Springbrunnen

Nur noch Trockenfische im Mosaikbrunnen – Schmuckbrunnen, Teil 6

Ein schönes farbiges Kunstwerk, gestaltet vom Künstler Adam Kurtz, fristet in der Siegfriedstraße in Lichtenberg ein ungewisses ...

<p class="MsoPlainText">Auch der hier vorgestellte Springbrunnen gehört zu jenenKunstwerken, die die Neubauviertel aufwerten sollten und nun nicht mehr plätschern. Er ist wohl zu einem langsamen Tod verurteilt.<br /></p><p class="MsoPlainText"><br /></p><p class="MsoPlainText"><b>Beschreibung des Originalzustands in den 1970er Jahren und das Umfeld</b></p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText">Ein rundes Bild aus kleinen Mosaiksteinchen mit Fischen,Seesternen, Wasserwellen sowie vereinfachten Sonnen- und Mondstrahlen befindetsich in einer vier Meter breiten flachen Kunststeinschale. Der Schmuckbrunnenwurde im Jahr 1973 eingeweiht. Vier Fontänen im Zentrum des Beckens beregnetendas Mosaik von oben. Das Kunstwerk mit einem Außendurchmesser von fünf Meternund einer Höhe von zirka einem halben Meter auf einem schmaleren Ständerscheint trotz seiner massiven Ausführung zu schweben. Es steht innerhalb einesAreals, das der Ostberliner Magistrat für auswärtige Bauarbeiter errichtenließ. Die große Hauptstadt-Wohnungsoffensive („Bis zum Jahr 2000 ist dieWohnungsfrage als soziales Problem gelöst, jeder hat eine Wohnung“) derDDR-Regierung führte dazu, dass aus allen Bezirken Baufirmen, Baumaterial undBauarbeiter nach Berlin kamen. Man errichtete ihnen sogenannteBauarbeiterhotels zusammen mit Kantinenbauten und einigen schmückendenElementen in der Nähe. So entstanden gegenüber dem LichtenbergerStraßenbahn-Betriebshof in der Siegfriedstraße zwei sechsgeschossige Bauten,ein kleiner zweigeschossiger Versorgungsbau dazwischen sowie die<a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:2007-03-30_Lichtenberg_-_49_-_Angela_M.Arnold_Berlin_fec.JPG">Zentralgaststätte „Zum Bauarbeiter“</a> als öffentliche Einrichtung. Gleichzeitig wurde unmittelbar an derStraße (Hausnummer 183) ein separater Fünfgeschosser für andere Zweckehochgezogen. <br /></p><p class="MsoPlainText"><br /></p><p class="MsoPlainText"><b>Zwischenstadien</b></p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText">Mit der politischen Wende im Jahr 1990 war das alles erledigt. Dasdirekt an der Straße stehende Gebäude wurde flugs in ein Büro- und Ärztehausumgewandelt. Die Bauarbeiter waren in ihre Heimatorte zurückgekehrt und dieBezirksverwaltung hatte in die anderen beiden Häuser, die nach früheren Stadtbezirkenbenannt worden waren („Haus Lichtenberg“ und „Haus Friedrichshain“), Asylanteneingewiesen. Bauwerke und Umfeld gingen in den Folgejahren ihrem Zerfallentgegen, Mieter benachbarter Wohnhäuser sahen auf das Flüchtlingselend. Um2005 standen dann alle Gebäude leer. Die ehemalige Gaststätte „Zum Bauarbeiter“ war zunächst als Verkaufseinrichtung genutzt worden, 2009 trug man sie samt demHügel ab. An deren Stelle befindet sich nun ein Lebensmittel-Discounter. – Derhier beschriebene Brunnen hatte bereits 1993 sein Leben so gut wie ausgehaucht.In der Expertise heißt es dazu: „Der Brunnen ist stillgelegt. Der Platz und dieihn umgrenzenden Gebäude sind völlig verwahrlost.“ </p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText">Bei einer Besichtigung im Jahr 2009 konnte dieVerwahrlosung einschließlich der Nutzung des Brunnenbeckens zur Müllablage fastkörperlich wahrgenommen werden. Im Jahr 2011 hat der Bezirk das gesamte Arealan die HPG Heimbetrieb GmbH verkauft, die hier in einem der Gebäude einWohnheim für sozial Schwache unterhält. Im Umfeld ließ der Betreiber einiges inOrdnung bringen und beschäftigt einen Sicherheitsdienst. So war dann 2012 dieMosaikschale notdürftig gesäubert, der Müll grob beseitigt. Die Schale dienteoffenbar als Freilufttreffpunkt für die Heimbewohner, denn einige der beliebtenweißen Plastikstühle umstanden ihn. Und Kronenverschlüsse sowieZigarettenkippen „verzierten“ seinen Rand (siehe Bild). Der Mosaikbrunnen liegtaber noch immer trocken und die Zuleitungen rosten vor sich hin. LautMitteilung des Baustadtrats, Wilfried Nünthel (CDU), hat der Bezirk dieGebäude, die Flächen und auch den Bauschmuck verkauft und damit keinen Einflussauf Nutzung, Abbau oder sonstige Pläne des Eigentümers.</p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText"><b>Zustand und trüber Ausblick</b></p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText">Ende Februar 2013 hatte sich gegenüber dem Foto (sieheoben), das im November 2012 entstand, nichts geändert. Die Steinchen bröckeltenund auch die Baumaterial-Häufchen lagen noch so da. Die Nachfrage zum Brunnen in der Geschäftsleitung der HPGHeimbetriebe ergab, dass es keinerlei Planungen für eineWiederbelebung gibt. Die Pumpentechnik sei untersucht worden und funktioniertnicht mehr und die Rohre können das Wasser nicht mehr halten. FürUmbaumaßnahmen ist kein Geld vorhanden und die Beschäftigung von Heimbewohnernfür Reparaturen wäre Schwarzarbeit. So wird das frühere Schmuckstück wohl einesTages verschwinden, weil es außerdem für die am Rande der Fläche aufgestelltenGaragen ein Verkehrshindernis bildet. Einzige Rettungsmöglichkeit wäre einSponsor oder die Übernahme einer Patenschaft.</p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p><p class="MsoPlainText"><u>Quelle</u>: Sylva Brösicke-Istok, Gabriela Ivan, Romy Köcher,Hans Schlegel: „Plastiken Denkmäler, Brunnen in Berlin. Katalog 1993“, BezirkLichtenberg; Luisenstädtischer Bildungsverein Berlin 1993, ISBN 3-89542-012-3;Seite 39</p><p class="MsoPlainText">&nbsp;</p>

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