwohl sich auch hier ein schleichender Verfall der steinernen und metallenen Brunnenteile andeutete, kam eine von Kunst- und Bausachverständigen vorgenommene „restauratorische Begutachtung“ 1993 zu dem Schluss: „Die Brunnenanlage befindet sich in einem guten Erhaltungszustand“.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Trotzdem traf den Metallbrunnen &nbsp;um die Jahrtausendwende herum die „Abschalteritis“. Unmittelbar an seinem nördlichen Rand hatte sich ein Imbissstand eingerichtet, die Gäste, aber auch Spaziergänger ließen ihren Abfall immer häufiger auch in das Becken fallen – Papierkörbe, früher in größerer Zahl vorhanden, waren nun knapp.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Eines Tages war das Metallgestell verschwunden und der vom Zahn der Zeit angenagte Beckenrest war eine Gefahr für die Fußgänger. Das Bauamt sicherte das Areal zeitweilig mit einem Schutzzaun. Wo die Metallteile des Brunnens geblieben sind, ist nicht bekannt. Das Bezirksamt hat sie nicht, der Bildhauer besitzt sie nicht, und eine Anfrage beim Senat blieb leider unbeantwortet.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><b>Vom hässlichen Entlein zum bunten Schmuckstück</b></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Bevor an einen Umbau, einen Nachbau oder eine Umnutzung gedacht wurde, hatten sich Jugendliche des „Bernhard-Bästlein-Clubs“ der Beckenaußenwand angenommen. Sie besprühten es mit Steinen, Fischen und Wasserpflanzen als Graffiti.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Nachdem die benachbarte Clubgaststätte „Lichtenberger Krug“ abgerissen war und die Erben der von Roederschen Gutsherren die Wiedervergabe des Namens „Roederplatz“ für die nahe gelegene Straßenkreuzung beantragt hatten, beschloss die Bezirksverordneten-Versammlung eine deutliche Aufwertung des gesamten Bereiches.&nbsp;</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Die Politiker stimmten dabei auch dem Umbau des ehemaligen Fußgängertunnels in eine unterirdische Diskothek zu. So erarbeiteten Stadtplaner einen kompletten Gestaltungsplan, der auch das marode Becken einschloss und sowohl im Rathaus als auch in einem Einkaufszentrum der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Der Startschuss zu den Arbeiten erfolgte im Frühjahr 2010 mit einer öffentlichen Aufräumaktion der gesamten Umgebung.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Für das Brunnenbecken war eine Verkleidung mit aquarellfarbenen Keramikplatten wie beim Disko-Eingangshäuschen vorgesehen. Der relativ breite Rand erhielt geformte Stahlgitter-Sitze. Und das Grünflächenamt bepflanzte die abgedichtete Wanne mit gut aufeinander abgestimmten rund um das Jahr attraktiv aussehenden Blumen und Sträuchern.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Das neue alte Brunnenbecken erfüllt in dieser farbigen und sauberen Ausführung fast wieder sein ursprüngliches Ziel, nämlich den betonierten Platzbereich aufzuwerten und zu beleben.</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><b>Bildhauer wusste nichts vom Abbau des Brunnens</b></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Der Urheber des Werkes, Bildhauer Friedrich Schötschel aus Biesenthal, führte mit dem Brunnen eines von nur zwei staatlichen Auftragswerken aus, sein Hauptschaffensgebiet war und ist aber die Ausstattung von Kirchengebäuden. Auf die Frage nach seiner Meinung zum Verschwinden des Brunnens sagte Schötschel: „Ich wusste noch gar nicht, dass der abgebaut wurde. Meistens fehlte es ja am Geld zur Pflege und dem Betrieb. Niemand hat bei mir wegen der Urheberrechte angefragt.“</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Quellen:</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;">Sylva Brösicke-Istok, Gabriela Ivan, Romy Köcher, Hans Schlegel: „Plastiken Denkmäler, Brunnen in Berlin. Katalog 1993“, Bezirk Lichtenberg; Luisenstädtischer Bildungsverein Berlin 1993, ISBN 3-89542-012-3</span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/brunnen/de/lic/06.shtml">Abbildung des Brunnens und Kurzgeschichte auf stadtentwicklung.berlin.de</a></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><br /></span></font></p><p class=""><font face="Arial"><span style="font-size: 15px;"><a href="http://www.lichtenberger-ansichten.de/?site=details&amp;id=469&amp;lang=deutsch">Graffiti am Brunnenrand auf lichtenberger-ansichten</a></span></font></p><p></p>

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.