Hilfe für Obdachlose

Kältehilfe nach besonderem Rezept

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Henning Drenkhahn, Chefkoch im Hotel InterContinental in Berlin-Tiergarten, und Klaus-Dieter Hoppe von der Stadtmission Berlin kochen gemeinsam für obdachlose Menschen.

Henning Drenkhahn, Chefkoch im Hotel InterContinental in Berlin-Tiergarten, und Klaus-Dieter Hoppe von der Stadtmission Berlin kochen gemeinsam für obdachlose Menschen.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Spitzenhotels kochen für Obdachlose, die Kältehilfe läuft. Dennoch kann das Leben auf der Straße tödlich sein. Wie jeder helfen kann.

Berlin.  Der Grünkohl ist frisch geschnitten, Kartoffeln und Würstchen auch – jetzt köchelt der Eintopf in riesigen Bottichen vor sich hin und duftet köstlich durch die große Küche des Hotels InterContinental in Tiergarten. Küchenchef Henning Drenkhahn taucht einen Löffel ein, schmeckt ab, schaut zufrieden. Die 300 Portionen Eintopf sind für eine besondere Kundschaft: Sie werden am Neujahrstag in den Suppenküchen und Einrichtungen der Berliner Stadtmission verteilt. Insgesamt acht Berliner Spitzenhotels beteiligen sich dieses Jahr wieder an der besonderen Spendenaktion für bedürftige Menschen, die das „Interconti“ seit 16 Jahren organisiert. Von Weihnachten bis Neujahr kocht an jedem Tag ein anderes Hotel für Berlins Menschen auf der Straße.

Für ihn sei es ein schöner Gedanke, „dass das, was man kocht, bei den Gästen auch benötigt und wertgeschätzt wird“, sagt Küchenchef Drenkhahn. Und Anforderungen an das Essen für Bedürftige wiederum sagen auch etwas über deren Not aus. „Zum einen sollte es ein Gericht sein, das viele Menschen gern mögen“, erklärt Drenkhahn, „denn diese Menschen können oft nicht auswählen wie Gäste im Restaurant“. Vor allem sei jedoch wichtig, dass das Gericht nahrhaft und gesund sei – „Grünkohl etwa enthält viel Vitamin C“. Und noch etwas, sagt er, hat er bei der Aktion erfahren: „Wir achten darauf, dass alles klein geschnitten und weich ist, denn viele Menschen auf der Straße haben schlechte oder keine Zähne mehr.“

In Friedrichshain hätte es im Dezember beinahe einen Kältetoten gegeben

Erfahrung darin hat Klaus Hoppe – er kocht jeden Tag Hunderte Essen für die Gäste der Stadtmission-Einrichtungen. „Wir beliefern zwei Hotels für wohnungslose Menschen und auch Geflüchtete, dazu die Notunterkünfte in der Lehrter Straße, in Reinickendorf und der Traglufthalle in Friedrichshain.“ Klaus Hoppe weiß, dass sich viele Gäste auf die besonderen Gerichte zur Weihnachtszeit freuen. „Es gibt in den Einrichtungen auch Weihnachtsfeiern, aber dass acht Tage lang diese besonderen Gerichte der Hotels angeboten werden, freut uns und hat sich bei den Gäste herumgesprochen.“

Wie wichtig die Versorgung wohnungsloser Menschen ist, haben die Nächte mit bitteren Minusgraden Mitte Dezember gezeigt. „In weniger kalten Nächten gibt es um die 20 Anrufe bei den drei Kältebussen der Stadtmission, diesmal waren es bis zu 120 in einer einzigen Nacht“, sagt Stadtmissionssprecherin Barbara Breuer. Die Notunterkünfte seien alle belegt gewesen, an der Lehrter Straße, wo die ganze Nacht geöffnet ist, mussten Gäste teils auch auf Isomatten am Boden schlafen.

Auch in Zügen und Bahnhöfen wird im Winter sichtbar, wie viele Menschen in Berlin kein Dach über dem Kopf haben. Zwar gibt es schon seit einigen Jahren keine „Kältebahnhöfe“ der BVG mehr, die bei Frost nachts offen blieben – stattdessen gibt es die berlinweite Kältehilfe der Hilfsorganisationen. Die BVG hat an vielen U-Bahn-Stationen wieder ausführliche, mehrsprachige Informationen zu Hilfeeinrichtungen und Beratung ausgehängt.

Appell an Passanten, Hilfe zu holen

Dazu gehört auch der Appell an Passanten, Hilfe für obdachlose Menschen zu holen, sofern diese das wünschen. „Zunächst sollte man aber die Betroffenen selbst höflich ansprechen, wie es ihnen geht – und ob sie zum Beispiel vom Kältebus in eine Einrichtung gebracht werden möchten“, rät Stadtmissionssprecherin Breuer. Sei ein Mensch nicht ansprechbar, sei es wichtig, im Zweifel den Notarzt zu rufen. In einer Frostnacht Mitte Dezember, berichtet Breuer, sei im Partykiez an der Revaler Straße in Friedrichshain ein Mann beinahe gestorben, der hilflos auf der Straße lag. „Passanten hatten dreimal den Kältebus angerufen und eine Dreiviertelstunde gewartet, aber die Busse brauchten wegen der großen Nachfrage länger.“ Ein Notarzt habe festgestellt, dass der Mann so unterkühlt war, dass er wenige Minuten später hätte sterben können.

Die Kälte- und Wärmebusse von Stadtmission und DRK sind abends und nachts unterwegs. Alle Angebote der Kältehilfe stehen auf www.kaeltehilfe-berlin.de und in der Kältehilfe-App. Hotline für Fragen und Betroffene: 0157 – 80 59 78 70.

Spenden für Obdachlose

Die Berliner Stadtmission freut sich über Kleider-Spenden. Gebraucht werden für Männer dunkle Winterjacken, Hoodies, Jeans- und Jogginghosen, lange Unterhosen, warme Mützen, Handschuhe und Schals, dicke Socken und Winterschuhe in großen Größen. Auch gute Schlafsäcke und Isomatten sind willkommen. Die Sachen können werktags von 8 bis 18 Uhr am Empfang der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße 68 in 10557 Berlin abgegeben werden. Wenn Sie die Kältehilfe in Berlin finanziell unterstützen möchten, spenden Sie an: Berliner helfen e.V. Stichwort: „Kältehilfe“, IBAN: DE69 1002 0500 0003 3071 00BIC: BFSWDE33BERFür eine Spendenbescheinigung bitte die Anschrift angeben