Berliner Museen

Magische Momente in Mitte

Das „Magicum“ an der Großen Hamburger Straße will das weltweit erste interaktive Museum der Magie und Mystik sein.

Allein schon die Beleuchtung der einzelnen Räume lässt die Besucher in eine besondere Atmosphäre eintauchen.

Allein schon die Beleuchtung der einzelnen Räume lässt die Besucher in eine besondere Atmosphäre eintauchen.

Foto: Magicum

Auguste Gischler und ihr Mann Rob Brown haben viel von der Welt gesehen und verschiedene Kulturen kennengelernt – durch ihre eigene Familiengeschichte, aber auch durch ihren Beruf. Dass sie vor fünf Jahren das „Magicum“ eröffneten, das nach ihren Angaben „weltweit erste interaktive Museum der Magie und Mystik“, sei da nur eine logische Konsequenz gewesen, sagt Auguste Gischler.

Sie und ihr Mann kommen aus dem Theaterbereich. Als professionelle Tänzer hatten sie Engagements auf Kreuzfahrtschiffen, unterhielten die Gäste unter anderem auf der „MS Deutschland“, dem „Traumschiff“ aus der gleichnamigen ZDF-Serie. „Auf unseren Reisen kamen wir immer wieder mit dem Thema Magie in Berührung“, erzählt Auguste Gischler, die in Beirut geboren wurde und deren Familie sowohl niederländische als auch portugiesisch-afrikanische Wurzeln hat.

Mit Rob Brown, der aus der früheren niederländischen Kolonie Surinam an der Nordostküste Südamerikas stammt, hat sie Pyramiden, Moscheen und Tempel besucht, ebenso Kultstätten wie Stonehenge. Von überall her brachte das Paar Erinnerungsstücke mit. Im Laufe der Jahre entstand die Idee, das alles nach Beendigung der aktiven Tanzkarriere in einem Museum zu zeigen.

Im Reich des Übersinnlichen und Unbewussten

Im „Magicum“, untergebracht in den Räumen einer denkmalgeschützten ehemaligen Schmiede, tauchen Besucher auf mehr als 600 Quadratmetern in ein Reich des Übersinnlichen und Unbewussten ein. Doch bevor sie hinabsteigen in die labyrinthischen Kellergewölbe, können sie auf dem ersten Treppenabsatz testen, wie es um ihre innere Harmonie bestellt ist – an einer chinesischen Glücksschale, die Auguste Gischler und Rob Brown aus Shanghai mitbrachten. „Die Handballen ins Wasser tauchen und dann an den beiden Griffen der Schale reiben“, erklärt Gischler einem Besucher. Der schaut etwas skeptisch, doch Sekunden später erfüllt ein tiefer Brummton den Raum, bringt das Wasser in der Schale zum Sprudeln. „Sehen Sie, das ist Magie“, sagt Gischler und lacht.

Dann geht es hinab in die niedrigen Gewölbe, in denen Ritualgegenstände Auskunft über die Vielfalt magischer Phänomene geben. Die marmornen vietnamesischen Glücksgötter Fuk, Luk und Sau, die afrikanischen Ritualmasken oder der Schädel eines Wasserbüffels sind nur einige der 450 Exponate aus allen Kontinenten und verschiedenen Epochen, die Auguste Gischler und Rob Brown zusammentrugen.

Unter einem Kessel lodert eine Flamme, ein dickes Buch liegt aufgeschlagen vor Glaskolben. Durch ein geschmiedetes Tor blicken die Besucher in das „imaginäre Studierzimmer“ des Alchemisten Nicolas Flamel. „Das war der letzte Besitzer des Steins der Weisen“, erklärt ein Junge aus einer Schülergruppe. Woher er das weiß? „Aus ,Harry Potter‘ natürlich.“

Von der Alchemie bis zu den Weltreligionen

Durch die Bereiche Alchemie und Astrologie führt die Ausstellung zu den großen Weltreligionen. „Wir wollen dazu beitragen, den Blick der Besucher zu weiten“, erklärt die Museumschefin. „Denn es schien wie Magie zu sein, als Jesus übers Wasser lief und sich das Meer teilte.“

Ein wenig gruselig wird es in der in rötliches Licht getauchten Hexen-Abteilung: Folterinstrumente wie ein mit Nägeln besetzter Stuhl oder eine „Hexenwaage“ aus den Niederlanden erinnern an die grausame Verfolgung der dämonischen Wesen. Phiolen, gefüllt mit „Zaubertrank“, erinnern an die Künste von Kräuterfrauen und Medizinmännern. „Da ist leider sehr viel Wissen in Europa verloren gegangen“, resümiert Auguste Gischler.

Jetzt noch einmal um einen Mauervorsprung herum, dann stehen die Besucher im „Magischen Kabinett“, wo es gilt, Geheimschriften zu entziffern, eine Pyramide aus zwei Teilen zu bauen. Ein Mädchen sitzt vor einem hölzernen Labyrinth. Die Augen geschlossen, fährt sie mit dem Finger eine Linie entlang. „Das ist wie Meditation“, erklärt Auguste Gischler, „und zeigt, dass man immer zur Mitte kommt, wenn man sich nicht irritieren und sich nicht von seinem Weg abbringen lässt.“

Ein paar „angehende Zauberlehrlinge“ warten schon vor der roten Tür, die vom „Magischen Kabinett“ mit seinen Spielen und Rätseln in den „Magischen Salon“ führt. Dort steht eine Zaubershow auf dem Programm. Regelmäßig laden Gischler und Brown Zauberer zu Darbietungen ein, die Arrangements dafür stammen meist von Auguste Gischler.

Magicum Berlin Magic Museum, Große Hamburger Straße 17, 10115 Berlin-Mitte, Tel. 288 756 35, geöffnet täglich 10 bis 20 Uhr, www.magicum-berlin.de